Wo ist das Problem?

Sechs Unternehmen, sechs Lösungsansätze.





Viele kehren an ihre Arbeitsplätze in Firmen zurück. Damit die Mitarbeiter einander nicht anstecken, probiert der südkoreanische Telekommunikationsanbieter SK Telecom autonom fahrende Roboter aus. Sie sorgen für Ordnung, Hygiene und Distanz. Dazu messen sie die Körpertemperatur der Angestellten, sprühen Desinfektionsmittel auf deren Hände und desinfizieren Büroflure mithilfe von UV-Licht. Außerdem scheuchen sie Mitarbeiter auseinander, die zu nah in zu großen Gruppen beieinanderstehen, und ermahnen diejenigen, die keine Masken tragen. Um die Social-Distancing-Roboter zu entwickeln, hat das Unternehmen seine eigene Technik zur Nutzung von 5G-Mobilfunk mit Roboter-Technik anderer Firmen kombiniert. In Korea kommen die Roboter dieses Jahr auf den Markt, im nächsten Jahr weltweit.

Auch in diesem Sommer wird es wohl wieder lange Hitzephasen geben. Besonders in Städten heizt sich dann die Luft stark auf, denn dichte Bebauung, viel Verkehr und versiegelte Asphalt- und Betonflächen schaffen sogenannte Wärmeinseln. Um diese abzukühlen, bauen viele Städte jetzt Brunnen und pflanzen Bäume, die auch höhere Temperaturen aushalten.

Das österreichische Familienunternehmen Zehetbauer hat noch eine andere Idee: Es hat einen Fertigrasen entwickelt, der so elastisch und widerstandsfähig ist, dass sogar 40 Tonnen schwere Fahrzeuge darüberfahren können, ohne ihn zu beschädigen. Meist rollt das Unternehmen den Rasen auf bestehenden Straßen aus. Stadtplaner können Flächen auch von Anfang an mit Rasen statt Asphalt anlegen. In Österreich und der Schweiz liegt der Rasen schon auf Parkplätzen und auf Freiflächen rund um Krankenhäuser. In Deutschland beginnt der Verkauf gerade erst, hier rollt das Unternehmen seinen Rasen zurzeit vor Hotels und rund um Wohnsiedlungen aus. Auch in einem Moskauer Nobelviertel liegen seit Kurzem mehr als 700 Quadratmeter. „Natürlich muss der Rasen hin und wieder gegossen werden“, sagt Geschäftsführer Michael Berlin. Das Wasser gehe aber nicht verloren, sondern werde im Boden gespeichert – und kühle die Flächen an heißen Tagen ab. Auch für sommerliche Platzregen, die durch die Erderwärmung häufiger geworden sind, sei der Rasen geeignet: „Durch seinen sandigen Aufbau kann der Rasen in kurzer Zeit große Wassermengen aufnehmen und lange speichern.“

Das britische Fintech Wollit hat eine Finanzplanungs-App für Freiberufler und Kleinunternehmer wie etwa Uber-Fahrer entwickelt. Deren monatliche Einkommen hängen stark davon ab, wie viele Aufträge sie bekommen und ob ihre Auftraggeber pünktlich zahlen. Weil die Verdienste dieser sogenannten Gig-Worker in Folge der Corona-Krise besonders stark zurückgegangen sind, bringt das Start-up seine App nun früher als geplant auf den Markt. Wollit soll den Selbstständigen mehr Sicherheit bieten: Wer sich bei dem Fintech registriert, zahlt eine monatliche Abo-Gebühr. Dafür erhält er jeden Monat ein festes Honorar von der Plattform, in der Höhe des eigenen monatlichen Durchschnittseinkommens. Verdienen die Abonnenten in einem Monat weniger, müssen sie die Differenz erst dann zurückzahlen, wenn ihr Einkommen wieder über dem Durchschnitt liegt. „Income Smoothing“ nennt die Firma dieses Modell.

Zarah Bruhn gründete in der Corona-Krise das Sozialunternehmen Bring & Ring. Es vertreibt die gleichnamige App, eine digitale Einkaufshilfe. Die Plattform verbindet Leute, die für andere einkaufen gehen wollen, mit denen, die ihre Wohnung gerade nicht verlassen können. Wer Hilfe braucht, lädt seinen Einkaufszettel in der App hoch, bekommt alles an die Tür gebracht – und kann sich freiwillig mit einem Trinkgeld bedanken. Noch arbeiten die Entwickler für die gute Sache, langfristig soll das Unternehmen sich aber finanziell selbst tragen und auch nach der Pandemie als Nachbarschaftshilfe-Portal bestehen bleiben.

Seit die Fahrradläden wieder geöffnet sind, machen sie gute Umsätze. Gefragt seien vor allem hochpreisige E-Bikes, Kinder- und Lastenräder, berichtet der Pressedienst Fahrrad, der mit Produzenten zusammenarbeitet. Hersteller von E-Bikes meldeten schon 2019 hohe Verkaufszahlen. Ein E-Bike kann allerdings mehrere Tausend Euro kosten – wenn es geklaut wird, ein großer Verlust.

Davon wollen Fahrradschloss-Hersteller wie das nordrhein-westfälische Unternehmen Abus profitieren. Die Firma hat für die Besitzer teurer Räder ein smartes Faltschloss entwickelt. Statt mit einem Schlüssel öffnen und schließen Nutzer das Schloss via Bluetooth mit der zugehörigen App, die mit einem besonderen Feature Diebe abschrecken soll: Macht sich jemand an dem Schloss zu schaffen, der nicht das Smartphone des Besitzers bei sich trägt, ertönt ein 100 Dezibel lauter Alarm. Das ist etwa so laut wie eine Kreissäge. Das Schloss kostet allerdings hundert Euro oder mehr – so viel wie ein gebrauchtes, nicht motorisiertes Fahrrad.

Louis Bahlmann ist Zahnarzt und leidenschaftlicher Tüftler. Nach dem Staatsexamen gründete der Kölner eine Firma, mit der er eine Bürste für Zahnzwischenräume und eine vegane Zahnseide entwickelt hat. Seine neueste Idee: eine Mund-Nasen-Maske aus einem Stoff, der Bakterien und Viren abtötet. „Man sieht im Supermarkt ständig, dass Menschen erst den Einkaufswagen und dann ihre Maske berühren“, beobachtete Bahlmann. Dabei kontaminieren sie ihre Maske mit Bakterien und Viren, womöglich auch mit Coronaviren. Bahlmann suchte nach einer Lösung und fand die Schweizer Firma Livinguard, die einen beschichteten Stoff entwickelt hat, der Bakterien und Viren abtötet.

Er entwickelte mit der Firma eine Maske, die aus drei Schichten Stoff besteht. Diese haben eine positive chemische Ladung, während Viren negativ geladen sind. Nähern sich Viren der Maske, werden sie angezogen, die Positiv-Negativ-Verbindung soll die Hülle der Viren aufbrechen und sie deaktivieren. Getestet wurde dieses antivirale Prinzip bisher unter anderem auf das Influenzavirus und das humane Coronavirus 229E, das schon länger bekannt ist. Diesen Erreger eliminiere die Maske zu mehr als 99 Prozent, sagt Bahlmann. Da das neuartige SARS-CoV-2 eine ähnliche Struktur hat wie 229E, könnte der antivirale Stoff ähnlich neutralisierend wirken. Das werde gerade getestet. Mit Livinguard will Bahlmann weitere Produkte aus dem vor Infektionen schützenden Stoff fertigen. ---