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Das Bild zeigt eine weitläufige Stadtansicht. Viele Gebäude unterschiedlicher Höhe und Architektur stehen dicht an dicht. Eine Straße mit dichtem Verkehr zieht sich durch das Bild, auf der Autos, Busse und andere Fahrzeuge zu sehen sind. Im Vordergrund befinden sich niedrigere Gebäude und Bäume, die einen Kontrast zu den höheren Bauten im Hintergrund bilden. Das Ambiente wirkt belebt und urban.

Bkash

Bkash wurde zum ersten Einhorn Bangladeschs, weil es Millionen Menschen digitale Geldsendungen mit alten Handys ermöglicht. Das hilft nicht nur den Armen, sondern der gesamten Wirtschaft.


Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 06/2024.

• „Hören Sie sich das an“, sagt Kamal Quadir mit aufgeregter Stimme und hält sein Smartphone über den Esstisch. Auf seiner Youtube-App beginnt ein Song aus dem Jahr 1971. Zum dramatischen Klavier-Intro singt das ehemalige Beatles-Mitglied George Harrison: „My friend came to me; with sadness in his eyes; he told me that he wanted help, before his country dies.“

Das Lied hat Quadir beeindruckt. Harrison heult darin den Appell an die westliche Welt, einem fernen Land zu helfen, wo so viele Menschen schnell stürben und Chaos herrsche: „Bangladesh, Bangladesh, where so many people are dying fast; and it sure looks like a mess.“

Quadir, ein kräftiger Mann mit gräulichem Haarkranz, deutet auf den gedeckten Tisch, den er mit seiner Köchin heute angerichtet hat: gegrillter Fisch, zwei verschiedene Linsencurrys, Salate, Hühnchen, selbst gemachter Joghurt. „1971, als dieses Lied geschrieben wurde und Bangladesch in seinem Unabhängigkeitskrieg steckte, kam ich zur Welt. An ein Abendessen wie das hier war damals gar nicht zu denken“, sagt er – um wenige Augenblicke ganz unvermittelt hinzuzufügen: „Ein Telefon ist viel mehr als nur ein Telefon.“

Aus der Perspektive von Quadir ergibt es Sinn, diese Sätze zusammenzudenken. Er ist Unternehmer und ermöglicht Menschen, die sich kein Smartphone leisten können, etwas zu tun, wofür sie früher ein Bankkonto gebraucht hätten: digital Geld zu überwiesen und zu empfangen. Die Geschäftsidee des 52-Jährigen hat messbar dazu beigetragen, die Armut in seinem Heimatland zu reduzieren. Als das Lied „Bangladesh“ zu Ende ist, sagt Quadir mit sichtbarem Stolz: „Bei allem, was Bkash tut, geht es um Inklusion.“

Bkash ist der Name des Unternehmens, mit dem Quadir vor 13 Jahren auf den Markt ging – und das heute so bekannt ist, dass es jedem und jeder im Land ein Begriff ist. Ähnlich wie „googeln“ oder „paypalen“ ist „bkashen“ hier ein eigenes Verb geworden. Das Besondere an Bkash ist, dass das Versenden von Geld und das Bezahlen von Rechnungen nicht nur per App, QR-Code und mit hinterlegter Bankkontonummer oder E-Mail-Adresse funktioniert – es reicht die schlichte Eingabe einer Tastenkombinationen, sodass auch Benutzer alter Handys den Service in Anspruch nehmen können. Etwa die Hälfte der Menschen in seinem Land besitze kein Smartphone, sagt Quadir. „Man muss Lösungen für das entwickeln, was man vorfindet.“

Das ist eindrucksvoll gelungen. In dem südasiatischen Land mit seinen 172 Millionen Einwohnern zählt Bkash 75 Millionen Kundinnen und Kunden – das sind fast 70 Prozent der Erwachsenen. Das Unternehmen hat namhafte Investoren wie die International Finance Corporation der Weltbankgruppe, die Bill and Melinda Gates Foundation, den Vision Fund von Softbank-Gründer Masayoshi Son und die von Jack Ma gegründete Ant Group. Es war das erste sogenannte Einhorn, das aus Bangladesch kam – kein anderes Jungunternehmen des Landes wurde vor 2021 mit mindestens einer Milliarde US-Dollar bewertet. Mittlerweile hat der Fintech Nagad ebenfalls diesen Status.

Kamal Quadirs Geschichte ist eine der größten unternehmerischen Erfolgsstorys in Bangladesch. Er arbeite und bete dafür, dass seine drei Kinder eines Tages in einem Land leben, wo die Armut besiegt ist, sagt er. „Ich glaube, Bangladesch bewegt sich in die richtige Richtung.“

In der 22-Millionen-Einwohner-Metropole Dhaka, so wuselig und chaotisch wie kaum eine andere Stadt der Welt, lebt Kamal Quadir im Obergeschoss eines durch Sicherheitspersonal bewachten Wohnkomplexes. Er ist vom Esstisch aufgestanden und geht auf seine Terrasse, von der man einen weiten Blick über das Zentrum der Hauptstadt hat.

Unten im Abenddunkel sind Quadirs Kunden: Rikschafahrer, Zeitungsverkäufer, Garküchenbetreiberinnen. Der durchschnittliche Überweisungsbetrag, den sie quer durchs Land schicken, beträgt umgerechnet etwa 15 Euro. Bkash erhebt – unabhängig von der überwiesenen Summe – pro Überweisung eine Gebühr von fünf Taka, das sind rund 4 Cent. Klingt wenig, aber die Menge macht’s. Nach Unternehmensangaben werden jeden Monat 350 Millionen Transaktionen über den Dienst abgewickelt. Im Jahr 2022 meldete die Firma gut 214 Millionen Euro Umsatz.

Wie viele Schwellen- und Entwicklungsländer ist Bangladesch von großer Ungleichheit zwischen Stadt und Land geprägt. Um das Einkommen der Familie zu verbessern, ziehen Millionen Menschen in Ballungsräume wie Dhaka, wo sie mit oft einfachen Jobs die Verwandten daheim unterstützen. Da die meisten von ihnen nicht über ein Bankkonto verfügen, mussten sie alle paar Wochen in die Heimat reisen, um dem Ehepartner, Eltern oder Kindern das verdiente Geld in bar zu übergeben.

Dank Bkash – das für die Registrierung neben einem Telefon nur einen amtlichen Ausweis verlangt – sind diese stundenlangen Busfahrten, auf denen immer die Gefahr eines Überfalls besteht, nicht mehr nötig. Im ganzen Land ist Kamal Quadir Partnerschaften mit Kioskbetreibern eingegangen. Dort können sich die Empfängerinnen und Empfänger einer Bkash-Zahlung mit einem simplen Zahlencode legitimieren, es findet ein Gegencheck auf der Plattform statt – und schon kann die entsprechende Summe ausgezahlt werden.

Das Bewegen von Geld für ärmere Menschen sicher, billig und schnell, kurz: einfach zu machen – „das war das Leitprinzip hinter dem Konzept“, sagt Quadir bei einem zweiten Treffen, dieses Mal im Datenzentrum seines Unternehmens in einem Hochhaus in Dhaka. Die gerundeten Wände sind voller Bildschirme, davor sitzt eine Handvoll Analysten, die die Ströme auswerten: Kurvendiagramme zur zeitlichen Abfolge der Dienste-Nutzung, Landkarten mit Bilanzen von Abhebungen und Einzahlungen.

„Was man hier sieht, unterscheidet sich von dem, was Visa oder Mastercard machen, nicht großartig – nur dass unsere Beträge natürlich viel kleiner sind“, sagt Quadir. „Wir haben mittlerweile auch eine Smartphone-App mit allen möglichen Features. Aber das Kerngeschäft kommt über die Tastenhandys. Das wird vorerst auch so bleiben.“

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