Moralisierte Moneten
Lange war es schick, in grüne Fonds zu investieren – inzwischen haben Sündenfonds wieder Konjunktur. Warum?
„Geld ist wie Dünger. Es ist am effektivsten, wenn es breit gestreut wird.“John Paul Getty II, Erbe einer Ölfirma, Lebemann und Philanthrop
Was bringen grüne Investments?
Dazu forscht die Wissenschaft aktuell zum Beispiel in den 13 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2021 gestarteten Projekten „Klimaschutz und Finanzwirt- schaft“.
Die Ausgangshypothese könnte lauten: Finanzmärkte, vor allem Banken, Versicherungen und Kapitalverwaltungsgesellschaften, haben vermutlich den einzigen, noch wirksamen Hebel gegen die Klimakipppunkte – durch Investition in dekarbonisierende Geschäfte und, noch schneller, durch den Rückzug aus karbonisierten (siehe auch brand eins 09/2021: „Noch mal mit Verstand“; b1.de/kapitalismus_verstand). Dies wird durch die sogenannte ESG-Taxonomie (Ökologie, Soziales, Governance) der EU und den damit einhergehenden Reporting Standards regulatorisch unterstützt.
Im Februar gab es erste Zwischenergebnisse. Der Trend zu grünen Anlagen sollte in der westlichen Hemisphäre unübersehbar sein, denn bei allen großen Investoren, besonders bei den Versicherungen, gilt Nachhaltigkeit als wichtiges Kriterium.
Doch die Realität sieht anders aus:
1. In Umfragen zu den wichtigsten Investmentquellen liegt Nachhaltigkeit nur an vierter Stelle – nach Menschenrechten, Tierschutz und Anti-Korruption (Universität Bochum).
2. Grüne Investitionen werden von vielen Investoren eher negativ bewertet (Universitäten Augsburg und Kassel).
3. Der Fokus liegt eher auf bestehenden umweltfreundlichen Geschäften, weniger auf der Transformation hin zu solchen (Universität Bochum).
4. Es gibt keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen grünen Investments und der CO2-Reduktion in Vergleichsregionen (Humboldt Uni- versität und Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung).
5. Die Sanierung von Gebäuden als ein wichtiges Feld für den Klimaschutz muss besser mit entsprechenden Finanzprodukten verzahnt und vereinfacht werden (Hochschule für Technik Stuttgart).
Gibt es auch Erfolge?
Ja, vor allem bei grünen Anleihen. In Privathaushalten ist ihr Wert vom 4. Quartal 2022 zum 4. Quartal 2023 von 11 auf 21 Milliarden Euro gestiegen. Ein Rekordanstieg, und die Privat- haushalte dürften bald die von Staaten gehaltenen Anleihen in der Summe übertreffen. Auch die von Versicherungen, Pensionsfonds und Banken gehaltenen grünen Anlagen wachsen: Der Markt hat sich von Anfang 2021 bis Frühjahr 2024 nahezu verdreifacht.
Ein konkretes Beispiel ist die österreichische Bank Kommunalkredit, die mit ESG-Investments und eben der Dekarbonisierung Geld verdient – die Eigenkapitalrendite von 25 Prozent wirkt höchst kapitalistisch. Die Bank finanziert nicht nur, sondern investiert auch, etwa gemeinsam mit dem Erdöl-, Gas- und Petrochemie-Konzern OMV in Österreichs größte Elektrolyse-Anlage für grünen Wasserstoff.
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