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Arbeitszeit und Zeitwohlstand

Können wir uns Zeitwohlstand leisten?




„Eine erfolgreiche Industrienation (…), lässt sich nicht als kollektiver Freizeitpark organisieren.“
Bundeskanzler Helmut Kohl, 1993*

*Das Zitat bezieht sich auf den Beschluss der Volkswagen AG zur Einführung der Vier-Tage-Woche für 100.000 Beschäftigte, 1993

Die Arbeitszeit ist in der Diskussion. Wie viel arbeiten wir denn überhaupt?

Die durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitsstunden in Deutschland sind seit dem 19. Jahrhundert deutlich gesunken. Im Jahr 1871 arbeiteten die Beschäftigten 72 Stunden pro Woche – und dies meist körperlich erschöpfender als heute.

Im Jahr 2022 lag die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in Deutschland bei 34,7 Stunden – und ist damit nach den Niederlanden, Dänemark und Norwegen die viertniedrigste in Europa.

Diese Entwicklung hatte schon John Maynard Keynes früh vorhergesagt.

In seinem Essay „Economic Possibilities for our Grandchildren“ von 1930 formulierte der kinderlose Keynes die These, dass die Generation seiner Enkel aufgrund der Produktivitätsfortschritte und Automatisierungen nur noch 15 Stunden pro Woche arbeiten müsse. Da wirken die derzeitigen 34,7 Stunden wie krasse Überstunden.

Der US-Radioverbund NPR hat die Enkelkinder von Keynes Schwester im Jahr 2015 zu ihren tatsächlichen Arbeitszeiten befragt: Nicholas Humphrey antwortete, dass er als Professor eher 15 Stunden am Tag arbeite. Die selbstständige Psychotherapeutin Susannah Burn gab etwa 50 Wochenstunden an. Beide bestätigten zudem, dass Keynes sich mit seinen Herzproblemen freudig zu Tode gearbeitet habe. So lebensnah kann Forschung sein.

Warum sprechen sich heute viele für eine Arbeitszeitreduktion aus?

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