Belegschaft bei der Arbeit

Format D

Die Digitalagentur Format D hat ein schickes Büro in München. Aber das steht oft leer, weil alle unterwegs sind. Mit dem firmeneigenen VW-Bulli in Portugal oder in einer Villa in der Toskana. Und die Chefs bezahlen alles. Aus purem Egoismus.




• Das Landgut Poggio Cuccule liegt am Ende einer steil abfallenden, ausgewaschenen Piste. Es besteht aus drei Natursteinhäusern mit fünfzehn Zimmern, acht Bädern, einem Turm, einem Holzofen für Pizza und einem Outdoor-Pool. Die Immobilie kostet 3000 Euro pro Woche und hat 4,9 von 5 Sternen in den Vermietungsportalen. Rustikaler Luxus in der Toskana. Feigen- und Olivenbäume beschatten den Garten. An einer Steinmauer wächst Rosmarin. Hinter einem Gebüsch hört man Lachen, Gespräche und Schlagermusik. Freibadgeräusche.

Könnte ein Ferienclub sein, ist es aber nicht. Es ist das Sommerbüro der Münchner Firma Format D, einer digitalen Werbeagentur mit 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die 30 Firmen betreuen. Sie entwickelt Websites und Online-Shops für mittelständische Unternehmen. Der Jahresumsatz beträgt rund 2,5 Millionen Euro.


Italienischer Außenposten des Unternehmens Format D.


Christian Schüller beim morgendlichen Bad im Firmen-Pool

Prinzip 1: Die Arbeit soll Spaß machen

Hinter einer Wäscheleine mit nassen Badehosen sitzt ein Mann in schwarzem T-Shirt mit einem Laptop auf dem Schoß: Christian Schüller, 48, einer der drei Inhaber der Agentur. Er legt Wert darauf, dass die Schlagermusik den Geschmack einer Einzelperson repräsentiert und nicht den der restlichen Belegschaft. „Wir machen das hier aus vielen Gründen“, sagt er. „Teambuilding, Motivation, Horizonte öffnen“ – notfalls auch für abweichenden Musikgeschmack.

Unter einem der Olivenbäume sitzt ein Dreierteam und diskutiert online mit einem Kunden in Deutschland. Das hier ist kein Urlaub, zumindest nicht hauptsächlich. Die Leute aus dem Pool sind fertig mit Planschen und bereiten das Abendessen vor. Business as usual. Nur ganz anders.

Es gibt Lasagne. Donato Roma, 26, hat ein Rezept von seiner Nonna aus Italien dabei. Er ist Software-Entwickler, Frontend. Er designt, was der Kunde auf dem Bildschirm sieht. Backend-Entwickler programmieren die Technik im Hintergrund. Romas Basisrezept ist klassisch: Hackfleisch, Gemüse, Mozzarella, Parmesan, Pastaplatten. Vier Schichten, keine Bechamelsauce. Aber das Agentur-Team ist divers. Ein paar wollen kein Fleisch, ein paar keine Laktose. Roma tischt deshalb drei unterschiedliche Versionen auf.

Fora, mit Hauptsitz in UK, bietet individuell designte Work Spaces für jeden Work Style. In Deutschland sind fünf Work Spaces an den Standorten Berlin, Frankfurt und Hamburg Teil der Fora Collection.

Anzeige

Fora logo bgw

Für Christian Schüller ist das ein gutes Beispiel für die Charta, die er seiner Firma verordnet hat, als er sie vor 18 Jahren gründete: Jeder wird mit seinen Bedürfnissen wahrgenommen, ob er Fleisch mag oder nicht, ob er Backend arbeitet oder Frontend, ob er langsam ist oder schnell. Damals war der Wirtschaftsingenieur und Unternehmensberater als Kostensenker für einen Industriekonzern aus München tätig, musste Fabriken schließen und Leute feuern. Davon bekam er erst einen Burnout, dann kündigte er: „Ich dachte mir, das muss besser gehen. Mit weniger Druck. Mit mehr Freizeit. Mit mehr Spaß an der Arbeit.“

Er beschloss, zusammen mit seinem Schwager Roland Stern eine Agentur zu gründen, deren Motto es ist, dass man sich am Sonntag schon auf den Montag freut, wenn die Arbeit wieder losgeht. „Viele Leute haben Jobs, bei denen sie sich am Montag schon auf den Freitag freuen, wenn die Woche endlich vorbei ist“, sagt Schüller. „Das kann doch nicht Sinn des Berufslebens sein.“

Nach einer Studie des Umfrageinstituts Yougov ist jeder Zweite in Deutschland mit seinem Job unzufrieden. Jeder Dritte hat Angst vor einem Burnout oder hat ihn schon hinter sich. Vor allem die Generationen Y (1981 bis 1996) und Z (1997 bis 2010) gelten als unzufrieden mit der traditionellen 40-Stunden-Arbeitswelt. Das sind aber genau die Leute, die Schüller für seine Digitalagentur braucht: junge, flexible Nerds mit der Fähigkeit, im Team zu arbeiten und gut mit anspruchsvollen Kunden umzugehen.

Die Neuen sind allerdings sensibel, sagt Schüller. Ein falscher Spruch, und sie sind eingeschnappt. Zu wenig Respekt, und sie schmeißen hin. Hierarchien interessieren sie nicht. Überstunden hassen sie. Mehr Geld finden sie spießig. Sie wollen genug zum Leben, aber sonst lieber Freizeit als Karriere.


Carina Spitzner und Hund Murphy


Achtet auf ihre Rast- und Ruhezeiten – Nicola Ritter


Chef mit Gummitier – Benno Weinzierl

Prinzip 2: Alle sollen sich wohlfühlen

Gut, dass die Format D-Gründer das auch so sehen. Benno Weinzierl, 43, ein braungebrannter Surfer mit langen Haaren, ist der dritte Gesellschafter der Firma. Er ist Backend-Programmierer. Und obwohl ihm der Laden zum Teil gehört, arbeitet er in einem der drei Teams mit und hört sich an, was der Projektmanager zu sagen hat. Die drei Gesellschafter wollen aus der Firma ein Paradies machen, sagt Schüller. „Aber wenn ihr denkt, wir machen das, weil wir so gute Menschen sind, dann täuscht ihr euch“, sagt Weinzierl. „Wir machen das aus purem Egoismus: Wir selbst wollen uns wohlfühlen.“

Lisa Schuhmacher, 28, ist Produktdesignerin. Sie kam 2019 zu Format D. 2022 dachte sie, was viele in diesem Alter denken: dass es woanders noch viel schöner ist, die Bezahlung besser und die Aufstiegschancen größer. Sie kündigte und ging zum weltweit größten Strategieberater, einem Consulting-Konzern mit 710 000 Leuten. Plus Schuhmacher.

Zuerst war alles super: die Firma, das Gehalt, die Perspektive. Aber jetzt sitzt Lisa Schuhmacher wieder hier im Sommerbüro der Agentur Format D, die 28 400-mal kleiner ist als der Beratungskonzern und sagt: „Dort kam ich mir vor wie ein kleines Rädchen in einer gigantischen Maschine. Klar kann man da theoretisch eine krasse Karriere machen. Aber plötzlich war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich das wirklich will: Turbokapitalismus. Mir ging die Sinnhaftigkeit verloren. Nach sechs Monaten wollte ich wieder zurück zu Format D, wo jeder jeden kennt, wo man nicht wegen Karriere oder Geld arbeitet, sondern mit Leidenschaft und weil man Bock drauf hat.“ Sie verzichtete auf das bessere Gehalt zugunsten des besseren Gefühls.

Im Moment hat sie Bock, in den Pool zu springen und ihr Kollege Marcel Hecker, 28, ein Full-Stack-Entwickler, der Frontend und Backend beherrscht, sagt: „Woanders hätte auch ich bestimmt mehr verdienen können. Aber was soll‘s: Mit der Kohle kann ich mein Bafög zurückzahlen und jetzt sitze ich hier in der Toskana am Pool.“ Seine Freundin behauptet, dass er ihr noch nie so glücklich vorgekommen sei wie jetzt.

Aber wie kriegt man das hin? Ist es das Büro in München, mit Indoor-Dschungel, Yogaraum, Siebträgermaschine, Cafeteria und Kinosaal? Ist es der VW-Bulli „Karl“ mit Allrad-Antrieb, Campingausstattung und Starlink-Antenne, damit man überall online arbeiten kann? Jeder darf sich den Bus kostenlos ausleihen und damit wegfahren. Carina Spitzner, 31, Wirtschaftspsychologin und Fitnessökonomin und bei Format D für „New Business“ zuständig, wird sich bald mit Karl und ihrem Freund nach Portugal verabschieden. Ob sie da arbeitet oder sich entspannt, ist ihre Sache. „Karl ist immer ausgebucht und ständig unterwegs“, sagt Schüller, „war gar nicht so einfach, dem Finanzamt klarzumachen, dass auch ein Campingbus ein Dienstfahrzeug sein kann.“

Vielleicht sind es aber auch die Wooo-days („working out of office“). Mal wandert man mit Alpakas durch die Berge, mal geht es zu Ikea ins Bällebad. Klingt komisch, scheint aber fast so gut anzukommen wie das Sommerbüro in der Toskana. Jedenfalls sprechen alle voller Hochachtung davon: „War echt geil bei Ikea.“


Bei der Stillarbeit: Bruno Antunes und Nicola Ritter


Anzeige

Fora stimmungsbild s

Eine neue Arbeitswelt. Bei Fora geht es vor allem um eins: dass jeder Mensch auf seine eigene Weise arbeitet. Fora ist für die Zukunftsorientierten, die Macher und Innovativen, denn jede:r hat seinen eigenen Work Style. Egal wie dieser aussieht Fora bieten den richtigen Raum. Ob fokussierte Arbeit, interessanter Austausch oder Momente der Entspannung, bei Fora gehört dein Tag dir – so bekommt ,Montag bis Freitag‘ eine ganz neue Bedeutung.

foraspace.de

Prinzip 3: Aber mit Struktur

Überhaupt scheint der Sinn des coolen Büros in einem ehemaligen Siemensgebäude im Südwesten der bayerischen Landeshauptstadt zu sein, dass keiner hingeht. Der Wirtschaftsingenieur und Scrummaster Patrick Eder, 29, zum Beispiel, arbeitet ohnehin nur 32 Stunden, und die meistens im Homeoffice auf dem Land bei Augsburg. Er hat sich schließlich nicht nur um seine Kunden bei Format D zu kümmern, sondern auch um seine Bienen, den Bau seines Hauses und das Volleyballteam vom TV Mering, da ist er Trainer. „Wir wollen hoch von der Bezirksliga in die Landesliga.“ Ehrgeiz muss sich nicht auf den Beruf beschränken.

Die Chefs scheint das nicht zu stören, im Gegenteil. „Wir wollen Halligalli“, sagt Benno Weinzierl, „damit die Leute sich wohlfühlen.“ Aber mit Struktur. Darum kümmert sich Christian Schüller. Denn bei aller Freiheit wird doch die Arbeitszeit elektronisch erfasst und kontrolliert. Alle wissen, wie es um ihr Arbeitskonto steht. Was Schüller planen kann, wird geplant. Und in schönstem Businessdeutsch bei Google eingetragen: Key-Events, Sprint-Wochen, Workshops. Alles farbig sortiert. Sein Kalender kennt kaum freie Flächen.

Als an einem Sonntag in der Toskana einmal fast nichts drinstand, schnappte er sich sein Rennrad und fuhr 90 Kilometer durch die Hügellandschaft südlich von Florenz. „1800 Höhenmeter“, verkündete er danach stolz, „fast von einem Lkw gestreift. Haarscharf!“ Vermutlich hat er das sofort in eine Tabelle eingetragen. Selbstverständlich hat er auch den Recherchebesuch von brand eins minutiös geplant (inklusive Freizeit-Slots). „Der Christian ist ein Struktur-Nerd“, sagt eine Mitarbeiterin, „mir gefällt das, ich mag es, wenn die Dinge klar geregelt sind.“


Ohne Mampf kein Kampf – Sabrina Sauter am Schneidebrett

Prinzip 4: Klein bleiben

Format D verwehrt sich den üblichen kapitalistischen Zielsetzungen. „Wir wollen nicht wachsen, weil wir unsere Größe gut finden“, sagt Schüller. „Und weil wir bei dieser Größe selbst noch operativ tätig sein können und nicht nur managen.“ Ein noch größerer Verstoß gegen die üblichen Grundsätze ist, dass die kleine Agentur auch Umsatz und Gewinn nicht steigern will. Sie ist zufrieden so, wie es ist. Und wenn jedes Jahr ein paar Hunderttausend Euro übrigbleiben, kaufen die Chefs davon neue Computer und Software für die Agentur.

Den Rest schütten sie an die Belegschaft aus. „Durchschnittlich anderthalb Monatsgehälter pro Jahr“, sagt Schüller. Das ist ein sympathischer Zug der Geschäftsführung, aber es erklärt noch nicht, warum die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Groupies von ihrem Arbeitgeber schwärmen. Bonuszahlungen gibt es auch anderswo, wenn’s gut läuft. Die Gehälter, die Format D zahlt, gibt die Firma nicht an. Sie seien marktüblich für kleinere Agenturen. Und viele arbeiten nicht 40, sondern 32 Stunden. Größere Agenturen zahlen mehr.

Was Format D außergewöhnlich macht, wird auf der Rückfahrt von Italien nach Deutschland deutlich. Donato Roma, der junge Coder mit dem Lasagne-Rezept, schläft seit vier Uhr morgens auf dem Beifahrersitz. Er hat die Nacht mit den anderen am Pool durchgemacht. Erst an der Grenze nach Österreich wird er wieder wach. „Format D“, sagt er, „war ein echter Glücksfall für mich.“

Roma hat Kommunikationselektroniker gelernt, Kopierer repariert und sich immer unbedeutender gefühlt. Morgens raus, zum Kunden fahren, kaputten Kopierer aufmachen, Fehler suchen, reparieren. Und das jeden Tag. Ein Rädchen in der Maschine, austauschbar, geringgeschätzt. „Unbefriedigend“, sagt er. Roma schulte um zum Programmierer und es wurde nicht besser. Bei seinem neuen Arbeitgeber fand er sich plötzlich in der Rolle des „Code-Monkey“ wieder. „Immer den gleichen Mist programmieren. Und das auch noch auf uralten Windows-Rechnern, die ständig abstürzen. Da kommst du dir vor wie ein Volldepp.“ Er kündigte und suchte wieder einen neuen Job. Aber nach der Volldepp-Nummer an den Windows-Maschinen wollte ihn keiner haben, zu wenig Erfahrung oder die falsche. Ab und zu wurde er zu einer Coding-Challenge eingeladen, bei der man zeigen muss, wie gut man programmieren kann, aber auch das lief suboptimal. „Ich war schon echt verzweifelt“, sagt Roma, „und habe mir gar nichts mehr zugetraut.“

Bis er durch Zufall Format D fand, sich bewarb und eingeladen wurde. „Die waren so freundlich und die Coding-Challenge war ganz anders als sonst“, sagt er, „ich sollte ein Pokedex programmieren.“ Eine Art Suchmaschine für Pokemonkarten. „Und das auf total neuen Mac-Rechnern. Ich glaube, die haben richtig viel Geld in die Ausstattung gesteckt. Das hat Spaß gemacht.“

Danach wurde Roma sofort eingestellt. „Und weißt du, was krass ist?“, fragt er und antwortet sich selbst, während es durch Oberbayern in Richtung München geht. „Die haben mir einfach vertraut. Ich habe von Anfang an dazugehört.“

Eine nennenswerte Fluktuation gibt es bei Format D eigenen Angaben zufolge nicht. Es haben zwar schon Leute die Firma verlassen, aber viele sind schon seit zehn Jahren und mehr dort.


Sonntag? Montag? Egal! Christian Schüller schwimmt, Bruno Antunes und Alisa Facher dehnen sich


Statt Kantine – selbstgemachte Lasagne in der Toskana

Prinzip 5: Selbstbewusstsein hilft

Was ist das Geheimnis, dass sich alle bei Format D so wohlfühlen? Verteilen die morgens Pillen oder gibt es abends eine kleine Gehirnwäsche? Donato Roma lacht: „Ne, was die uns geben, ist ganz einfach Wertschätzung. Jede Menge Wertschätzung. Die nehmen uns so, wie wir sind und finden uns gut. Und wir sie deshalb auch.“

Das heißt auch, dass keiner und keine mitmachen muss bei Bulli, Toskana und Halligalli. Manche bleiben dem Trubel lieber fern. Auch das ist okay.

Bei Format D geht auch deshalb so vieles, weil das Geschäft floriert und die Branche insgesamt wächst. Je mehr sich alles verändert, desto öfter brauchen Christian Schüllers Kunden digitale Beratung. Und als während Corona alle anderen stöhnten und jammerten, nahm Format D das Sparbuch in die Hand und machte das Büro schön. „Wir glauben an uns“, sagt Schüller hinter der Wäscheleine mit den nassen Badehosen in der Toskana. „Das macht das Leben leichter.“ ---

 



Fora artikel

Anzeige

Seit der Gründung hat Fora das Konzept des Arbeitsplatzes so gestaltet, dass es den sich ständig wandelnden Bedürfnissen und Anforderungen von Arbeitnehmer:innen gerecht wird.

Zum Artikel