Markenkolumne – Schamel

Scharfes Geschäft

Die Familienfirma Schamel hat sich ganz einer Wurzel verschrieben: dem Meerrettich. Und lebt mit ihm seit 175 Jahren in einer symbiotischen Beziehung.





• Matthias Schamel sitzt beim Videotelefonat in seinem Büro im fränkischen Städtchen Baiersdorf, links und rechts eingerahmt von Aufstellern, die seine Produkte bewerben: Gläser mit Meerrettich in verschiedenen Geschmacksrichtungen von sahnig-mild bis „Rachenputzer“. Werbung ist wichtig für die Firma, denn die Produkte sind gewöhnungsbedürftig, weshalb man normalerweise versucht, die Leute bei Verkostungen in Supermärkten auf den Geschmack zu bringen.

Da das während des Lockdowns nicht möglich war, verlegte sich das Marketing mehr auf Social Media und präsentiert dort allerlei Rezepte, auch vegane wie „Rote-Bete-Pancakes mit Meerrettich-Creme“. Traditionell würzen Süddeutsche mit Meerrettich Wurst und Fleisch, Nordlichter eher Fisch. Aber der 37-jährige Inhaber, der die Firma in sechster Generation führt, will neue Kreise erreichen: „Ich habe selbst mal zwei Jahre fleischlos gelebt.“ Sein Lieblingsgericht ist Meerrettichsuppe.

Bei den Schamels dreht sich alles um die scharfe Wurzel, die seit dem 15. Jahrhundert in der Region angebaut und dort Kren genannt wird. Das Unternehmen ist mit rund 30 Prozent Marktanteil hierzulande unangefochtener Platzhirsch. Konkurrenten sind vor allem Handelsmarken, für die die Franken allerdings auch arbeiten. Das Premiumprodukt, den original bayerischen Meerrettich, gibt es nur von Schamel. Das Unternehmen kauft fast die gesamte Ernte in dem Bundesland auf.

Weil immer nur Meerrettich auf Dauer langweilig erschien, experimentierte die Familie in den Neunzigerjahren auch mit reinem Senf und Knoblauchpaste – kehrte dann aber wieder zu ihrer Wurzel zurück. Die verschafft ihr ein Alleinstellungsmerkmal: Der Anbau von Meerrettich ist, da sehr arbeitsaufwendig, nicht trivial. Die Schamels haben einen engen Draht zu den Landwirten – mit rund 60 gibt es mehrjährige Lieferverträge – und verfügen laut dem Chef über eine „hochmoderne Fabrik“, die täglich bis zu 200 000 Gläser produzieren kann. Seit 2007 ist bayerischer Meerrettich zudem von der EU als „geschützte geografische Angabe“ eingetragen und darf anderswo nicht hergestellt werden.

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