Lifehacks per App Dooiy: Besser wohnen
Eine Geografin entwickelt zusammen mit Slum-Bewohnern eine datensparende App mit praktischen Ratschlägen.
• Als Marlene Lerch 2018 erstmals als Touristin die Township Nomzamo in Kapstadt besuchte, sah sie, wie die Menschen mit Wasser- und Strommangel, schlechten hygienischen Bedingungen und der Enge kämpften. Und wie sie sich zu helfen wussten. „Es gibt zahlreiche innovative Ideen vor Ort, aber keine Reichweite, keine Multiplikatoren“, sagt die studierte Geografin.
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Zurück in Berlin, entwarf sie mit ihrem Mann, dem Software-Ingenieur Christian Fuß, eine App für sogenannte Life-Hacks, kleine lebenserleichternde Tricks und Kniffe. Die Anwendung war so daten- und batteriesparend wie möglich. Auf Youtube und Tiktok gibt es zwar auch Ratschläge, aber die gehen oft an der Lebensrealität armer Menschen vorbei, die zwar Handys haben, aber nur wenig Datenvolumen und noch weniger Geld.
Für die App sammelt Lerch Tipps von Hochschulen und Hilfsorganisationen, vor allem aber von den Slum-Bewohnern, zum Beispiel wie man eine einfache Eimer-Waschmaschine baut. Von einem Forscher vom MIT bekam sie die Bauanleitung eines Verdunstungskühlschranks. Zwei Studentinnen der University of Cape Town entwarfen einen simplen Feuerlöscher: eine 2-Liter-Plastikflasche, gefüllt mit Wasser und Essig, etwas Spülmittel und Natron. „Feuer ist ein großes Problem“, sagt Lerch. Es gibt illegale Stromleitungen, aber kein Löschwasser. In Nomzamo waren bei einem ihrer Besuche in einer Nacht 250 Hütten abgebrannt und dadurch 1200 Menschen obdachlos geworden.
2021 war der erste Prototyp fertig, und Lerch und ihr Mann erhielten eine Förderung durch das deutsche Wirtschaftsministerium. Im Februar 2023 stellten sie die Website Dooiy.org online, die sie seitdem ausbauen. Die App soll Ende des Jahres erscheinen, kostenlos und möglichst schnell in vielen Ländern Afrikas in mehreren Sprachen verfügbar sein. Geplant ist auch ein Art Newsletter-Workshop via Whatsapp, „denn für viele Menschen in den Townships besteht das Internet nur aus diesem Messaging-Dienst“.
In Nomzamo ist ein Maker Shack entstanden – eine Hütte, in der man die Tricks und Techniken ausprobieren kann. Dort finden auch Seminare statt. Lerch und Fuß hoffen auf eine Kooperation mit Shoprite, dem größten Supermarkt-Händler Afrikas. Auch ein Lebensmittelhersteller zeigt Interesse. Eine Initiative aus Indien will weitere gute Tipps beisteuern.
Die datensparende Technik, die auch ohne Netz (Peer to Peer) funktioniert, könnte auch für den Katastrophenschutz interessant sein, sodass sich das Engagement der Entwickler vielleicht auch irgendwann auszahlt. --
