Was kommt nach dem Kompensieren?
Bäume pflanzen, um Treibhausgase auszugleichen – diese Methode ist in Verruf geraten. Ein neues Konzept will es besser machen.
Wer einen Flug bucht und deshalb ein schlechtes Gewissen hat, zahlt einfach etwas mehr – eine Art Ablasshandel. Von dem Aufpreis werden zum Beispiel Aufforstungen finanziert oder Waldrodungen verhindert. Was man an CO2 freigesetzt hat, sollen die Wälder aufnehmen. Es gibt Anbieter, die solche Klimaschutzprojekte durchführen und dafür Kompensationszertifikate ausgeben.
Seit den Neunzigerjahren werden mit Emissionsgutschriften auf dem sogenannten freiwilligen Kohlenstoffmarkt weltweit insgesamt etwa zehn Milliarden Dollar umgesetzt. Die Emissionsgutschriften, die im Jahr 2023 ausgegeben wurden, entsprachen rund 300 Millionen Tonnen klimaschädlichen Gasen.
Auch Unternehmen nutzen diesen freiwilligen Markt. Er unterscheidet sich vom Handel mit Klimaschutzzertifikaten, die von Staaten an Unternehmen ausgegeben werden. Die Firmen nutzen die freiwillig erworbenen Zertifikate, um ihre Produkte – vom Bonbon bis zur FFP2-Maske – als „klimaneutral“ zu bewerben.
Dieses Geschäft ist jedoch in Verruf geraten. Manchmal werden Zertifikate für den Schutz von Waldflächen ausgegeben, die in Wirklichkeit nie jemand kahlschlagen wollte. Manchmal wird die Kompensation doppelt gewertet. Ein Beispiel: Eine deutsche Firma erwirbt Zertifikate für ein Projekt, das auf Madagaskar Mangrovenwälder und Korallenriffe schützt, und gleicht so ihre freigesetzten Treibhausgase aus. Zugleich rechnet sich jedoch auch Madagaskar die Kompensation an – und verzichtet dafür womöglich auf eigene Maßnahmen gegen die Erderwärmung.
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