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Haferkater

Die Porridge-Kette Haferkater ist ein typisches, auf Wachstum ausgerichtetes Start-up. Die Gründer haben ambitionierte Pläne, namhafte Investoren – wollen diese aber jetzt loswerden. Wieso?



Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 06/2024.

Ein junger Mann mit kurzem, dunklem Haar und Bart lächelt freundlich in die Kamera. Er trägt einen dunkelblauen Strickpullover. Im Hintergrund ist ein verschwommener Raum mit großen Fenstern zu sehen.
Eine junge Frau mit braunen Haaren und einem dunklen Hemd steht selbstbewusst vor einer modernen Glasfassade. Sie blickt direkt in die Kamera und wirkt entschlossen.

Setzen auf die Crowd, um ihr Unternehmen unabhängig zu machen - auch von sich selbst: Anna Schubert (r.) und Leandro Burguete (l.).

• Ein Konferenzraum in einem Berliner Hinterhof. Ein Strauß trockener Haferähren auf einem Sideboard erinnert an das Getreide, mit dem hier alles begann: Die Literaturstudentin Anna Schubert und der Jurastudent Leandro Burguete gründeten mit geliehenen 20.000 Euro vor zehn Jahren ihren ersten Porridge-Imbiss. Heute betreiben sie mit Franchisepartnern 25 Haferkater-Filialen, beschäftigen 120 Menschen und setzten im vergangenen Jahr elf Millionen Euro um. Burguete und Schubert sind auch privat ein Paar. Wenn sie darüber sprechen, dass sie ihre Firma nun in Verantwortungseigentum überführen wollen, merkt man, dass sie den Gedanken zigmal hin- und hergewendet haben. Levin Siert, der dritte Haferkater-Gründungspartner, reist gerade durch Sizilien und fehlt deshalb beim Gespräch.

brand eins: Sie wollen in den nächsten Monaten zehn weitere Imbisse eröffnen und auf 17 Millionen Euro Umsatz wachsen. Warum legen Sie gerade jetzt einen Rückwärtssalto hin?

Leandro Burguete: Wieso Rückwärtssalto?

Anna Schubert: Die Übergabe in Verantwortungseigentum ist ein logischer nächster Schritt dessen, was wir seit Langem tun. Hinter dem Ganzen steht kein Wertewandel. Wir wollen es nur in fünf Jahren noch genauso richtig machen können wie heute. Und auch an unseren Wachstumszielen – 55 Millionen Euro Außenumsatz in fünf Jahren – ändert sich nichts. Aber wir verändern den Rahmen. Mit Crowdfunding sammeln wir Geld für weiteres Wachstum und das Auszahlen unserer drei Investoren ein. Zusammen halten sie 33 Prozent der Anteile. Danach werden auch wir drei Gründer unsere insgesamt 66 Prozent Anteile unserem Unternehmen übertragen.

Dann wird das Unternehmen sich selbst gehören. Wann kamen Sie auf diese Idee?

Schubert: Als wir die Zeit dazu hatten. Wenn man eine Firma gründet und groß macht, steckt man derart tief im Tagesgeschäft, dass man sich über nichts anderes Gedanken machen kann. Nachdem wir unsere Prozesse stabilisiert und auch Corona überstanden hatten, haben wir überlegt, was wir eigentlich in zehn Jahren machen wollen.

Burguete: In der Pandemie mussten wir alle unsere Läden schließen, die Mieten und die Gehälter für unsere damals 100 Mitarbeitenden aber weiterzahlen. Aus einer Situation, in der alles sicher schien, stürzten wir über Nacht in einen Super-GAU. Hätte uns damals jemand zehn Euro für unser Unternehmen geboten und uns alle Schulden und Sorgen abgenommen – wir waren so verzweifelt, dass wir so ein Angebot vielleicht angenommen hätten. Das hat uns ins Nachdenken gebracht: Wenn eine einzige Krise reicht, um alles zu zerstören, was du aufgebaut hast, wie kannst du dann dein Unternehmen davor bewahren? Deshalb haben wir uns für den Patagonia-Weg entschieden.

Das heißt: wie Yvon Chouinard, der Gründer des Outdoor-Bekleidungs-Anbieters Patagonia, der seine Unternehmensanteile nicht vererbt oder verkauft, sondern in die Hände der Firma gelegt hat.

Schubert: Richtig. Wir wollen dafür sorgen, dass unsere Firma unabhängiger von ihren Gründern wird und sich dennoch treu bleiben kann. Dafür sammeln wir bis zum Herbst 3,5 Millionen Euro durch die besagte Crowdfunding-Kampagne ein, mit der wir unsere Investoren herauskaufen und unsere nächsten Wachstumsschritte finanzieren können. Nach einer solchen Umwandlung in Verantwortungseigentum können die Stimmrechte nur von Menschen gehalten werden, die aktiv im Unternehmen arbeiten – Haferkater kann nicht mehr verkauft werden.

Nach ganz ähnlichen Prinzipien arbeiten in Deutschland laut der Stiftung Verantwortungseigentum bereits mehr als 250 Unternehmen, darunter Robert Bosch, Carl Zeiss und die Handelskette Globus, die Suchmaschine Ecosia und der Kondomhersteller Einhorn. Zusammen beschäftigen sie mehr als 1,2 Millionen Menschen und erwirtschaften mindestens 270 Milliarden Euro Umsatz.

Eigentlich wollte die Ampelkoalition für solche Firmen eine eigene Rechtsform als Ergänzung zur 1892 etablierten GmbH schaffen. Dass diese GmbH in Verantwortungseigentum bis heute fehlt, macht die Umwandlung von Unternehmen nach diesem Modell kompliziert.

„In jedem Fall lohnt es für Unternehmen, sich frühzeitig mit Eigentumsverhältnissen und Finanzierungsstrukturen auseinanderzusetzen“, erläutert Jakob Willeke von der Beratungs- und Investmentgesellschaft Purpose Ventures, die Haferkater bei der Umwandlung in Verantwortungseigentum beriet und mit Eigenkapital einstieg. Wichtig sei, dass das Gründerteam eine gemeinsame Mission teile beziehungsweise dass alle über die Ziele der anderen im Bilde seien. „Nicht alle Unternehmen haben das Glück, dass die bestehenden Investoren, die einen anderen Weg mit dem Unternehmen gehen wollen, so kooperativ sind, wie das bei Haferkater der Fall war.“ Ein weiterer Vorteil sei die Stärke der Marke gewesen. In einem solchen Fall biete die Finanzierung über die Crowd „unter anderem eine stärkere Bindung der Kunden an das Unternehmen“.

Das Bild zeigt eine helle Filiale des Cafés "Häerkater" in einem modernen Bahnhof. Durch die große Glasfront ist der Verkaufstresen mit einer Auswahl an Backwaren und Kaffee sichtbar. Über dem Tresen hängt ein Schild mit dem Schriftzug "Häerkater". Der Raum wirkt einladend und freundlich.

Würstelstand war gestern: Porridge-Imbiss am Bahnhof Ostkreuz in Berlin

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