Was Neues machen
Manchmal verändert brand eins Leben. Zwei Leser und eine Leserin erzählen.
Matthias Wesselmann,
45, ist Geschäftsführer der Deutschlandsparte der Kommunikationsberatung Ketchum. Über ihn berichtete brand eins 2015. Damals war er bei der Schweizer Möbelfirma Vitra und ging einen besonderen Weg.
brand eins: Herr Wesselmann, Sie sprachen damals mit uns darüber, wie Sie als Marketingchef bei Vitra Ihre Abteilung zu einer hauseigenen Agentur umstrukturiert hatten. Wie waren die Reaktionen?
Matthias Wesselmann: Ich war stolz darauf, was wir verändert hatten, und habe mit einem Kollegen in einem Doppelinterview darüber gesprochen, ohne das intern genauer abzustimmen. Das hat nicht für die allergrößte Freude gesorgt. Es war sicher auch ein Fehler, dass ich so beseelt davon war, in der brand eins vorzukommen, dass ich mich selbst eher nach vorn und das Unternehmen nach hinten gestellt habe. Das würde ich heute keinesfalls mehr machen.
Sie haben kurz nach Erscheinen der Ausgabe gekündigt – welchen Anteil hatte unsere Geschichte daran?
Es kamen damals verschiedene Faktoren zusammen: Wir hatten bei Vitra eine Software eingeführt, mit der sich Marketingprozesse automatisieren und zentral verwalten ließen, und ich bekam vermehrt Anfragen, diese auch bei anderen Firmen zu implementieren. Darauf und auf eine räumliche Veränderung hatte ich Lust. Ich habe dann gekündigt, bin von Basel nach Hamburg gezogen und habe mich zunächst mit einer Software-Firma selbstständig gemacht. Die brand eins-Story war definitiv ein Katalysator für diese Entscheidung.
Inwiefern?
Ich kann mich an das Interview noch sehr gut erinnern: Ich saß mit dem Autor Dirk Böttcher im Café des Vitra-Hauses in Weil am Rhein, wir haben uns sehr lange unterhalten. Die Fragen haben mich zum Nachdenken angeregt. Und spätestens, als ich das Endergebnis gelesen hatte, war mir klar: Jetzt verändere ich etwas.
Haben Sie später je gedacht: Dieses Interview hätte nicht sein müssen?
Nein, nie. Natürlich ist eine Veränderung auch mal unangenehm, und die braucht man nicht jeden Tag – aber ab und zu auf jeden Fall. Ich werde nervös, wenn ich das Gefühl habe, zu lange in der Komfortzone zu sein. An brand eins schätze ich, dass ihr stets zum Wandel ermutigt. Wie wichtig der ist, habe ich bei meinem jüngsten Wechsel wieder gemerkt: Nach sieben Jahren im Vorstand von Fischer-Appelt wurde mir die Geschäftsleitung von Ketchum Deutschland angeboten – eine große Umstellung, von der inhabergeführten Agentur zur börsennotierten US-Gesellschaft. Aber ich hatte wieder Lust auf eine Veränderung.
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Er ist Teil unserer Ausgabe 25 Jahre brand eins