Geht’s auch fair?
Textilproduktion in Europa – das klingt gut. Doch teilweise sind die Bedingungen schlechter als in asiatischen Ländern. Ein Report.
Abbildungen : © Clean Clothes Campaign (Bildquelle: Youtube )
• Der aktuelle Bad Boy der deutschen Bekleidungsbranche ist in letzter Zeit häufig in Portugal anzutreffen. Tom Illbruck, bis vor kurzem Gesicht und Geschäftsführer des Textilunternehmens Global Tactics aus Kerken am Niederrhein, hat in Guimaraes, nordöstlich von Porto, eine Firma gegründet. Sie soll die Keimzelle einer Bekleidungs-Wertschöpfungskette werden – vom Baumwollgarn bis zum fertigen T-Shirt, Hoodie oder Basecap. Alles zu fairen Bedingungen und nach Öko-Standards produziert, sagt der 43-Jährige. Eine kleine Näherei wird im November den Anfang machen, mit vielleicht sechs, sieben Mitarbeiterinnen. Büroräume sind schon angemietet. Jetzt fehlt noch ein Produktionsgebäude mit ein paar Nähmaschinen und einem großen Schneidertisch.
Ausgerechnet Illbruck, der im Mai in den Maskenskandal um den Influencer Fynn Kliemann verwickelt war. Global Tactics hatte für Kliemann Corona-Schutzmasken produzieren lassen – angeblich „unter fairen Bedingungen in Europa“, in Wirklichkeit aber in Bangladesch, das nach dem aktuellen Global Rights Index des Internationalen Gewerkschaftsbunds zu den „zehn schlimmsten Ländern der Welt für erwerbstätige Menschen“ zählt. Die in den dortigen Textilfabriken gezahlten Löhne und die Arbeitsbedingungen sind fast durchweg erbärmlich, immer wieder werden Arbeiterrechte verletzt, Proteste von der Polizei niedergeknüppelt und gewerkschaftliche Aktivitäten behindert oder verboten. Zu Global Tactics hat Illbruck mittlerweile alle Verbindungen gekappt. „Um das Unternehmen zu schützen“, sagt er. „Ich war nicht mehr tragbar.“ Es gibt einige Leute, die nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen.
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