Gärtnern nach Rezept

In Tokio will ein Gründer Städtern dabei helfen, Gemüse mit digitaler Unterstützung selbst anzubauen. Doch das ist nur der erste Schritt: Das große Ziel ist, die Metropole umweltfreundlicher zu ernähren.




• „Haben Sie unsere App heruntergeladen?“, fragt Takayoshi Serizawa und deutet auf den QR-Code an der Metalltür vor ihm. „Dann müssten Sie jetzt nur Ihr Smartphone davorhalten und hätten Zugang.“ Kurz nachdem Serizawa sein eigenes Handy gezückt hat, klickt das Schloss. Er zieht die schwere Tür auf, und dann geht es durch ein kahles Treppenhaus drei Stockwerke nach oben, auf die Dachterrasse.

Vorbei an einer Theke, hinter Stühlen und Tischen sowie einem Schrank mit Gummistiefeln und diversen Samen breitet sich dort ein 35 Quadratmeter großer Acker aus, von Hochhäusern umzingelt. Vorne rechts sprießt ein Kopfsalat, dahinter wachsen Gurken. Es sind die Saaten von Kunden der App „Grow Go“, von denen im Moment zwar niemand anwesend ist. „Aber die können kommen, wann immer sie wollen“, sagt Serizawa. „Und sie sind stets darüber informiert, wie es ihren Erzeugnissen gerade so geht.“ Denn dies sei die Idee der App: Das Säen und Ernten aller möglichen Pflanzen solle automatisiert und dadurch leicht gemacht werden. „Nur so können wir die Landwirtschaft zurück nach Tokio holen“, sagt Serizawa.

Man könnte diesen Satz für einen Scherz halten: Landwirtschaft in der Metropolregion Tokio mit ihren mehr als 39 Millionen Einwohnern? Dem größten Ballungsraum der Welt, dessen Bewohnern zum Kochen oft nicht mehr als eine Küchennische bleibt, weil der Platz so knapp ist? „Ja“, sagt Serizawa. „Ich glaube, das ist eine riesige Chance.“

Auf dieser überraschend ruhigen Dachterrasse in Shibuya, einem der hipsten Stadtteile Tokios, soll sie genutzt werden. „Es bauen doch immer mehr Menschen ihre eigenen Lebensmittel an. Und man achtet heute viel genauer auf die Qualität seiner Nahrung als früher.“ Mit dieser Überlegung gründete der heute 41-Jährige vor sechs Jahren das Unternehmen Plantio.

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