Die Reifeprüfung
Die Küche – egal ob daheim oder in der Gastronomie – ist ein eigener Kosmos, der viel über uns, die Wirtschaft und die Gesellschaft verrät. Luka Lübke, Köchin und Autorin, erzählt diesmal, warum Geduld und Ausdauer zu den besten Ergebnissen führen.
• Jolanta, so hieß in meiner Jugend unsere Haushaltshilfe aus Polen, die meine Mutter Christa noch heute gern zitiert, wenn sie sagen will: „Nimm dir Zeit, wenn es was werden soll.“ Denn Jolanta fand: „Man kann alles schnell, schnell machen, außer bügeln.“ Beim Bügeln kann man sich zwar beeilen, aber es bringt nichts. Das Ergebnis wird nur gut, wenn man langsam bügelt.
Wie bei einer Jus, dieser dunklen, konzentrierten Sauce aus Knochen, Röstgemüse und Wein, die Sie aus Gourmet-Restaurants kennen, die drei Tage zubereitet werden muss. Die Jus braucht Zeit, das heißt aber nicht, dass man für sie viel machen müsste. Nur den Prozess muss man verstehen, so wie man Teig, Brühe, Eier und Getreide über die Jahre als Köchin verstehen lernt – egal ob im Restaurant oder für die Familie.
Zum Verstehen kann am Anfang ein Rezept beitragen, dann aber sind zwei Faktoren nötig, die darüber hinausgehen: Geduld und Ausdauer. Wie beim Bügeln. Ich muss die Dreidimensionalität meines Oberhemdes verstehen, auch die Materialbeschaffenheit, um es mit Umsicht behandeln zu können: So brennt’s nicht an und wird überall glatt.
Das heißt weder, dass Trödeln eine Tugend ist, noch dass etwas, das lange reift, viel Aufwand bedeutet. Man muss sich nur rechtzeitig überlegen, wann man etwas auf den Punkt haben will und demzufolge früh genug damit beginnen.
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Er ist Teil unserer Ausgabe 25 Jahre brand eins