Gemeinwohl-Ökonomie

In der ostwestfälischen Provinz geht es normalerweise beschaulich zu, jetzt aber weht ein Hauch von Revolution durch einen Landkreis. Unternehmer und Kommunalpolitiker werben für eine neue Art der Ökonomie.





• Der Wandel beginnt mit einem Buch. Dünn ist es und hat einen gelben Einband. Anfang 2017 spaziert der Apotheker Albrecht Binder damit ins Rathaus der ostwestfälischen Kleinstadt Steinheim, zum Bürgermeister.

Binder hat das Buch im März von seiner Tochter zum 55. Geburtstag geschenkt bekommen. „Gemeinwohl-Ökonomie“ heißt es, und der österreichische Autor Christian Felber stellt darin sein „Wirtschaftsmodell der Zukunft“ vor: Nicht mehr Profit solle das Wichtigste sein, sondern das Wohlergehen aller. Eine ethische Marktwirtschaft, Kooperation statt Wettbewerb, Nachhaltigkeit statt Ausbeutung.

Die Idee klingt gut, doch ist die Welt, ist Ostwestfalen dafür bereit? Familie Binder jedenfalls ist es. „Meine Frau und ich waren geflasht. Das ist genau das, was uns gefehlt hat“, sagt Albrecht Binder.

In seiner St. Rochus-Apotheke steht Biomilch auf einem Tisch, und an einer Wand hängt ein pinkfarbenes Plakat mit Buddha in vier Positionen – „für einen relaxten Apotheken-Alltag“. Im Minutentakt klingelt das Telefon, oder Kunden kommen herein. Binder ist die Ruhe selbst, gerade erklärt er am Telefon geduldig die korrekte Einnahme von Vitamin C.

Der 59-Jährige ist niemand, der auf die Barrikaden geht. Er singt im Chor und hat vier erwachsene Kinder. Er will eine bessere Welt, aber keinen Umsturz, sondern einen „Wandel mit System“. Es müsse sich etwas ändern, findet er, und das gehe nur, wenn man neue Ideen umsetze.

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