Schneller als die Polizei erlaubt

Durch die Corona-Krise stehen viele Unternehmen vor historischen Herausforderungen. Sich der neuen Lage anzupassen fällt den meisten schwer. Die Organisierte Kriminalität tut sich da leichter. Ein Branchenvergleich.





★★★★ sehr hoch
★★★ hoch
★★★★ mittel
★★★ mäßig
★★★★ keine

Selbst im Untergrund haben es der kleine Mann und die kleine Frau am schwersten. So kann sich der gemeine Taschendieb nicht dagegen wehren, von seinem Arbeitsplatz in der Menschenmenge ins einsame Home Office verbannt zu werden. Und auch der klassische Einbrecher, der im abgedunkelten VW-Bus darauf lauert, dass Familie Müller die Rollläden runterlässt, um in den Malle-Urlaub zu fliegen, kann dieser Tage lauern, bis er grau wird. Jedes Wohngebiet zeigt derzeit das gleiche Bild: Menschen, die immerfort zu Hause sind. Beziehungsschädigend für Familien, geschäftsschädigend für Langfinger.

Das niedersächsische Landeskriminalamt verzeichnete in der ersten Aprilwoche 2020 nicht einmal halb so viele Einbrüche wie in derselben Woche ein Jahr zuvor, der Taschendiebstahl ging sogar um mehr als 90 Prozent zurück. Nur wenigen Dieben gelingt es, aus anderthalb Metern sozialer Distanzierung unbemerkt in die Gesäßtasche des einzigen Passanten in der menschenleeren Innenstadt zu greifen. Ihnen bleibt nur das Warten auf weitere Lockerungen.

Oder das Umdenken. Noch bevor alle bundesweiten Maßnahmen zu Kontaktbeschränkungen in Kraft traten, schulten in Deutschland die ersten arbeitslosen Einbrecher um und klingelten als verkleidete Mitarbeiter des Gesundheitsamtes bei den Daheimgebliebenen, um vorgeblich verpflichtende Covid-19-Tests vorzunehmen. Doch während einer den Rachen der Ahnungslosen abstrich, pflückten die anderen die Swarovski-Figuren aus der Wohnzimmervitrine und angelten den Sparstrumpf aus der Sockenkiste.

Auch der altgediente Enkeltrick, bei denen jüngere Menschen ohne Gewissen ältere Menschen ohne Argwohn ausnehmen, bekam sein Corona-Update. Die vermeintliche Enkelin am Telefon hat nun keinen Auto-Unfall mehr gehabt, sondern sich ein tödliches Virus gefangen, das sie nur besiegen kann, wenn die liebe Omi schnellstens Geld für lebensrettende Medikamente lockermacht. Das ist zwar nicht ausgesprochen kreativ, aber wirkungsvoll.

Um einiges ideenreicher waren da Betrüger in Südafrika, die sich als Gesandte der Zentralbank ausgaben und von Haus zu Haus zogen, um Geldscheine einzusammeln, die mit dem Coronavirus verseucht sein könnten. Zum Wohle der Bevölkerung behielten sie die Banknoten.

Auswirkung der Krise auf das Gewerbe der Kriminellen: ★★★★
Anpassungsgeschwindigkeit: ★★★★
Innovationsgrad: ★★★
Effektivität: ★★★

Je schwerer die Krise, desto wichtiger ist schnelles Handeln. Und so haben Bund und Länder mit für Behörden beispielloser Geschwindigkeit im März 2020 Internetseiten geschaltet, auf denen Selbstständige und Unternehmen Unterstützungsgelder beantragen konnten. Der gebotenen Eile wegen wurde sofort bezahlt und später geprüft. Folglich war der Topf etwa in Berlin bereits nach wenigen Tagen geplündert. Das ist keine Überraschung, schließlich sind die Deutschen nicht nur optimale Verteiler von Brückentagen, sondern auch Weltmeister in der Steueroptimierung, von wo es kein weiter Weg zum Soforthilfeantrag ist. Organisiert ist daran wenig, es ist eher ein innerer Trieb.

Doch nun folgt auf den Geldregen der Prüfungshagel. Bundesweit laufen bereits weit mehr als 2000 Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Subventionsbetrugs. In besonders schweren Fällen drohen zehn Jahre Haft.

Wie viel auf die falschen Konten fließen und von dort versickern konnte, wird sich erst zeigen. Allein in Berlin hat die Oberstaatsanwaltschaft bis Ende Mai bereits mehr als 3,5 Millionen Euro ausgezahlte Hilfsgelder eingefroren. Sicher ist, dass auch die Organisierte Kriminalität ins Liquiditätsengpassgeschäft eingestiegen ist. Mithilfe von erfundenen oder gekaperten Firmen wurden Millionenbeträge angefordert. Mehr als 250 Anträge liefen allein auf ein paar Adressen polizeibekannter Berliner Ganoven.

Eine frühe Masche nutzten sogenannte Finanzagenten, die Menschen in finanzieller Notlage – meist Arbeitslose – mit kleinen Bargeldsummen lockten, wenn diese dafür ihre Steuerdaten hergaben. Die Agenten stellten mit diesen Angaben einen Subventionsantrag, der ihnen sofort ausbezahlt wurde. Bis die Behörde hinter den Betrug kommen wird, sind Agent und Geld längst verschwunden. Wer noch da ist, sind die Ausgenutzten, zu deren Sorgen dann ein paar neue kommen werden.

Etwas aufwendiger war das Vorgehen jener Banden, die bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung der offiziellen Soforthilfe-Seiten eigene Kopien dieser Seiten online stellten, um die persönlichen Angaben der Förderungswilligen abzufischen. Die Betrüger mussten in den frei Haus gelieferten Datensätzen nur noch die Kontonummer des Antragstellers durch die eigene ersetzen und alles an die offizielle Stelle weiterleiten. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden auf diese Weise mindestens 3500 bis 4000 Anträge gestellt.

Nach Ablauf der Beantragungsfrist setzten die Betrüger noch einen drauf und verschickten offiziell anmutende E-Mails, die in bedrohlichem Behördendeutsch vor den drakonischen Strafen bei unrechtmäßiger Beantragung warnten. Wer fürchte, sich schuldig gemacht zu haben, solle sich sofort melden, um die Schuld zu begleichen und damit horrende Strafen abzuwenden. Abermals aufs Konto der Betrüger.

Mittlerweile lauern an jeder Ecke des Internets neue Fallen. Mal infiziert eine harmlos anmutende Corona-Übersichtskarte den Computer mit Schadsoftware, mal stiehlt eine vermeintliche Virus-Tracking-App Passwörter und Bankkontodaten vom Mobiltelefon. Allein die Zahl der Domains, die in diesem März und April im Zusammenhang mit Covid-19 registriert und als betrügerisch eingestuften wurden, liegt bei knapp 90 000 weltweit.

Größeren Schaden richteten Angriffe auf mehrere Hochleistungsrechner europäischer Forschungszentren an. An einigen Standorten mussten die Systeme komplett vom Netz genommen werden. Sicherheitsexperten vermuten dahinter den Versuch, Ergebnisse der Impfstoffsuche abzugreifen. Die Antwort auf die Frage, wer hier wen ausspioniert, hängt davon ab, wen man fragt. Das Misstrauen unter den Nationen gleicht einem Mexican Standoff, in dem jeder jedem eine geladene Pistole an die Schläfe hält.

Eine Stimme der Vernunft erklang da ausgerechnet aus der Abteilung Ransomware. Dabei handelt es sich um Gruppen, die in die Computersysteme großer Einrichtungen eindringen und diese vor die Wahl stellen, entweder Lösegeld zu zahlen oder den Zugriff auf all ihre Daten zu verlieren. Zu den bekanntesten Opfern zählt die Universitätsklinik Brünn, eines der wichtigsten Covid-19-Testzentren Tschechiens, die wegen eines solchen Angriffs ihre Systeme herunterfahren und alle Operationen verschieben musste. Daraufhin haben gleich mehrere Konkurrenten der Erpresser versichert, aufgrund der besonderen Lage von Angriffen auf die medizinische Infrastruktur abzusehen. Vorerst.

Auswirkung der Krise auf das Gewerbe der Kriminellen: ★★★
Anpassungsgeschwindigkeit: ★★★
Innovationsgrad: ★★★
Effektivität: ★★★

Rare und dringend benötigte Güter laden zum Betrug ein. Deutsche Importeure hatten bereits Anfang des Jahres Alarm geschlagen, weil sie einen Engpass bei medizinischer Schutzausrüstung kommen sahen. Diese stammt vornehmlich aus China, nach Aussage eines Importeurs im »Spiegel« zu 97 Prozent ausgerechnet aus Wuhan. Doch die mahnenden Rufe verhallten auf den Fluren der Ministerien und Kliniken. Bis es zu spät war.

Als Mitte März die Fabriken in Wuhan endlich wieder produzierten, standen die Interessenten trotz deutlich gestiegener Preise Schlange. Langjährige Kunden mussten plötzlich Millionen- beträge per Vorkasse zahlen und erhielten dann kurz vor dem Liefertermin die knappe Nachricht, dass ein anderer mehr zu zahlen bereit sei und sich der Preis nochmals erhöhe. Gleichzeitig häuften sich die Berichte, dass US-Amerikaner mit Geldkoffern Lieferungen noch auf der Rollbahn umlenkten. Wo Goldgräberstimmung ausbricht, sind Banditen nicht fern.

Der dreisteste und zugleich lukrativste Weg der Betrüger ist ein Klassiker aus Nigeria: der E-Mail-Scam. Normalerweise fragt da ein wohlhabender Prinz den glücklichen deutschen Free-Mail-Nutzer, ob er ihm helfen könne, eine Millionensumme gegen eine großzügige Aufwandsentschädigung nach Deutschland zu transferieren. Der Prinz schwimme zwar im Geld, sehe sich aus komplizierten Gründen aber außerstande, eine Überweisung zu tätigen. Was folgt, ist eine finanzielle Demütigung in vielen Akten. Nur wenige Menschen mit Verstand gehen auf diese Offerten ein. Zu diesen zählt nun auch das Bundesland Nordrhein-Westfalen, das für Masken, die es nie gab, Millionen überwies.

Zur Verteidigung des Landes muss man sagen, dass der Betrug zwar szenetypisch mit einer E-Mail begann, dann aber doch etwas aufwendiger mit gekaperten Internetseiten echter Firmen inszeniert wurde. Nach einigen Weitervermittlungen von Spanien über Irland zahlte das Land schließlich 2,4 Millionen Euro per Vorkasse an einen Mittelsmann in den Niederlanden, vor dessen Toren am Ende 52 nordrhein-westfälische Lastwagen und eine Polizei-Eskorte vergebens auf die bestellte Ware warteten. Immerhin konnten Ermittler den Großteil des Geldes sicherstellen. Es war bereits auf viele Konten verteilt – von den Niederlanden bis nach Nigeria.

Auch das Fälschergewerbe hat – Corona im Blick – die Produktion umgestellt. Wer ein Nike-Etikett imitieren kann, der scheitert auch nicht an der Herstellung eines echt aussehenden, aber wirkungslosen Bluttests. Europol warnt in fast schon schwärmerischem Ton vor dieser „hochgradig anpassungsfähigen“ Branche. Allein in der ersten Märzwoche 2020 hat die europäische Polizeibehörde 37 Betrügernetzwerke ausgehoben, 121 Personen festgenommen sowie 37 000 gefälschte Medizingeräte und 4,4 Millionen Portionen Medikamente in 90 Ländern beschlagnahmt.

Wenn plötzlich Cent-Artikel wie Atemmasken das Zehn- bis Hundertfache kosten, lockt das auch Akteure aus fremden Gefilden an. So mischte auch Xatar, der sonst eher für Gangstarap, Goldraub und Gefängnisstrafen bekannt ist (siehe brand eins 09/2017: „Es gab in Deutschland keine Vorbilder, die so aussahen wie ich“)*, im Maskengeschäft mit. Auf Instagram erklärte er, sein „internationales Netzwerk“ nutzen zu wollen. Als Journalisten der »Zeit« zum Test einige dieser Masken kauften, stellte sich Xatars Ware als funktionstüchtig heraus – nur die Zulassungspapiere für den deutschen Markt fehlten, und die Testberichte stammten von einem anderen Produkt.

Sobald sich der Lieferengpass auflöst, werden sich die neuen Händler wohl wieder ihren alten Betätigungsfeldern widmen. Bis dahin wird der Handel weitere Blüten treiben. In Xatars Onlineshop gibt es mittlerweile eine Baumwollmaske mit der Aufschrift „Alles oder Nix“. Sie kostet fast doppelt so viel wie sein aktuelles Album.

Auswirkung der Krise auf das Gewerbe der Kriminellen: ★★★★
Anpassungsgeschwindigkeit: ★★★
Innovationsgrad: ★★
Effektivität: ★★★

Der Drogenhandel ist die Staatsanleihe der Unterwelt. Er wirft eine sichere Rendite ab. Wer seine Klienten süchtig macht – und dabei nicht selbst zu seinem besten Kunden wird –, für den war der Rauschgiftmarkt stets eine solide Sache. Wer noch dazu ein wenig mit der Mode ging und alle paar Jahre sein Portfolio neu gewichtete, der konnte nachts gut schlafen – sofern die Drogenfahndung nicht dazwischenkam.

Nun führen die Kontaktbeschränkungen aber zu einer einmaligen Situation. Ein faktisch weltweites Tanzverbot hat über Nacht allen Clubs und Festivals den Tanzboden unter den Füßen weggezogen. Ein globaler Karfreitag. Monatelang. Das trifft auch die vorgelagerten Branchen. Ohne die vielen Gelegenheitskonsumenten stockt der Absatz mit Party-Drogen. Regelmäßiger Konsum, allein und in den eigenen vier Wänden, ist nur etwas für Hartgesottene. Die ersten Zwischenhändler in den Niederlanden geben daher schon Rabatt auf Pillen.

Dazu kommt, dass ein Großteil der benötigten Chemikalien für die Herstellung synthetischer Drogen aus China stammt. Und dort ausgerechnet aus der Provinz Hubei, die erst das Virus und dann den Lockdown exportierte. In der Folge sind die Drogenpreise insgesamt in Europa gestiegen – ganz grob und über alle Stoffe hinweg um rund ein Drittel. Gleichzeitig nimmt laut Europol die Stoffreinheit ab.

Allerdings gibt es erhebliche Zweifel daran, dass der Preisanstieg eine Folge von Corona ist. Denn wirklich betroffen bei den Anbietern ist nur die letzte Meile, der Straßenverkauf. Das liegt größtenteils an den Kontaktbeschränkungen. Einige Verkäufer verlangten daher Panik-Aufschläge, und viele Kunden legten Vorräte an. Vor allem bei Cannabis. Doch hier ist der Nachschub nicht gefährdet. Gras wird in Europa vorwiegend dezentral und verbrauchernah angebaut. Also auf dem deutschen Dachboden, im niederländischen Gewächshaus oder auf dem bulgarischen Acker.

Je weiter der Stoff reist, desto größer die Auswirkungen der Krise – könnte man meinen. Doch mit der Distanz wächst auch die Professionalität der Akteure. Und die sind es im Gegensatz zu den Beschaffungsstellen deutscher Behörden gewohnt, schnell und unbürokratisch mit neuen Widrigkeiten klarzukommen. Die Taliban beispielsweise freuten sich diese Saison wieder über eine üppige Opiumernte, und auf ihrer Balkanroute rollt das afghanische Heroin nach Europa wie eh und je. Dass die Droge in manchen Städten dennoch knapp wurde, liegt eher daran, dass den Straßenverkäufern die Deckung fehlte. Wo keine Junggesellinnen lautstark am Bahnhof feiern, kann kein Dealer mehr unbeobachtet seinen Geschäften nachgehen.

Auch die Kokain-Kartelle in den Anden haben die Lieferengpässe bei Chemikalien aus China für die Drogenherstellung wohl überwunden. Wo es Milliarden zu verdienen gibt, findet sich ein Weg. Und ihre Schmuggelrouten hatten die Kartelle bereits angepasst, als es über Heinsberg noch nicht mehr zu erzählen gab, als dass dort Eugen Verpoorten im Jahr 1876 den Eierlikör erfand. Von einem Rückgang des Koks-Exports keine Spur. Allein der Golf-Clan, der die Hälfte des kolumbianischen Kokainhandels kontrolliert, bunkert nach eigener Aussage gut 40 Tonnen Reserve-Koks im Dschungel. Genug für eine zweite Welle.

Auf längere Sicht spricht vieles dafür, dass die Krise die großen Akteure stärkt. Schließlich sitzen sie auf Unmengen von Bargeld. Je mehr Betriebe und Regierungen nun ins Straucheln kommen, desto leichter und billiger können sie sich in Politik und Wirtschaft einkaufen.

Auswirkung der Krise auf das Gewerbe der Kriminellen: ★★★
Anpassungsgeschwindigkeit: ★★★★
Innovationsgrad: ★★
Effektivität: ★★★

Eigentlich ist die Rechnung einfach: Das neue Virus zwingt die Menschen zur Heimarbeit, dadurch steigt der Bedarf an Videokonferenzen. Weil weniger ins Kino oder in die Kneipe dürfen, schauen mehr Leute Filme im Internet. Und weil auch die Schüler sich nicht mehr zum heimlichen Rauchen an der Bushaltestelle treffen dürfen, verbringen sie ihre Zeit mit Onlinespielen. Da man sich die Infrastruktur des Internets wie ein riesiges Straßennetz vorstellen kann, liegt die Sorge vor einem Stau nahe.

Warum also nicht in diesen besonderen Zeiten jenen Vorfahrt gewähren, die arbeiten, und jene bremsen, die sich nur amüsieren? 2019 bestanden fast zwei Drittel des globalen Datenverkehrs aus Videos, wovon Netflix allein gut elf Prozent ausmachte.

So gesehen müsste man nur die Online-Unterhaltungsindustrie bitten, etwas weniger zu senden, schon hätten alle mehr Raum fürs Geschäftliche. Einem Laien erscheint das sinnvoll. Der EU-Kommission auch. Und so einigte sie sich mit den großen Streaming-Anbietern im März darauf, die Menge der nach Europa gesendeten Daten zu reduzieren. Experten halten die Maßnahmen für Unsinn. Sie haben eine Menge von Argumenten. Das einfachste kommt vom weltgrößten Internetknoten DE-CIX mit Sitz in Frankfurt am Main, sozusagen dem Frankfurter Kreuz des Datenverkehrs. Dort wurde jüngst ein Corona-bedingter Weltrekord gemessen: 9,1 Terabit schossen pro Sekunde durch den Knotenpunkt. Waren die Stau-Sorgen also berechtigt? Nein. Die Kapazität des Knotens liegt bei 54,1 Terabit pro Sekunde.

Warum haben sich die großen Streaming-Anbieter dann auf den Plan der EU-Kommission eingelassen? Das sagen sie nicht. Aber klar ist: Mit der zweimonatigen Drosselung konnten sie eine Menge Geld sparen und das Image als Helfer in der Krise pflegen. Anbieter illegaler Streaming-Portale verfolgten eine andere Marketing-Strategie: Unmittelbar nach Inkrafttreten der Drosselung warben sie damit, nach wie vor und jetzt erst recht in höchster Qualität zu senden. Im Interesse der Kunden, versteht sich.

Das führte dazu, dass jene Seiten, auf denen man vor wenigen Jahren noch sehr lange Zwischenspeicherpausen hinnehmen musste, bessere Bilder lieferten als der Marktführer. Dafür nutzten sie auch die von Netflix freigeräumte Bandbreite. Allein in Deutschland stieg der Anteil der Raubstreamer in jenen Wochen um 36 Prozent. In Frankreich um 41, in Spanien um 50 und in Italien um gar 66 Prozent. Je strenger die Ausgangssperren, desto höher die Einnahmen. ---

Auswirkung der Krise auf das Gewerbe der Kriminellen: ★★★★
Anpassungsgeschwindigkeit: ★★★★
Innovationsgrad: ★★★★
Effektivität: ★★