Körper-Sinne

Über das Vermessen körperlicher und geistiger Beweglichkeit.





Bewegen wir uns genug?

Wir werden eher bewegt. Seit knapp 70 Jahren sind wir mehr und mehr mit dem Auto unterwegs. Berufspendler legen heute im Durchschnitt 17 Kilometer damit zurück, und auch auf den meisten Strecken in den Städten unter zehn Kilometern ist der Pkw die erste Wahl. Während wir früher bei der Jagd nach Nahrung oft mehr Kalorien verbraucht als erlegt haben, lassen wir uns heute zur Jagd im Supermarkt tragen, mit dem SUV. Alternativ wird uns das von anderen Gejagte direkt an den Kühlschrank geliefert. Und auch die Bewegung in der Freizeit nimmt in Pandemie-Zeiten ab. Kurzum: Die Welt ist eine Matt-Scheibe geworden – und der Körper wird rund.

Wie sieht die Diagnose des Corona-Körpers 2021 genau aus?

Das Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin an der Technischen Universität München hat in einer Umfrage im April zutage gebracht, was knapp 40 Prozent der Befragten bereits fühlten: Frauen haben im Lockdown um die 5,1 Kilo zugenommen, Männer im Schnitt 5,9 Kilo. Besonders betroffen: die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen, wo der Hemdknopf bei der Videokonferenz genau unterhalb der Tischplatte spannt. Hauptgrund: Insgesamt hatte sich gut die Hälfte weniger bewegt und ein Drittel im Heimbüro auch falsch gegessen und zu viel Zuckerhaltiges getrunken (siehe auch „Körper in Zahlen“).

Eine Studie unter anderem von der University of California San Diego mit knapp 50.000 Patientinnen und Patienten ergab, dass das nicht die beste Reaktion auf den Covid-Stress war: Regelmäßige Bewegung verhindert schwere Verläufe bei Covid-19. Adipositas gilt als Verstärker, da Übergewicht das Immunsystem schwächt und somit das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs steigt.

Was braucht der Körper?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt: Mindestens 150 Minuten moderate Bewegung – wir reden nicht von Sport – pro Woche, also 30 Minuten pro Arbeitstag. Weniger als die Hälfte der Kinder hierzulande im Alter bis zu sechs Jahren schafft das – genau wie die Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. Die 7- bis 17-Jährigen haben einen noch ausgeprägteren Sofa-Magnetismus entwickelt, der mit der digitalen Verführung und dem SUV-Bringdienst einhergeht: nur 12 bis 27 Prozent der Teenies schaffen diese 30 Minuten am Tag. Der Gleichgewichtssinn – früher durch Radfahren und Schwimmen geschult – ist so schwach wie noch nie.

Sie möchten weiterlesen?

Als Digital- oder Kombi-Abonnent von brand eins können Sie diesen Artikel bereits jetzt online lesen. Melden Sie sich dafür mit Ihren Zugangsdaten an.

Anmelden
Alle Abos im Überblick

____________________________________________

Digital-Ausgabe kaufen

Kaufen Sie die vollständige brand eins Ausgabe inkl. diesem Artikel.

Ausgabe kaufen (6,30 €)