Brauchen Unternehmen noch Orte? Und wenn ja, wozu?

Fragen an Stephan A. Jansen



Sie haben in Ihrem Buch „Oszillodox“ * im Jahr 2000 über virtuelle Unternehmen geschrieben, die ganz ohne Gebäude auskommen. Kommt nun die große Zeit solcher Firmen?

Es entspricht der hierarchischen Ordnung, dass der Kopf einer Organisation sichtbar sein muss. Und daran haben auch kostenbewusste Controller und flexible Manager nichts geändert, die schon vor 20 Jahren fragten: Wozu eine Zentrale im digitalen Arbeits-, Produktions- und Konsumzeitalter?

Wenn der Kopf eines Unternehmens bleiben muss – braucht es dann auch die Glieder, also die Filialen?

Das fragt man sich in Banken, im Einzelhandel, in Beratungshäusern, Agenturen und vermutlich auch in Ministerial- und Kommunalverwaltungen schon länger. Und diese Frage hat nichts mit Hierarchie oder Beeindruckungsarchitektur zu tun, es geht um das, was wir in den Räumen tun: formelles Arbeiten, informeller Austausch in Café-Küchen und Kantinen, amtliches Abfeiern von Erfolgen, intensive Entwicklung von Ideen. Wozu braucht man dafür Raum? Wo reichen die digitalen Möglichkeiten nicht mehr aus? Und dann ist man schnell bei den unterschiedlichen Anforderungen der Generationen und bei den Vorzügen gemeinsamer Arbeit, und es wird klar: Ein Unternehmen ist eben keine digitale Transaktions- und Führungskette von Zoom-Bildschirmen und Zauber-Blockchains, sondern eine soziale Plastik.

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