Läuft doch!
Steigende Kosten, geopolitische Spannungen, Klimakrise: Der Mittelstand steht vor einem grundlegenden Wandel. Drei Firmen aus Hamburg, Holzminden und Oberkochen zeigen, wie der gelingen kann.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 03/2024.
• Zum Wesen des deutschen Mittelstandes gehört Zurückhaltung. Während Großkonzerne wie etwa Volkswagen, BASF und Deutsche Bank medial dauerpräsent sind, werkeln die oft als Hidden Champions bezeichneten Firmen gern im Verborgenen. Umso mehr muss es einen besorgen, wenn sie wie derzeit doch einmal die Öffentlichkeit suchen: Interessenverbände sprechen von Stagnation, Rückgang, Talfahrt, Krise. Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer, welches das Geschäftsklima misst, bewegt sich seit 2021 im Negativbereich.
Lange Zeit lebte es sich weitgehend krisensicher in den Nischen des Exportweltmeisters Deutschland. Die Mittelständler glänzten mit hoch spezialisierten Maschinen, mit Bauteilen oder technischen Anwendungen, die kaum einer so gut konstruieren konnte wie sie. In vielen Branchen sind Firmen wie zum Beispiel der Maschinenbauer Trumpf, der Landmaschinenhersteller Claas, der Sanitär- und Heizungstechniker Viega oder die Glasmanufaktur Heinz-Glas bis heute Weltmarktführer.
Doch damit könnte es bald vorbei sein: Energiepreise und Gehälter treiben die Kosten. Geopolitische Spannungen drohen den Zugang zu wichtigen Absatzmärkten wie China einzuschränken. Über allem schwebt die Klimakrise, die seit Jahrzehnten betriebene Geschäfte verändert oder gar obsolet macht. Dem Mittelstand steht der grundlegendste Wandel seiner Geschichte bevor. Und da will manche Eigentümerfamilie nicht mithalten: etwa der Heiztechniker Viessmann, der seine Klimatechniksparte an den US-Konzern Carrier Global abtrat, statt die Entwicklung neuer Lösungen selbst voranzutreiben.
Die Hallen von Stiebel Eltron in Holzminden. Der Chef Kai Schiefelbein setzt auf Wärmepumpen
Andere Unternehmen wie die Autozulieferer Mahle oder Continental (siehe auch Seite 26: „Denen haben wir’s gezeigt!“) stehen mit dem Rücken zur Wand, weil das Geschäft mit Bauteilen für Verbrennungsmotoren zurückgeht und die Investitionen in Zukunftstechniken wie E-Mobilität sowie autonomes Fahren bislang nicht den gewünschten Erfolg brachten. Galeria Karstadt Kaufhof ist gerade das dritte Mal in die Pleite geschlittert. „Für den Mittelstand ist eine entscheidende Phase gekommen. Er muss sich jetzt entscheiden, ob das Geschäft bestehen kann – und wenn ja, wie“, sagt Klaus Schweinsberg, Gründer und Geschäftsführer des Centrums für Strategie und Höhere Führung sowie Berater für Familienunternehmen.
Auf den ersten Blick wirken solche Umbrüche beängstigend. Doch bei näherer Betrachtung gibt es reichlich positive Beispiele: Firmen, die die Probleme frühzeitig angegangen sind und nun entspannt auf den anstehenden Wandel blicken können. Obwohl die politische Stimmung schlecht ist, sind viele Mittelständler nach wie vor von ihren Fähigkeiten überzeugt. Dem KfW-Internationalisierungsbericht 2023 zufolge halten sie sich selbst weiterhin für tonangebend. Mehr als 80 Prozent glauben, ihre Marktstellung halten oder verbessern zu können. Jan-Philipp Ahrens, Leiter der interdisziplinären Forschungsgruppe Familienunternehmen der Universität Mannheim, erklärt: „Dem Mittelstand geht es viel besser, als es oft aussieht.“ Hans-Jürgen Wolter, Projektleiter beim Institut für Mittelstandsforschung in Bonn, sieht eine besondere Stärke darin, „mit Kreativität, Flexibilität und Kundennähe auf tiefgreifende Veränderungen und ökonomische Schwierigkeiten“ zu reagieren.
Wie ein solcher Wandel funktionieren kann, zeigen drei Beispiele. Die Optikfirma Carl Zeiss hat sich zum Chip- Zulieferer entwickelt, das Industrieunternehmen Körber hat radikal umgebaut und sich auf zwei Zukunftsbranchen konzentriert, und Stiebel Eltron ist zur deutschen Wärmepumpen-Hoffnung geworden.
Alle drei Firmen machen heute Milliardenumsätze, beschäftigen Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und sehen der Zukunft positiv entgegen. Geht also.
Carl Zeiss: altes Know-how, neues Geschäft
Über der Ostalb ist noch einmal der Winter eingebrochen. Beschaulich sieht es in dem schneebedeckten Wäldchen im Osten Baden-Württembergs aus – bis man nach Oberkochen kommt. Im Süden der 8.000-Einwohner-Stadt wird gebaut, ein halbes Dutzend Baukräne steht auf dem Werksgelände der Carl Zeiss AG. Mehrere neue Gebäude werden dort hochgezogen, vor allem für die Fertigung. Allerdings geht es nicht um Brillengläser und Mikroskope, die Produkte, für die das 1846 gegründete Unternehmen bekannt ist.
In den neuen Hallen produziert die Firma Bauteile für die Halbleiterfertigung. Das sind vor allem sogenannte Optiken, die entfernt an ein gigantisches Kameraobjektiv erinnern. Diese Optiken werden in Chipfertigungsmaschinen eingebaut, in denen sie Hochleistungslaser bündeln, die wiederum durch eine Schablone die gewünschten Schaltkreismuster auf die mit Fotolack beschichteten Siliziumwafer zeichnen. Die belichteten Stellen werden weggeätzt, sodass die gewünschten Muster entstehen. Und aus diesen bearbeiteten Wafern wird dann der fertige Chip.
Rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz macht die Firma mit Halbleitertechnik – gut ein Drittel des Gesamtumsatzes und eine Milliarde mehr, als die zweitgrößte Sparte Medizintechnik erreicht. „Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren noch einmal deutlich mehr wird“, sagt Gero Wittich, der bei der Halbleitersparte Zeiss Semiconductor Manufacturing Technology (SMT) für die Transformation verantwortlich ist.
Das Unternehmen hat in seiner Geschichte bereits einige grundlegende Umbrüche erlebt. Einst in Jena gegründet, nahmen die amerikanischen Besatzungstruppen nach dem Zweiten Weltkrieg 77 führende Beschäftigte aus Thüringen mit nach Oberkochen, wo sie Zeiss im Westen neu gründeten. Während der deutschen Teilung existierten so zwei Firmen nebeneinander. Nach der Wiedervereinigung des Landes kam es auch bei den beiden zum Zusammenschluss. Doch statt von der neuen Größe zu profitieren, rutschte das Unternehmen in den Neunzigerjahren in eine Krise. Die Integration von Ost- und Westgeschäft gestaltete sich schwierig, Doppelstrukturen wurden lange nicht aufgelöst. Ein großer Stellenabbau war die Folge.
Davon ist heute nichts mehr zu spüren. 2023 knackte Zeiss erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro Umsatz, getrieben von der Nachfrage nach Halbleitern. Damit zahlte sich eine Entscheidung aus, die vor rund 25 Jahren getroffen worden war, also in den schwierigen Neunzigerjahren. „So lange forschen und arbeiten wir schon an der Entwicklung der EUV-Lithografieoptiken“, sagt Wittich. EUV steht für extreme ultraviolette Strahlung, mit der sich noch feinere Schaltkreise auf die Wafer auftragen lassen als zuvor. Das bedeutet mehr Schaltkreise pro Chip und damit mehr Leistungsfähigkeit. Die neuen Hochleistungschips, die zum Beispiel für Anwendungen von künstlicher Intelligenz notwendig sind, werden seit etwa 2018 hergestellt. Einziger Lieferant der benötigten Fertigungsmaschinen ist die niederländische Firma ASML; einziger Lieferant der benötigten Optikteile ist Zeiss. Eine hochprofitable Partnerschaft, auch dadurch verstetigt, dass ASML 24,99 Prozent an Zeiss SMT hält.
Für diese Erfolgsgeschichte war vor allem eines nötig: Geduld. „Wir sind ein Stiftungsunternehmen, haben also einen langfristig orientierten Anteilseigner, der auch bereit ist, lange auf die Ergebnisse einer Investition zu warten.“ Mit dem Erfolg muss die Transformation nun aber weitergehen, denn die Nachfrage nach den Hochleistungschips und nach EUV-Lithografie wird durch die Verbreitung von KI und autonomen Fahrsystemen deutlich zunehmen.
Umsatz und Beschäftigtenzahlen haben sich innerhalb von sieben Jahren verdreifacht, das bringt Wachstumsschmerzen mit sich. „Neue Mitarbeiter zu finden und zu gewinnen, die zu Unternehmen und Kultur passen, ist nicht einfach“, sagt Wittich. Auch der Platzbedarf steigt, was die Baustelle in Oberkochen erklärt. Bis 2026 will Zeiss SMT den Output mehr als verdoppeln. Sorgen, dass das Unternehmen im Eifer des Gefechts über das Ziel hinausschießt, hat er nicht. „Die Nachfrage steigt so schnell, dass wir wahrscheinlich selbst mit allen Erweiterungen am Anschlag arbeiten werden.“
Feilen an Zukunftsprodukten: Einblicke in die Halbleiterfertigung von Carl Zeiss in Oberkochen
Treibt die Halbleitersparte von Carl Zeiss voran: Gero Wittich
Körber: einmal alles auf links drehen
Wie radikal sie bei Körber umgebaut haben, zeigt eine Zahl: 70 Prozent. Das ist der Umsatzanteil der Geschäfte, die das Unternehmen zwischen 2013 und 2023 verkauft hat. Ganze Sparten gingen an ehemalige Konkurrenten und Investoren, nach und nach reduzierte sich die Zahl der Sparten von sieben auf heute vier: Supply Chain, Digital, Pharma und Technologies. Mehr als 6.000 der 11.000 Beschäftigten wechselten zu den neuen Eigentümern der Sparten; insgesamt eine Milliarde Euro konnte Körber durch die Verkäufe in neue Firmen, Branchen und Technologien investieren. Trotz des gigantischen Umbaus konnte der Konzern seinen Umsatz im Jahr 2023 auf rund drei Milliarden Euro steigern, die Zahl der Beschäftigten in den verbliebenen Sparten blieb relativ konstant. Nur die Umsatzrendite, die von zehn Prozent im Jahr 2013 auf 1,4 Prozent im Jahr 2019 sank, lässt erahnen, was hinter den Kulissen geschah. (Mittlerweile hat sie sich bei rund acht Prozent stabilisiert.) „Der Wandel war radikal, keine Frage. Aber hätten wir das nicht gemacht, würde es Körber 2030 so vielleicht nicht mehr geben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Stephan Seifert.
Auslöser war 2013 die Frage im Vorstand, wie zukunftsfähig das Unternehmen künftig noch sein würde. Ursprünglich war Körber auf Maschinen für die Zigarettenherstellung spezialisiert, ab den Siebzigerjahren kaufte die Firma in unterschiedlichen Sparten zu, etwa in der Papierproduktion und bei pharmazeutischen Verpackungen. Doch waren das noch die Branchen der Zukunft? Im Körber-Vorstand wollte man es genauer wissen und heuerte darum drei Forschungsinstitute an: eines in den USA, eines in Asien, eines in Europa. Sie sollten herausfinden, welche Branchen- und Techniktrends in zehn und 20 Jahren wichtig sein würden.
Auf Basis von Studien, von Gesprächen mit Kunden und den Ergebnissen der Institute diskutierte der Vorstand lange. Am Ende entschied er, sich auf zwei Branchen zu fokussieren: Pharma und Supply Chain, sprich Lieferketten und Logistik. „Pharma macht Sinn, weil wir einen demografischen Wandel ebenso wie eine langfristig bessere Medizinversorgung weltweit erwarten“, sagt Seifert. „Ähnlich ist es bei Supply Chain, wo wir einen starken Trend hin zum E-Commerce und zur Automatisierung sehen.“ Während sie den Verkauf von Sparten wie Werkzeugmaschinen einleiteten, investierten sie viel Geld in Neuzugänge: Seit 2013 kaufte Körber eigenen Angaben zufolge 16 Firmen in beiden Sparten zu. Darunter war 2022 die größte Übernahme ihrer Geschichte: Für mehr als eine Milliarde Euro erwarb das Unternehmen Siemens Logistics, einen Anbieter für Sortiertechnik. Laut Körber sorgen die beiden Geschäftsfelder inzwischen für 70 Prozent des Umsatzes.
Entscheidend ist für Seifert heute vor allem eines: Geschwindigkeit. Während Maschinenbauer früher drei bis fünf Jahre Zeit bekamen, um ein Produkt zu entwickeln, stehen Techfirmen heutzutage unter mehr Zeitdruck. „Dieses Verständnis ist bei vielen Unternehmen im Mittelstand noch nicht angekommen und wird einige vor existenzielle Herausforderungen stellen“, sagt er.
Ein Mittelständler könne außerdem nicht alles allein machen. Für Logistiksoftware hat das Unternehmen sich daher 2021 mit KKR einen Private-Equity-Investor an Bord geholt. Körber hält 60 Prozent an dem gemeinsamen Projekt, der Investor die verbleibenden 40 Prozent, zusammen investieren sie. Wer die Rechnung teilt, kann sich mehr leisten.
Zufrieden mit Körbers Kurswechsel: Stephan Seifert, der Vorstandsvorsitzende
Stiebel Eltron: durchhalten!
Wie die deutsche Energiewende sich entwickelt, entscheidet sich auch in einem schmucklosen Gebäude am Rande von Holzminden, Niedersachsen. Dort, in Halle 2 der Firma Stiebel Eltron, donnern große Maschinen, Beschäftigte schrauben filigrane Technik zusammen. Hier entstehen Wärmepumpen. Die Nachfrage, so sollte man meinen, ist gigantisch. Und ja, auf dem Papier läuft es: 2023 wird für Stiebel Eltron das Jahr mit dem höchsten Umsatz seit der Gründung 1924.
Doch der Chef Kai Schiefelbein sitzt im Konferenzraum im ersten Stock eines Neubaus, hinter sich graue Wolken, und sagt Sätze wie: „Wir haben das Jahr 2023 gerade so im Sinkflug über die Ziellinie gerettet.“ Und: „Die kurzfristigen Aussichten für uns sind nicht so toll.“ Der Grund dafür ist die Achterbahnfahrt der vergangenen zwei Jahre: Zuerst kauften viele Menschen Wärmepumpen aus Angst vor hohen Gaspreisen, dann trieben das Hin und Her der Bundesregierung beim Heizungsgesetz und Kampagnen dagegen die Menschen zum Kauf von Gasheizungen. Ähnliche Entwicklungen beobachtet Stiebel Eltron in ganz Europa. Eine knifflige Situation für den Mittelständler.
Die Firma ist ein klassischer Weltmarktführer. Gründer Theodor Stiebel erfand 1924 einen Ring-Tauchsieder, der aus elektrischer Energie warmes Wasser macht, zum Beispiel in Durchlauferhitzern. Später kamen neue Produkte hinzu, ab 1976 etwa die Wärmepumpe, damals ein Nischengeschäft. Doch die Unternehmensführung glaubte daran, finanzierte den Zweig über all die Jahre, steckte Geld in Innovation und Forschung. Das sollte sich später auszahlen.
2022 war es so weit. Plötzlich schossen die Aufträge für Wärmepumpen in die Höhe. Schnelle Bearbeitung, gut geölte Prozesse: All das, was sie vorbereitet hatten, war jetzt gefragt. 2022 machte Stiebel Eltron 1,1 Milliarden Euro Umsatz. Die Aussichten? Rosig.
Das sind sie prinzipiell weiterhin. 2023 erhöhte der Konzern den Umsatz noch einmal leicht auf 1,25 Milliarden. Langfristig wird außerdem der Wärmepumpenmarkt wachsen, da sind sich alle sicher. Schiefelbein erwartet, dass bis 2030 allein in Deutschland 500.000 bis 700.000 Geräte nachgefragt werden. Aber bis dahin muss Stiebel Eltron noch durchhalten. Und schnell massiv investieren, um in dem wachsenden Markt mitzumischen und nicht zu viele Stücke des Kuchens an größere Wettbewerber wie Bosch oder Carrier Global zu verlieren.
„Wir bräuchten gerade viel Liquidität“, sagt Kai Schiefelbein. Aber weil die Politik den Markt abgewürgt habe, fehle diese. „Als Familienunternehmen können wir kein Geld am Kapitalmarkt einsammeln, sondern sind auf Banken angewiesen.“ Der Haken daran: „Banken finanzieren lieber, wenn jeder auch ohne Fernglas erkennt, dass alles rosig ist. Sobald wir ‚Es läuft gerade nicht, aber es wird wieder besser‘ sagen müssen, sind die Banken zurückhaltender und die Konditionen nicht mehr so gut“, sagt der Geschäftsführer.
Beirren lässt Schiefelbein sich nicht. Er hat große Versprechen gemacht: 450 Millionen Euro will Stiebel Eltron in den kommenden Jahren in neue Produktionsstätten für Wärmepumpen stecken – und zwar in Deutschland. „Die Leute sind bestens ausgebildet, bringen hohe Eigenverantwortung mit. Das ist der Hauptvorteil des deutschen Standorts“, sagt der Chef des Familienunternehmens. In Höxter hat die Firma 2022 bereits ein 15.000-Quadratmeter-Areal gekauft. 40 Beschäftigte werkeln dort, mittelfristig will der Hidden Champion dort 300 Arbeitsplätze schaffen. In Gifhorn übernimmt Stiebel Eltron in den kommenden Jahren ein Werk des Autozulieferers Continental (siehe auch Seite 26: „Denen haben wir’s gezeigt!“). Dort sollen noch einmal 300 Arbeitsplätze entstehen, viele Beschäftigte will man übernehmen und umschulen. Wärmepumpe statt Autobremse: Symbolischer kann der Umbau der deutschen Industrie kaum sein.
Parallel tüfteln die Ingenieure im Haus schon an den nächsten Nischenprodukten. Zurzeit arbeiten sie etwa an sogenannten Wohnungsstationen, die die Gasthermen in Mehrfamilienhäusern ersetzen sollen, sowie an Lüftungsanlagen für besonders gut gedämmte Häuser. Noch sind die Märkte klein. Bis sie größer werden, muss Stiebel Eltron durchhalten. Aber damit kennt sich die Firma aus. ---
Lässt sich nicht beirren: Kai Schiefelbein (l.). Ein Blick in die Produktion bei Stiebel Eltron (r.)
Foto Kai Schiefelbein: © Körber AG
Wer zählt dazu?
Als Mittelständler gilt im Allgemeinen, wer bis zu 500 Menschen beschäftigt und einen Umsatzerlös von bis zu 50 Millionen Euro hat.
Viele Experten halten diese Definition jedoch für unzureichend. Jan-Philipp Ahrens, Leiter der interdisziplinären Forschergruppe Familienunternehmen der Universität Mannheim, führt an, dass Mittelständler meist familiengeführte Firmen sind, die in der Region verankert sind und Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen. „Der Mittelstand ist ein sozialer Kontrakt, der auf Vertrauen beruht, teilweise über Generationen“, sagt er. Darunter können auch Firmen mit Milliardenumsätzen fallen.
Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung kam in seiner jüngsten Schätzung im Jahr 2019 zum Schluss, dass 36,7 Prozent aller in Deutschland erwirtschafteten Umsätze auf solche Familienunternehmen entfallen und diese fast 56 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten unter Vertrag haben. Das Bundeswirtschaftsministerium nennt ähnliche Zahlen und weist darauf hin, dass Mittelständler 70 Prozent aller Auszubildenden beschäftigen.
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