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World Child Forum

Ein neuer Blick auf die Welt

Bernhard Hanel will in Davos ein Gegengewicht zum Weltwirtschaftsforum etablieren. Und Kindern eine Stimme geben. Hier schreibt er, warum.



Das Bild zeigt eine abstrakte Skulptur aus hellen Holzleisten. Die Skulptur steht auf einem dunklen Sockel vor einem hellen Hintergrund. Die Form ist komplex und erinnert an eine Mischung aus Architekturfragmenten und einem offenen Würfel. Im oberen Bereich befindet sich ein kreisförmiger Ausschnitt.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 05/2023.

Porträt eines Mannes mittleren Alters mit grau meliertem Haar und freundlichem Gesichtsausdruck. Er trägt ein blaues Hemd und eine helle Jacke und blickt lächelnd zur Seite. Der Hintergrund ist neutral weiß.

Bernhard Hanel, 55, studierte Kulturdesign, arbeitete zeitweise nebenbei als DJ und Kunstreiseführer und gründete 2004 die Kukuk GmbH für Spiel- und Außenraumgestaltung. Sein Verein Kukuk Kultur errichtet Schutz- und Spielräume in Krisengebieten weltweit. 2020 gründete er die Freispiel-Akademie, um die Bedeutung des freien Spiels für die Entwicklung von Kindern zu erforschen. „Der Mensch ist nur ganz Mensch, wenn er spielt“ – das sieht er wie Friedrich Schiller. Hanel hat sechs Kinder und wohnt mit seiner Familie und einigen Tieren auf einem Bauernhof im Schwarzwald. Er freut sich über finanzielle und strukturelle Unterstützung des World Child Forums: world-child-forum.org

• Das Hotel Waldhaus in Sils Maria in der Schweiz ist ein berühmtes Haus. 1908 gegründet, fünf Sterne, seit Jahrzehnten zieht es Künstler und Schriftsteller an. Theodor Adorno, Albert Einstein, Joseph Beuys, David Bowie – um nur einige zu nennen. Lange träumte ich davon, dort einmal ein paar Tage verbringen zu dürfen. Ein Geschenk von meinen Kolleginnen und Kollegen zu meinem 50. Geburtstag machte es im April 2021 möglich. Mitten in der Pandemie und mit den vielen Fragenzeichen dieser Zeit.

Das Buch „The Great Reset“ von Klaus Schwab war damals seit fast einem Jahr auf dem Markt und viel besprochen. So nutzte ich die drei Tage Auszeit, um mich mit der Person Schwab, seinem Buch, aber vor allem auch mit dem World Economic Forum auseinanderzusetzen. Genial, wie es eine Person geschafft hat, eine Organisation zu gründen, die seit mehr als 50 Jahren besteht und so viele Mächtige zusammenführt – aber auch viele Fragen aufwirft.

In der dritten Nacht, es war so gegen halb drei, wachte ich auf und hatte die Idee für das World Child Forum. Ich setzte mich an meinen Laptop und sicherte mir alle Namensrechte, ohne wirklich genau zu wissen, wie und ob es damit weitergehen könnte. Woher kam aber der Impuls?

Dass die gegenwärtigen Systeme in Wirtschaft, Politik, Bildung und Religion nicht mehr wirklich tragfähig sind – ja nicht einmal zu reformieren und wenn, dann ganz neu zu denken –, habe ich schon lange vermutet. Dass diese Systeme aber im Forum von Davos weitergelebt und, in Variationen, in die Zukunft fortgeführt werden, ohne sie wirklich zu hinterfragen, war und ist eine Enttäuschung. Was mich besonders stört: Viele Menschen mit Macht in Politik und Wirtschaft sind völlig entkoppelt von dem, was uns als menschliche Wesen ausmacht.

Beim Weltwirtschaftsforum verhandeln sie so Jahr für Jahr, wie die Probleme der Gegenwart gelöst werden sollen. Während dieser Tage werden Bilder von Grauhaarigen in der Welt verbreitet, die hinter ihren Mikrofonen sitzen und nur das sagen, was sie immer sagen. Was bleibt, ist ein Gefühl der Visionslosigkeit und des Scheiterns.

Was aber am meisten fehlt, nicht berücksichtigt wird und wenn doch, höchstens als Lametta, ist der Einbezug der Kinder und Jugendlichen. Und gerade sie sind es doch, die die Zukunft nicht nur vor sich haben, sondern auch schon in sich. Deshalb möchte ich von diesem Ort aus andere Bilder in die Welt senden: Bilder einer lebendigen und kreativen Zukunft. Und dazu brauchen wir Kinder und Jugendliche. Sie sind viel näher dran am Wesentlichen, innig verbunden mit der Natur, anderen Menschen und Tieren. Wenn wir sie lassen, sind sie ganz sie selbst – und haben einen vorurteilsfreien Blick auf die Welt.

Der Mensch ist vor allem dann Mensch, wenn er ein Suchender ist und in Bewegung bleibt. Wenn er Fragen mehr liebt als Antworten, so wie Kinder. Ihre Lust an Neuem und ihre Offenheit – das müssen wir wieder erlernen, und dabei müssen sie uns helfen. Denn wir, die Erwachsenen, die die gegenwärtigen Verhältnisse zu verantworten haben, sind augenscheinlich ziemlich ratlos, überfordert und schaffen das nötige Umdenken auf vielen Gebieten nicht. Dass wir irgendwann auf dem Mars leben und die meisten Tätigkeiten, auch die kreativen, Maschinen übernehmen, kann ja nicht die Lösung sein.

Wir müssen junge Menschen in die Gestaltung unserer Zukunft miteinbeziehen und ihr Potenzial nutzen. Dieses Jahr wird das World Child Forum noch Laborcharakter haben, ich finde es wichtig, etwas auszuprobieren, Fehler machen zu dürfen. Die Idee ist, dass 100 bis 150 Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Milieus zusammenkommen und wir lernen, was ihre Vorstellungen und Ideale sind. Auf keinen Fall sollen sie nur das wiedergeben, was sie von Erwachsenen hören. Deswegen werden die Themen vor allem spielerisch und künstlerisch erarbeitet.

Philipp Wilhelm, den Landammann (Gemeindepräsident) von Davos, konnte ich für das Projekt gewinnen. Auch viele andere sagen, dass sie es großartig finden. Manche warnen, das World Economic Forum könnte uns als eine Art Feigenblatt nutzen. Darüber mache ich mir keine Sorgen. Ich bin davon überzeugt, dass man mit jedem Menschen ins Gespräch kommen kann, weil in jedem etwas Gutes steckt. Über einen Dialog mit den Mächtigen der Welt, aber auch mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, würde ich mich freuen. ---