Meine Gene, deine Gene

DNA-Analysen sind so einfach geworden, dass Firmen sie als Lifestyle-Produkte anbieten – und teils zweifelhafte Gesundheits-Tipps daraus ableiten. Brauchen wir neue Regeln für das Geschäft mit der Erbinformation?




• Ob er seine eigenen Gene schon analysiert hat? Na klar, sagt Josef Scheiber. Schon dreimal! Für den 42-jährigen Bio-Informatiker sind Erbgut-Analysen längst etwas Alltägliches geworden. Im Auftrag von Kliniken und Ärzten analysiert seine Firma Biovariance das Erbgut von Patienten – und leitet daraus ab, wie dieses die Wirksamkeit bestimmter Medikamente oder Behandlungsmethoden beeinflusst.

Ärzte können dann anhand der Analysen entscheiden, wie sie ihre Patienten am besten behandeln. Sie erkennen etwa: „Diese Tumorpatientin spricht wahrscheinlich auf diese Chemotherapie am besten an“, erklärt Scheiber. Oder: „Dieser Patient wird vermutlich schwere Nebenwirkungen bekommen, wenn er jene Medikamente einnimmt.“

Ein Unternehmen kann heute sehr leicht Geräte zur Gen-Sequenzierung anschaffen. Preis und Aufwand sind radikal gesunken: Vor 20 Jahren kostete es noch etwa 500 Millionen Dollar, das menschliche Erbgut vollständig zu entschlüsseln. Heute bekommt man das Ergebnis für wenige Hundert Euro. „Solche Auswertungen werden schon bald so alltäglich sein wie heute ein einfaches Blutbild“, sagt Scheiber. „Jeder wird mehr oder weniger vollständige Genomdaten in seiner Patientenakte haben.“

Das größte Geschäftspotenzial liegt darin, die individuellen genetischen Daten richtig zu interpretieren, sie mit Informationen aus Patientenakten, medizinischen Studien und Datenbanken wie dem Krebsregister oder öffentlichen Gen-Datenbanken zu kombinieren – und daraus konkrete Behandlungsempfehlungen abzuleiten. „Das ist letztlich ein Big-Data-Problem, also eines, das sich mit Informationstechnik lösen lässt“, sagt Scheiber. Immer mehr Firmen tummeln sich auf dem Wachstumsmarkt für solche mit Daten verknüpften Genanalysen. In den nächsten zehn Jahren soll der weltweite Umsatz mit diesem Geschäft bei rund 40 Milliarden Dollar liegen, prognostizieren Marktforscher.

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