Vivani

Die Schokoladenmarke Vivani ist seit gut 20 Jahren Vorreiter in Sachen Ökologie. Geht da noch mehr?




• Reden wir über Rübenzucker. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte Jelena Radeljić hat angeregt, darüber mal nachzudenken – als Alternative zum Rohrzucker aus Übersee. Schließlich bekomme man die heimische Zutat inzwischen problemlos in Bioqualität. „Eine Absurdität“ sei es, hat die 31-Jährige dem Reporter vor seinem Termin mit ihren Chefs gesagt, „etwas im Containerschiff aus Südamerika kommen zu lassen, das sich durch einen regionalen Rohstoff ersetzen ließe.“

Wenn da nur nicht die Kundenerwartung wäre. Und die kennt keiner besser als Andreas Meyer, der Erfinder der Marke Vivani: „Als wir vor gut 20 Jahren mit unserer Bio-Schokolade an den Start gegangen sind“, sagt der 63-Jährige, „da war klar: Es muss Roh-Rohrzucker hinein, weil er nicht so stark verarbeitet ist wie schneeweißer Haushaltszucker. Er gilt in der Bioszene als das natürlichere Produkt.“ Sein Mitgeschäftsführer Cord Budde, 57, sieht im Fall eines Zutaten-Tausches noch ein anderes Problem: „Der Geschmack der Schokolade würde sich deutlich verändern.“ Es scheint, als würde das mit dem Rübenzucker noch nichts. Auch deshalb, weil die Topseller des Sortiments Bitterschokoladen mit sehr hohem Kakao-Anteil sind – und für deren Hauch von Süße sorgt ebenfalls ein exotisches Produkt: Kokosblütenzucker. „Der verleiht der Schokolade eine karamellige Note“, schwärmt Meyer. Und kommt: aus Indonesien.

Das Abwägen zwischen bewährten Konzepten und steigenden ökologischen Ansprüchen ist Alltag bei Ecofinia, Tochterfirma des Herforder Schokoladenherstellers Weinrich, der die Vivani-Schokoladen produziert. Zum Gespräch haben Meyer und Budde in den Konferenzraum des alteingesessenen Unternehmens gebeten. Holzparkett, hohe Decke – „das ehemalige Wohnzimmer unserer Fabrikantenvilla“, sagt Budde, der Weinrich in vierter Generation führt. Im Jahr 2000 ließ er sich von Andreas Meyer, bis dahin Produktmanager bei der Fairhandelsgesellschaft Gepa, überzeugen, in die Produktion von Bio-Schokolade einzusteigen. Heute ist Ecofinia einer der beiden führenden deutschen Anbieter – gleichauf mit dem Pionier Rapunzel, der 1987 die weltweit erste Bio-Schokolade auf den Markt brachte. Vivani-Tafeln kosten zwischen 1,89 Euro und 2,49 Euro und sind in nahezu jedem deutschen Reformhaus oder Bio-Supermarkt vertreten; zusammen mit den Schokoriegeln des Hauses sorgen sie für fast 45 Millionen Euro Jahresumsatz.

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