Aus Öl wird Öl

In China gibt der Staat die großen Linien der Klimapolitik vor. Doch im Kleinen versuchen auch Jungunternehmer wie Liu Shutong, ihr Land umweltfreundlicher zu machen.



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Öl, mit dem zuvor gekocht wurde, kann legal einen ganz anderen Weg nehmen – und zu Bio-Dieselöl oder Kerosin werden. Rechts oben: eine der typischen chinesischen Straßenküchen

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eine der typischen chinesischen Straßenküchen

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• Liu Shutongs Idee für eine grünere Zukunft ist eng mit seiner Biografie verknüpft. Für sein Studium des Umwelt- und Energiemanagements zog der heute 34-Jährige 2012 in die Niederlande, wo er ein Praktikum beim Bio-Kerosinhersteller SkyNRG machte. Dem Unternehmen, einem Joint Venture unter anderem von der niederländischen Fluggesellschaft KLM, ist es als einem der ersten gelungen, mit herkömmlichem Speiseöl Treibstoff für Flugzeuge herzustellen. Der Haken: Für den Kraftstoff wurde damals vor allem Palmöl verwendet, dessen Nutzung allein schon aufgrund der damit verbundenen Regenwaldrodungen höchst problematisch ist. Händeringend suchte die Firma in Amsterdam also nach umweltschonenderen Quellen.

„Ich musste sofort an das ganze Altspeiseöl denken, das wir hier in Asien haben“, erinnert sich Liu. Schon als Teenager hatte der Chinese von Lebensmittelskandalen gelesen, die mit wiederverwertetem Speiseöl zu tun hatten. Das Prinzip: Organisierte Banden sammeln altes, hochgiftiges Öl – von Restaurants, aus der Kanalisation und aus Müllcontainern. Dann filtrieren sie das verschmutzte, teils mit Fäkalien versetzte sogenannte Gossen-Öl, um es zum halben Preis des herkömmlichen Speiseöls zu verkaufen. Noch vor zehn Jahren schätzte die Nachrichtenagentur Xinhua, dass der Anteil von Altspeiseöl etwa zehn Prozent des landesweiten Konsums ausmache. Das profitable Geschäft verursachte ein derart schwerwiegendes Gesundheitsproblem, dass der Oberste Volksgerichtshof sogar die Todesstrafe gegen kriminelle Öl-Händler erlaubte.

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