brand eins-Container: Energie # 02

Sprit aus Stroh

Biokraftstoffe oder Nahrungsmittel? Beim Biomethan des Unternehmens Verbio stellt sich diese Frage nicht – es entsteht aus Abfall vom Acker. Noch ist es ein kleiner Geschäftszweig des Biosprit-Riesen, aber einer mit Potenzial.





• Der Rundgang über das Gelände interessiert auch die Katze, sie ist ständig dabei. „Zwischen den Strohballen verstecken sich immer ein paar Mäuse“, sagt Claus Sauter. Fahrzeuge heben die Ballen auf ein Fließband. Dort sticht ein Mitarbeiter mit einem Gerät, das an ein Fieberthermometer erinnert, ins Stroh. So prüft er, ob es trocken genug ist. Die Türme, in denen Bakterien das Stroh dann in Rohbiogas verwandeln, hat jemand zur Isolierung teilweise mit einer schwarzen Paste bestrichen. Die Geschäftsräume sind in Baucontainern untergebracht. Auf charmante Weise sieht das alles etwas improvisiert aus.

Was ist ein brand eins-Container? Ein Ort im Heft, an dem wir Geschichten von Ausgabe zu Ausgabe weiterentwickeln. Ein offenes, flexibles Format, das nicht wie eine Serie von vornherein fertig konzipiert ist, sondern mit Ihren Anregungen und Wünschen wächst. In diesem Container geht es um Energie und die Frage, wie wir mit neuen Ideen Strom, Wärme und Kraftstoffe erzeugen können. Über Ihre Rückmeldungen freuen wir uns unter [email protected]

In Wirklichkeit ist es eine große Sache: Claus Sauter ist der Gründer des Unternehmens Verbio, das in Deutschland einer der Marktführer für Biosprit ist und im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro erzielt hat. Das Unternehmen ist an der Börse und Sauter Vorstandsvorsitzender. Bislang stellt die Firma vor allem Biodiesel aus Raps und Bioethanol aus Roggen her.

Die Zentrale von Verbio ist in Leipzig (nicht in Baucontainern), die großen Anlagen stehen bei Bitterfeld in Sachsen-Anhalt und Schwedt/Oder in Brandenburg. Ein paar Kilometer weiter, in Pinnow, liegt im Gewerbegebiet die Stroh-Anlage mit der Katze. Vier halb schwarze Silos ragen in die Luft, wobei der Begriff Silo hier verboten ist. Korrekt ist: Fermenter.

2014 entdeckte Verbio eine neue Art der Energiegewinnung für sich, Biomethan aus Stroh. Das Verfahren entwickelte das Unternehmen selbst. Stroh ist in Deutschland tonnenweise verfügbar, nach der Ernte verrottet ein großer Teil davon normalerweise auf dem Acker. Inzwischen liegt der Anteil von Biomethan an den von Verbio erzeugten Kraftstoffen bei etwa 15 Prozent.


Geballte Energie – mit Katze

Für die Landwirte lohnt es sich, das Stroh an Verbio zu verkaufen. Der Mähdrescher löst das Getreide aus den Halmen, diese werden zerkleinert und landen auf dem Feld. Dort sammelt Verbio das Stroh maschinell ein, presst und lagert es. Nach und nach wird es zur Anlage gebracht. „Idealerweise laden die Fahrer es bei uns ab und nehmen gleich Humus mit“, sagt Sauter. Bei der Erzeugung des Methans entsteht Biodünger, mit dem die Bauern mehr Nährstoffe in ihre Böden bringen, als wenn sie die Halme unterpflügen. In der Anlage in Pinnow kommt der Humus in einer Halle an, gleich neben dem Fließband, das die Strohballen auf den Weg bringt. Hier schließt sich der Kreis.

Das Biomethan wird in das Gasnetz eingespeist. Dies ist möglich, da Biomethan, entsprechend veredelt, mit Erdgas chemisch identisch ist. Genutzt wird Verbios Gas, um Wärme zu erzeugen oder um Lkw und Busse anzutreiben. Dazu zapfen sich Gastankstellen, vereinfacht gesagt, etwas aus dem Netz ab. Zu den Nutzern gehören zum Beispiel Stadtwerke, die Busse mit Gas betreiben.

Pro Jahr stellt Verbio 900 Gigawattstunden Biomethan her. Theoretisch könnte das Unternehmen noch mehr ins Gasnetz einspeisen und dazu beitragen, Erdgas aus Russland für die Industrie zu ersetzen. „Der Verkehr ist für das Geschäftsmodell allerdings bislang attraktiver“, sagt Sauter. Heißt: An Sprit verdient er mehr.

Obwohl dieser gefragt ist, sagt der Unternehmer: „Wir könnten schon viel weiter sein.“ Und da ist man auch schon mitten im Thema Politik, über das er sich sehr aufregen kann. Dann wird er laut und manchmal etwas derb, die Handkante schnellt im Baucontainer auf den Tisch. Im Wesentlichen geht es ihm darum: Die Politik reguliert seiner Ansicht nach im Verkehrssektor zu stark den Markt, und zwar zulasten von Biosprit. Sie setze zu einseitig auf E-Mobilität, findet Sauter, dabei wären Autos, die mit Biokraftstoffen fahren, eine sinnvolle Ergänzung.

Biokraftstoffe heißen so, weil sie aus nachwachsenden Rohstoffen oder landwirtschaftlichen Reststoffen gewonnen werden – nicht etwa weil sie ökologisch produziert werden. Als zur Erzeugung der Kraftstoffe erstmals auf großen Flächen Pflanzen wie Raps und Getreide angebaut wurden, gab es Protest: Nahrungsmittel sollten Vorrang haben, argumentierten die Kritiker. Die sogenannte Tank-gegen-Teller-Diskussion ist jüngst wegen der Weizenknappheit infolge des Ukraine-Krieges wieder aufgeflammt.

In der Kritik steht auch Biodiesel aus Palmöl, da für den Anbau der Pflanzen oft große Flächen Regenwald abgeholzt werden. Auf dieses Problem hat die Politik bereits reagiert: Biokraftstoffe auf der Basis von Palmöl werden von 2023 an in Deutschland nicht mehr gefördert.

sagt dagegen Karin Naumann vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig. 2020 wurde Biomasse für Kraftstoffe in Deutschland auf etwa 4,5 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche angebaut.

Wenn Biokraftstoffe allein aus Reststoffen wie Stroh hergestellt werden, treten sie nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln. Man spricht von fortschrittlichen Biokraftstoffen.

Naumann befürwortet zwar eine Umstellung auf E-Mobilität, sieht aber einen Bedarf für Biosprit dort, wo eine Elektrifizierung nur schwer möglich ist – oder nur sehr langsam. Die Umstellung auf E-Mobilität werde viele Jahre dauern. „Durch die Herstellung der Verbrennerfahrzeuge wurde bereits viel CO2 freigesetzt“, sagt die Forscherin. „Allein aus dem Grund sollten wir nun nicht alle verschrotten.“ Zumindest für diese Übergangszeit seien Biokraftstoffe und auch Gas-Antriebe sinnvoll.

Stroh, Gülle und Frittierfett

Die Biosprit-Konjunktur ist sehr wechselhaft: Nach der Jahrtausendwende war die Hoffnung groß, mit den Kraftstoffen die CO2-Emissionen im Verkehr schnell senken zu können. Doch die Bedenken, auf den knappen Flächen Energiepflanzen anzubauen, überwogen. Die neue Generation von Biokraftstoffen, die aus Abfall- und Reststoffen wie Stroh, Gülle und altem Frittierfett entstehen, ist dagegen über diese Zweifel erhaben. Diese Form von Biosprit nimmt Nahrungspflanzen keinen Platz weg. Die umweltfreundliche Technik kann vor allem kurzfristig helfen, bis die Wende zur Elektromobilität geschafft ist.


Claus Sauter erklimmt einen Fermenter. 


Fließband, das die Strohballen in die Anlage transportiert

Während man eine Beimischung von Biodiesel und Ethanol mit herkömmlichen Diesel- oder Ottomotoren nutzen kann, braucht es für Erdgas beziehungsweise Biomethan eigene Antriebe.

Sauter war lange Lobbyist, zuletzt Präsident des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie, und versuchte, Politikerinnen und Politiker zu beeinflussen. Inzwischen hat er sich aus dem Verband zurückgezogen („Die Politiker haben es jetzt verstanden, ändern aber trotzdem nichts“). In seinem Blog namens „Strohklug“ kann man nachlesen, wie er sich an Entscheidungen abarbeitet, die aus seiner Sicht falsch sind. Die Headlines lauten „Berlin: Avanti Dilettanti“, „Alles auf E: Das gefährliche Roulette mit der Zukunft Deutschlands“ oder auch „Klimapolitik in Deutschland: Schluss mit dem Affentheater!“.

Autos: Das Erdgas-Auto hat nur noch wenige Anhänger. Während der Kraftstoff normalerweise relativ billig ist (wenn nicht gerade Krise ist), sind die Erdgas-Pkw oft sehr teuer. Die meisten Autohersteller haben sich bereits gegen diese Antriebsform entschieden. Kürzlich kündigte Volkswagen an, keine neuen Erdgasautos mehr zu entwickeln. Die Modelle, die auf dem Markt sind, sollen keine Nachfolger bekommen.

Lkw: Da es sich bislang schwierig gestaltet, im großen Stil Lastwagen mit Elektro-Antrieb zu entwickeln, sieht Karin Naumann hier ein großes Potenzial für Biomethan. Jetzt viele Lkw mit Gas-Antrieb zu bauen hält sie in jedem Fall für den richtigen Schritt. „Selbst wenn es in zehn Jahren möglich ist, Lkw mitE-Antrieb zu bauen, ist nichts verloren, weil die Fahrzeuge wegen der intensiven Nutzung ohnehin etwa nach zehn Jahren aus dem Verkehr gezogen werden.“ Im November 2021 gab der Konzern Amazon bekannt, mehr als tausend gasbetriebene Lkw gekauft zu haben.

Schiffe: Es gibt bereits Schiffe, die mit Erdgas betrieben werden, ebenso funktioniert es mit Biomethan. „Ein Problem ist allerdings, dass man sich international auf Standards für die Tankstationen einigen müsste“, sagt die DBFZ-Mitarbeiterin Naumann. Ein Containerschiff, das in Hamburg losfährt, muss schließlich auch in den USA oder China tanken können. Die Diskussion um entsprechende LNG-Terminals wird bereits geführt.

In seiner Unternehmergeschichte hat Claus Sauter immer wieder auf politische Entscheidungen reagiert. Er wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schwaben auf, studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Augsburg und übernahm die Leitung des Familienbetriebs. Nach der Wende machte er aus Neugier eine Tour durch die neuen Bundesländer und besuchte Nachfolgeunternehmen der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft. Dort traf er auf gut ausgebildete Agraringenieure und jede Menge Fläche – und hatte das Gefühl, dass man damit so einiges anstellen könnte.

Damals wurde die Landwirtschaft so stark gefördert, dass sehr viel produziert wurde und es Überschüsse gab. Sauters erstes eigenes Geschäftsmodell war simpel: Geerntet wird einmal im Jahr, dann müssen die Erzeugnisse wie etwa Getreide gelagert werden, bis sie gebraucht werden. Also betrieb er eine Lagerhalle.

Das funktionierte, bis die EU Anfang der Neunzigerjahre gegen die Überproduktion vorging. Flächen wurden stillgelegt. Sauter sah sich die Regelung genau an und stellte fest, dass die Bauern nur dazu angehalten wurden, ihre Flächen für die Nahrungsmittelproduktion stillzulegen, Pflanzen zu anderen Zwecken konnten sie darauf aber ohne Einschränkungen weiter anbauen.

Sauter begann, sich für Biokraftstoffe zu interessieren. In Deutschland gab es dafür damals noch keinen Markt. Das bedeutete nicht nur, dass es schwierig sein würde, Abnehmer zu finden, sondern es fehlte auch die gesamte Infrastruktur zur Herstellung. Also ließ Sauter in Sachsen-Anhalt Raps anbauen, der in Salzgitter zu Öl gepresst wurde. Dieses Öl verschiffte er nach Belgien und ließ es in einer Raffinerie zu Biodiesel verarbeiten. Ein Tanklager fand er in Nürnberg, wo er den Kraftstoff verkaufte.

Um die Herstellung zu vereinfachen, setzte Sauter alles daran, eigene Anlagen zu errichten. Zwischen 2001 und 2005 entstanden zwei für Biodiesel und zwei für Bioethanol. 2004 hatte Sauter zunächst Glück: Biodiesel wurde von Steuern befreit. Zwei Jahre darauf gründete er Verbio, der Markt wuchs schnell, für manche allerdings zu schnell. Schrittweise wurde Biodiesel nun doch besteuert, viele Anlagen machten dicht.

„Es war eine schreckliche Zeit“, sagt Sauter, auch wenn er zu denjenigen gehörte, die sich auf dem Markt durchsetzten. Deshalb verfolgte er eine neue Idee: Bei der Produktion von Bioethanol blieb in seinen Anlagen ein Reststoff übrig: Schlempe. Diese Rückstände werden oft an Tiere verfüttert. Er probierte aus, ob sich daraus Biomethan erzeugen ließ, und es klappte. 2014 begann er auf dem Gelände in Schwedt zusätzlich, Biomethan aus Stroh zu erzeugen. Dazu passten die Beschäftigten die bereits vorhandenen Anlagen an. Diejenige in Pinnow dagegen wurde aus dem Nichts hochgezogen. „Wir wollten damit auch testen, wie wir unsere Anlagen im Ausland bauen müssen“, sagt Claus Sauter.


„Klimapolitik in Deutschland: Schluss mit dem Affentheater!“
Claus Sauter in seinem Blog

Expansion bis nach Indien

Wegen der politischen Bedingungen entschied Sauter vor einigen Jahren, seine Anlagen in Deutschland nicht mehr auszubauen, sondern in anderen Ländern welche zu errichten. Ende 2021 ging im US-amerikanischen Iowa eine Anlage für Biomethan in Betrieb, die Maisstroh verarbeitet, und eine weitere im indischen Bundesstaat Punjab, die Stroh von Weizen und Reis nutzt. Jede der beiden Anlagen soll jährlich bis zu 100 000 Tonnen Stroh verarbeiten und 150 bis 200 Gigawattstunden Biomethan produzieren. In Indien stiftet das doppelten Nutzen, denn bislang wird das Reisstroh nach der Ernte auf den Feldern verbrannt. In dem Land, das ohnehin nicht für die reinste Luft bekannt ist, sorgt das zusätzlich für enorme Rauchschwaden. Sowohl in den USA als auch in Indien will Verbio expandieren.

Test, ob das Stroh trocken genug ist
Humus

Inzwischen hat sich aber auch in Deutschland etwas getan: Im Mai 2021 beschloss der Bundestag, die Treibhausgasminderungsquote schrittweise zu erhöhen. Mit dem Gesetz werden Mineralölunternehmen und Tankstellenbetreiber dazu verpflichtet, die Emissionen ihres Kraftstoffs um einen bestimmten Prozentsatz zu senken. Das können sie zum Beispiel schaffen, indem sie Biokraftstoff beimischen. Während 2022 der Anteil, um den reduziert werden muss, noch bei 7 Prozent liegt, soll er bis 2030 auf 25 Prozent steigen. Tankstellenbetreiber werden also voraussichtlich mehr Biosprit brauchen.

Beschäftigte weltweit etwa 900

Produktionskapazitäten pro Jahr für …

… Biodiesel 660 000 Tonnen

… Bioethanol 260 000 Tonnen

… Biomethan 900 Gigawattstunden

Umsatz 2020/21 1,026 Milliarden Euro

EBITDA 2020/21 166,3 Millionen Euro

Mit dem Gesetz werden fortschrittliche Biokraftstoffe, also die aus Abfall, besonders gefördert. Das Bundesumweltministerium hob 2021 unter den vielversprechenden Ausgangsmaterialien Stroh explizit hervor.

Und wieder einmal reagiert Carl Sauter auf die neuen Ansagen: Er investiert jetzt wieder in Deutschland und baut die bestehenden Anlagen doch noch aus. Den Spaß an der Auseinandersetzung mit der Politik hat er darüber aber nicht verloren. Ein neuer Blogbeitrag ist in Arbeit. ---

Biodiesel
Rohstoffe: In Europa wird Biodiesel vorwiegend aus Rapsöl hergestellt. Er konkurriert daher mit Lebensmitteln.
Wichtigste Abnehmer: Mineralölkonzerne, die ihrem Diesel den Biodiesel beimischen. Ein Anteil von bis zu sieben Prozent ist bereits üblich.

Bioethanol
Rohstoffe: Dass Ottomotoren sich auch mit Alkohol antreiben lassen, ist lange bekannt. Der Kraftstoff ist also eine Alternative zu Benzin. Verbio verwendet für die Erzeugung des Ethanols Roggen, Triticale und Mais.
Wichtigste Abnehmer: Mineralölkonzerne, die ihrem Benzin Ethanol beimischen. In Deutschland ist ein Anteil von bis zu zehn Prozent üblich, an Tankstellen heißt der Kraftstoff E10.

Biomethan
Rohstoffe: Das Gas lässt sich aus Reststoffen erzeugen, die in der Landwirtschaft anfallen. Verbio verwendet Schlempe, die bei der Herstellung von Bioethanol entsteht, und Weizenstroh.
Wichtigste Abnehmer: Das Biomethan wird ins bestehende Gasnetz eingespeist. Gastankstellen beziehen daraus den Treibstoff – manche Stadtwerke zum Beispiel betreiben selbst Stationen, an denen Stadtbusse mit Erdgas- Antrieb tanken.

In der Ausgabe 05/2022 erschien die erste Folge des Containers zur Energieversorgung. Auf unsere Anregung, das Format interaktiv zu gestalten, gab es einige Reaktionen, die wir gern aufgreifen. Vorab ein paar Auszüge:

Knut Brenndörfer:
„Glückwunsch zu Ihrer Container-Idee. Schon mit dem ersten Thema Energieversorgung könnten Sie wahrscheinlich eine eigene Zeitschrift auf Jahre hinaus füllen. Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen ein paar persönliche Gedanken zu dem Energie-Thema mitteilen. Ich habe Elektrotechnik studiert, jahrzehntelang als Entwickler gearbeitet und vergrößere seit 2021 als Rentner den Fachkräftemangel. Momentan baue ich für mich eine Solaranlage, hauptsächlich aus persönlichem technischen Interesse. Nicht groß (660 Wp) und als reine Inselanlage ohne irgendeine Verbindung zum öffentlichen Stromnetz. (…)
Unterstützung darf man keine erwarten, nur seitenlange Formulare zum Ausfüllen. Schon für eine sogenannte Balkon-Solaranlage gibt es etliche Stöckchen, über die man springen muss; keines davon hat einen technischen Grund. (…)
Ich kenne viele Privatleute, die gerne, auch ohne Förderung, in alternative Energien investieren und Anlagen aufbauen würden. Die werden alle momentan noch sehr stark von der breitbandig aufgestellten Bürokratie ausgebremst. Umso mehr freut mich das positive Beispiel von Wunsiedel.“

Eckhard Krois:
„(…) Ein Thema könnte sein: Wie bewältigen Erneuerbare-Energie-willige Neulinge die Bürokratie? Und welche Energien gibt es mit welchen Einsatzorten? (…)“

Ellen Uloth:
„Was für eine gute Idee – diese neue Form der Serie!
Und sehr inspirierend auch gleich der erste Artikel. Einen kleinen und nicht unwesentlichen Haken hat das Wunsiedler Konzept aus Klimasicht dennoch: Am Ende wird doch noch Holz – wenn auch „nur“ die Späne – verbrannt und damit wieder CO2 emittiert. (…)“

Benjamin Huck:
„(…) Eine Anregung zum aktuellen Container-Thema: Am südlichen Ende von Franken gibt es mit Treuchtlingen ebenfalls eine eher arme und hoch verschuldete Stadt, die die Energiewende vor Ort voranbringen möchte. (…) Viele Bürger, vor allem Landwirte in der großflächigen Gemeinde, wollten in den vergangenen Jahren zahlreiche Fotovoltaikanlagen errichten. Das war aber nicht immer möglich, weil die Infrastruktur, konkret: die Stromleitungen, das nicht hergegeben haben. Die Erzeugung von Wasserstoff vor Ort soll auch die Leitungen entlasten, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.“