Prototyp – Idee sucht Geld

Der große Blubb

Die niederländische Firma The Great Bubble Barrier will Plastikmüll aus unseren Flüssen filtern – mit Luft.




• Das Konzept funktioniert so: Man spannt einen Schlauch schräg über den Grund eines Flusses, aus dem aus vielen kleinen Löchern Luftbläschen nach oben steigen. Die Bläschen bilden eine Art Wand. Plastikteile werden dadurch aufgewirbelt und zur Seite abgelenkt. Dort sammeln sie sich in einem Auffangsystem und können abtransportiert werden.

Dem Schiffs- und Meerestechniker Philip Ehrhorn kam die Idee 2015 bei einem Auslandssemester in Australien. Als Student besuchte er dort ein Klärwerk und beobachtete, wie in einem Tank Luft zugeführt wurde, um das Wachstum bestimmter Bakterien zu fördern. „Auf der Oberfläche schwammen auch Plastikteile, die sich an einer Stelle sammelten“, sagt er. Zurück an der Technischen Universität in Berlin baute er eine Versuchsanlage mit einem Wasserlauf, einem Schlauch und den Luftbläschen, und schrieb darüber seine Bachelor-Arbeit.

Während dieser Zeit zeigte ihm ein Bekannter ein Video bei Youtube: Drei Niederländerinnen hatten genau die gleiche Idee. In einer Bar hatten sie beobachtet, wie aufsteigende Kohlensäure im Bier den Schaum verdrängte. Auch sie schrieben ein Konzept zur Wasserreinigung mit Luft und gewannen damit einen Ideenwettbewerb. Ehrhorn nahm Kontakt auf, beendete 2017 erfolgreich seine Bachelor-Arbeit „und am nächsten Tag bin ich nach Amsterdam gezogen“.

Mit dem Preisgeld aus dem Wettbewerb finanzierten sie ihre erste Testanlage: einen 180 Meter langen Schlauch in der IJssel. Die Ergebnisse entsprachen denen aus Ehrhorns Testanlage in Berlin. Das System funktionierte!

Seit Herbst 2019 testet die Firma auch in einem Kanal am Westerdok in Amsterdam: der erste bezahlte Auftrag von der Wasserbehörde der Stadt. Sind die Ergebnisse gut, dann will Amsterdam die Luft-Barriere in allen Zuflüssen zum Nordsee-Kanal einsetzen. „Wir können damit etwa 86 Prozent des Plastikmülls filtern“, sagt Ehrhorn, „in einer Größe von einem Millimeter bis zu einem Meter. Nur wenn ein Dixi-Klo vorbeischwimmt, was in Amsterdam durchaus vorkommen kann, dann schafft die Anlage das nicht mehr.“ Gerade untersucht die Firma zusammen mit einem Klärwerk in Wervershoof, ob das System auch Mikroplastik von 0,5 bis 0,02 Millimeter filtern kann.


Am Westerdok in Amsterdam: Luftblasen lenken Plastikteile zur Seite ab Abbildungen: The Great Bubble Barrier

Der Fokus des Start-ups liegt in Europa. „Überall dort, wo wir eine funktionierende Mülltrennung und -abfuhr haben“, sagt Ehrhorn. „Sonst könnten wir den gegenteiligen Effekt erzielen und Leute dazu animieren, erst recht ihren Müll im Fluss zu entsorgen.“ ---

The Great Bubble Barrier
Francis Zoet, Saskia Studer, Anne Marieke Eveleens, Philip Ehrhorn

Kontakt: contact@thegreatbubblebarrier.com