Zum Inhalt springen
Küchen-Wirtschaft

Die andere Art Geld

Die Küche – egal ob daheim oder in der Gastronomie – ist ein eigener Kosmos, der viel über uns, die Wirtschaft und die Gesellschaft verrät. Luka Lübke, Köchin und Autorin, erzählt diesmal, warum Sparen auch keine Lösung ist.



• Janosch war Sous-Chef in dem ersten Restaurant, das mir mitgehörte. Nachdem ich das Unternehmen verlassen hatte, wurden wir privat ein Paar. Und obwohl er wusste, dass ich mit der Selbstständigkeit so meine Probleme hatte, wollte er unbedingt mit mir ein neues Restaurant aufmachen. Ich wollte nicht. Aber die Stelle, die das Geld geben sollte, wollte Janosch nicht ohne mich, denn ich war schon ein bisschen prominent damals.

Anfangs lief es gut. Am Ende des ersten Jahres war alles Gekaufte bezahlt, und auch beim Tilgen des Geliehenen waren wir gut in der Zeit. Dann kam der Frühling, und unsere Umsätze reichten nicht mehr aus. Wir taten, was der Sparkassenmann uns empfahl: sparen. Wir kündigten dem fest angestellten Spüler, verzichteten auf Aushilfen, vertrösteten Angestellte mit Fristverträgen. Janosch reparierte die gefährliche Kaffeemaschine und nahm dabei Schaden, ich bestellte beim Putzen Trüffel für ein anderes Restaurant. Dort kochte ich zusätzlich, um Geld zu verdienen, das ich dann im eigenen Laden wieder verbrannte.

Das war in Ordnung für mich, nur der morgendliche Kaffee mit der Reinemachfrau, die wir nicht mehr bezahlen konnten, fehlte mir. Gestört hat mich aber, dass ich in einer Dauer-Defensive war. Dass die Website Fehlerchen hatte, der Newsletter hingeklatscht war und die Social-Media-Präsenz ungepflegt. Weil Zeit fehlte und Energie.

Im Sommer stellten wir fest, dass all das uns nicht half, weil wir als Chefs aus dem letzten Loch pfiffen und die Qualität des Ladens litt – nur nicht in der Küche, denn da waren wir uns treu geblieben und hatten nur das eingekauft und zubereitet, was wir auch unseren Familien gekocht hätten. Wir erkannten: Ein körperlich und mental gesunder Küchenchef ist auch eine Art Kapital.

Sie haben bereits ein brand eins Konto? Melden Sie sich hier an.

Wir freuen uns, dass Ihnen dieser Artikel gefällt.
Er ist Teil unserer Ausgabe Geld

Geld für alle! – Echte Helden investieren ins Gemeinwohl
Zum Weiterlesen wählen Sie eine dieser Optionen

brand eins 06/2024 (Digital)

7,60 € / einmalig
Meistgewählt

brand eins Abonnement

108,00 € / Jährlich

✓ Print-Ausgabe nach Hause geliefert
✓ Digital-Ausgabe, PDF und E-Book
✓ Zugriff auf das gesamte brandeins-Archiv inkl. Kollektionen
✓ Jederzeit kündbar

Sicher bezahlen mit
Weitere Abos, Schüler- & Studentenrabatte