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Haus am Park Tübingen

Eine Stadt, die ein Grundstück in begehrter Lage weit unter Marktwert verkauft. Eine Gruppe Bürger, die dort ein Haus für Geflüchtete plant. Zwei Projektentwickler, die dieses ungewöhnliche Konstrukt zusammenhalten. Fünf Architekten, die es bauen. Das Tübinger „Haus am Park“ zeigt, was möglich ist, wenn Menschen scheinbar Unmögliches ausprobieren.

Text: Harald Willenbrock
Fotografie: Verena Müller



Das Bild zeigt die Fassade eines modernen Gebäudes. Ein schmaler, hoher Säulenturm mit dem Schriftzug "BRÜCKENHAUS" in goldenen Buchstaben ist an der Gebäudeecke angebracht. Rechts davon befinden sich mehrere Glastüren, die zu einem Innenraum führen. Die Fassade ist hellgrau und wirkt schlicht. Im Hintergrund ist etwas Grün zu erkennen, vermutlich Bäume oder Büsche.

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 06/2023.

Das Bild zeigt den Eingangsbereich eines modernen Gebäudes. Eine helle Treppe führt zu einer gelben Tür mit einem kleinen Fenster. Über der Tür befindet sich eine Lampe und die Hausnummer 8. Das Gebäude wirkt minimalistisch und ist in hellen Farben gehalten.
Ein modernes, mehrstöckiges Wohngebäude mit hellgrauer Fassade. Vor dem Gebäude befindet sich ein gepflasterter Innenhof mit einigen Fahrrädern. Das Gebäude wirkt ruhig und einladend.

„Erst formen wir unsere Häuser, dann formen sie uns.“
Winston Churchill

Drei Jungen spielen Fußball vor einem modernen, grauen Wohngebäude. Eine Frau steht etwas abseits und beobachtet sie. Mehrere Fahrräder stehen am Gebäude entlang.

Zweites Wohnzimmer: das Brückenhaus als Quartiers-Treff für die gesamte Nachbarschaft. Daneben das Haus am Park mit Wohnungen für Geflüchtete und alteingesessene Tübinger

• An einem frühlingshellen Mittwochmorgen geht es im Brückenhaus am Tübinger Neckarufer um den Imperfekt. „Gestern – fuhren – wir – nach – Freiburg“, liest eine ältere Frau bedächtig aus ihrem Hausaufgabenheft, die Lehrerin schaut lobend, die Mitschülerinnen und Mitschüler im Gruppenraum – ein gutes Dutzend ukrainischer Frauen und Männer – kritzeln in ihren Arbeitsmappen. Im benachbarten Büro begrüßt derweil eine Sozialarbeiterin Alleinerziehende zum Beratungsgespräch, am Hauseingang kündigen Aushänge das jährliche Sommerfest, einen Flohmarkt und den Diavortrag „Usbekistan erleben“ einer reiselustigen Nachbarin an.

Es ist viel los in diesem Haus, das es nach normalen Maßstäben nicht geben dürfte. Allein die Lage: Durch die bodentiefen Fenster des Quartiers-Treffs fällt der Blick auf den Neckar, in seinem Rücken liegen ein kleiner Park und die Villen der Gartenstraße. Besser kann man in der 90 000 Einwohner-Universitätsstadt kaum wohnen. Im Brückenhaus und dem dazugehörigen Mehrfamilienhaus – einem Betonquader mit insgesamt 15 Wohnungen – leben aber keine Besserverdienenden, sondern rund 50 Geflüchtete, alleinerziehende Mütter, betreute Jugendliche sowie Menschen, denen ihr früheres Zuhause zwangsgeräumt wurde. Noch ungewöhnlicher: Erdacht, gebaut und finanziert hat das Ensemble eine Gruppe Tübinger Bürger, die ihr Erspartes in dieses Projekt steckten. Kein Wunder, dass das „Haus am Park“ überregional Aufsehen erregte und für den renommierten Polis-Award für Stadt- und Projektentwicklung nominiert wurde. Möglich war es nur, weil am Neckar viele Jahre zuvor einige richtungsweisende Entscheidungen, getroffen worden waren.

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