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Luka Lübkes Bolognese

Omas heißer Scheiß

Die Küche – egal ob daheim oder in der Gastronomie – ist ein eigener Kosmos, der viel über uns, die Wirtschaft und die Gesellschaft verrät. Luka Lübke, Köchin und Autorin, erzählt diesmal, wie man beim Kochen Panik vermeidet.



Ein großer, orangefarbener Kochtopf mit einem dunkelbraunen Eintopf gefüllt. Ein silberner Kochlöffel ragt in den Eintopf hinein. Der Hintergrund ist weiß.

• „Mise en Place ist was für Feiglinge“, lautete ein beliebter Satz in der Restaurantküche: Wer alle zum Kochen benötigten Zutaten penibel vorbereite, sei ein Angsthase. In jener Welt galten auch Regeln wie „Nur wer heiß anfassen kann, kann auch heiß lieben“. Besonders oft wurden solche markigen Sprüche dann bemüht, wenn man im Stress war beziehungsweise „in der Scheiße“ steckte, ein unfreiwilliges Branding an den Unterarmen dem nächsten folgte und man sich noch schlechter konzentrieren konnte. In die Scheiße geriet jedoch vor allem, wer kein gutes Mise en Place hatte.

Der Ausdruck kommt aus dem Französischen und bedeutet: alles da, wo es sein sollte. Gemeint ist die Arbeit, die man schon vor 18 Uhr erledigen kann und deren krönender Abschluss für uns optimalerweise ein sogenannter Panik-Kaffee war, draußen auf der Mülltonne, der ohne Panik-Zigarette nicht schmeckte. Ranggleich mit dem Feierabendbier stellte er, zumindest für Feiglinge, den Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt des Arbeitstages dar.

Fern dieser Welt befindet sich die der Privatmenschen-Koch-Events, für die ich Jahre später gern gebucht wurde, weil ich als Spezialistin für Meal Prepping, Nose to Tail, Leftover Food Management, Clean Eating und Zero Waste Cooking galt. Was mich ordentlich amüsierte, weil das, was da als der heiße Scheiß aus Amerika daherkam, doch nichts anderes war als das, was unsere Groß- und Urgroßmütter schon seit Jahrhunderten praktiziert hatten.

Da diese ökonomisch zurechtkommen mussten, handelten sie zwangsläufig ökologisch. Das Essen verspätet auf den Tisch zu stellen war für sie kein Thema, weil sie erstens einen Plan hatten und zweitens vorbereitet waren. Sie konnten die vorhandenen Nahrungsmittel klug und kreativ einteilen, bei überraschend viel Besuch geschickt vermehren und Speisen haltbar machen, um damit die Zeit zu überlisten.

All das, dachte ich, sollten junge Menschen von heute zumindest ansatzweise wissen. Dann könnten sie sich und ihre Kinder mit echtem, gekochtem Essen versorgen und trotzdem ein selbstbestimmtes Leben führen, in dem die Zeit am Herd ein frei gewähltes Vergnügen ist und keine tägliche Bürde.

So gab ich den ersten Workshop – mit dem Ergebnis, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihr Geld zurückhaben wollten. Das Lehrinstitut war eines von vielen, die sich damals vom trutschigen Kochkurs mit Rezept abheben und jünger anmuten wollten. Ich hatte den Abend daher „Make Your Own Fast Food – Omas Küchen-Hacks“ betitelt. Vermitteln wollte ich, dass aller Anfang eine gute Brühe ist, dass aus einem Huhn fünf Gänge für zehn Leute werden können und dass Vorräte in Schraubgläschen die Rettung sind, wenn es mal schnell gehen muss.

Ich gab mir viel Mühe, die Grundprinzipien von Fond, Risotto, Dressing und Ragout hobbykochgerecht zu vermitteln und ließ viel geschmacklichen Freiraum, um zu zeigen, dass Kreativität am Herd gut fürs Klima sei.

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