Butlers

Der Einzelhändler war schon vor Corona krisengestählt – und plant jetzt für die Zeit danach.





• Wilhelm Josten sitzt im Home Office, alle Filialen seiner Einzelhandelskette sind geschlossen, die meisten seiner Leute sind in Kurzarbeit – aber der Mitgründer und -geschäftsführer von Butlers ist trotzdem ganz guter Dinge. Zum einen laufe der Onlineshop besser als gedacht. Zum anderen denkt der 54-Jährige schon an die Zukunft. Dann wird vermutlich in vielen Ländern Rezession herrschen, und wirtschaftlich schwierige Zeiten seien gute Zeiten für Butlers, „weil die Leute es sich dann gern zu Hause gemütlich machen“. Mit Tassen und Tellern, Accessoires, Deko- und Geschenkartikeln ist die Firma groß geworden.

Josten stammt aus einer Kaufhausdynastie in Neuss, sein Vater besaß dort ein Warenhaus. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre, Stationen unter anderen bei einer Handelsberatung und bei Aldi beschloss er Ende der Neunzigerjahre, sich mit einem Ladenkonzept selbstständig zu machen, das er „Demokratisierung des guten Geschmacks“ nennt. Er entwickelte es gemeinsam mit seinem Bruder Paul und mit Frank Holzapfel, dem ersten Ikea-Deutschland-Chef.

Ihr Vorbild waren vertikal organisierte Moderiesen wie H&M. Butlers bietet wie sie keine fremden Marken an, sondern nur eigene. Das Sortiment – 2000 bis 3000 Artikel – wird von den Designern des Unternehmens entwickelt und in Asien produziert. Das ermöglicht niedrige Preise. Die Produkte werden als Wohnwelten rund um den gedeckten Tisch inszeniert. Der Name Butlers soll Gastfreundlichkeit signalisieren.

Die Kundschaft besteht zu 80 Prozent aus Frauen. „Bei uns kauft sowohl die Zahnärztin als auch die Zahnarzthelferin“, sagt der Chef. Dass er und seine ausschließlich männlichen Kollegen in der Unternehmensführung deren Geschmack träfen, wundere ihn selbst, scherzt Josten. Aber im Ernst lasse man sich sowohl von den Mitarbeiterinnen als auch den eigenen Frauen beraten und: „Wir sind keine Zahlenfetischisten, sondern gehen mit viel Gefühl an unsere Arbeit heran.“

Das funktionierte lange sehr gut, bis Butlers – „wegen einer verfehlten Sortimentspolitik, für die ich die Verantwortung übernehme“, so Josten – 2017 vor der Pleite stand. Aus ihr befreite sich die Firma durch ein sogenanntes Planinsolvenzverfahren. Dabei bleibt der Schuldner Eigentümer des Unternehmens, muss Gläubigern dafür aber eine höhere Quote bezahlen. Durch „die Rückbesinnung auf unsere Stärken ist es uns gelungen, zurück in die Erfolgsspur zu kommen“, sagt Wilhelm Josten. Es gelang ihm, mit einem privaten Investmentfonds sowie einem, der zur landeseigenen NRW-Bank gehört, neue Gesellschafter zu gewinnen. Er ist nach wie vor der größte Anteilseigner.

In der Insolvenz befreite sich die Firma unter anderem von unvorteilhaften langfristigen Verträgen. Konkurrenten wie Habitat oder Strauss Innovation sind mittlerweile vom deutschen Markt verschwunden. Zupass kamen Butlers bereits vor der Pandemie die sinkenden Einzelhandelsmieten, sagt Josten. „Wir können uns heute 1a-Lagen leisten, die vor ein paar Jahren unerschwinglich für uns waren.“ ---

Wilhelm Josten, sein Bruder Paul und Frank Holzapfel eröffnen 1999 ihr erstes Ladengeschäft in Köln. Von 2005 an expandiert die Firma ins europäische Ausland. Die Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreibt Butlers selbst, für andere Länder vergibt sie Lizenzen an Franchisenehmer. Die Firma wird für ihr Konzept und ihren Onlineshop mehrfach ausgezeichnet und wächst kontinuierlich, bis das Geschäft überdehnt wird. Ende Januar 2017 stellt Butlers einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Köln. Im September ist das Planverfahren abgeschlossen. Im Zuge der Sanierung werden 30 Filialen in Deutschland geschlossen. Danach geht es wieder aufwärts. Wilhelm Josten plant für die Zeit nach der Pandemie eine Expansion in Länder wie Frankreich, wo Butlers noch nicht vertreten ist.

Butlers GmbH & Co. KG

Mitarbeiter: 800; Filialen: 125 (davon eigene: 85); Umsatz 2019: 83 Mio. Euro; Gewinn: „im unteren siebenstelligen Bereich“ (Josten)