Ageco Agencement

Ausgerechnet in Amiens, wo der Niedergang Frankreichs als Industrienation besonders spürbar ist, erweckt ein Start-up eine verlassene Fabrik wieder zum Leben. Es scheint das zu schaffen, was der Präsident für das ganze Land fordert: den Wandel zur Digitalnation.




• Sie ist wieder da: la crise, die Wirtschaftskrise. Das Coronavirus bringt auch die französische Wirtschaft weitgehend zum Erliegen. In Amiens war die Krise jedoch niemals weg. Die Stadt liegt in den Hauts-de-France, einer strukturschwachen Region im Norden des Landes. Hier ist Niedergang seit Jahrzehnten traurige Realität.

Der Unternehmer François Company ist mit seinem Konzept, den Einzelhandel zu digitalisieren, trotzdem von Paris hierher gezogen. Und fühlt sich gerade jetzt darin bestätigt: „Die Corona-Krise zeigt, wie wichtig es ist, Produkte lokal herzustellen. Genau das machen wir.“ Die Produktion laufe weiter, die Auftragsbücher seien voll. Company ist einer der beiden Gründer von Ageco Agencement, dem vielleicht einzigen Start-up Frankreichs, das seinen Sitz in einem hundert Jahre alten, mehrere Hektar großen Fabrikgelände hat. Jetzt, wo die gesamte Ware gelagert werden muss, weil Auslieferungen aufgrund des Lockdowns unmöglich sind, freue er sich besonders über den Platz.

Anfang Februar, vor dem Lockdown, ist es mucksmäuschenstill in der menschenleeren Produktionshalle, die fast so groß ist wie zwei Fußballfelder. Erst in einer zweiten, ähnlich großen Werkshalle sind in weiter Ferne drei Arbeiter zu erspähen, die mit Metallkisten hantieren. Hier und da stehen Paletten mit Kartons, in der ganzen Halle verteilt, als hätte sie jemand mühsam drapiert, um sich zu vergewissern, dass es des ganzen freien Platzes schon bedarf. An den Wänden hängen Schilder, die der Vorbesitzer der Fabrik vergessen haben muss. Am Ende der Halle führt eine Treppe hoch in die Büros. Im größten sitzt François Company.

„Ich glaube, dass sich bei uns etwas zeigt, das wichtig für ganz Frankreich und Europa ist. Wir sind in einer Zeit der Veränderung“, sagt er. Der 41-Jährige arbeitet wie alle hier an einer einfachen Holzplatte auf Werkstattböcken, darauf ein Laptop mit dem Aufkleber des Pariser Start-up-Inkubators Station F. Er trägt rote Turnschuhe mit weißen Schnürsenkeln. Zusammen mit dem exakt gleichen Modell in Blau an den Füßen seines Geschäftspartners Antoine Gérard-Shine, der am Tisch nebenan sitzt, bilden sie die Junge-Entrepreneurs-Version der französischen Tricolore.

Einst hatte hier das US-amerikanische Elektrounternehmen Whirlpool seinen Sitz. In den gigantischen Hallen wurden am Fließband Wäschetrockner gefertigt. Vor zwei Jahren gab die Firma den Standort auf. Auch andere gingen fort aus Amiens, dieser 130 000-Einwohner-Stadt gut anderthalb Autostunden nördlich von Paris. Etliche Fabriken – die meisten aus der Automobil- und Maschinenbaubranche – schlossen in den vergangenen Jahren die Tore. Mit seinen rostigen Zäunen liegt das Gelände am westlichen Stadtrand da wie ein Sinnbild des Untergangs der Industrienation Frankreich.

Hier glaubte wohl niemand mehr daran, dass in den maroden Fabrikhallen noch einmal etwas Neues entstehen würde. Doch dann kam Ageco Agencement. Agencement, das zweite Wort im Firmennamen, bedeutet Ausstattung von Einzelhandelsflächen. Das Unternehmen entwirft die Innenarchitektur und das Möbeldesign für Supermärkte wie Carrefour, Warenhäuser wie die Galeries Lafayette, für Concept Stores und Apotheken. Die Möbel wie Regale, Wühltische, Vitrinen oder Obstauslagen stellt es selbst her. „Geschäfte sind eine leere Hülle, und wir füllen sie“, sagt Company. Er und Gérard-Shine waren Kollegen bei einem klassischen Ladenausstatter. Ihr alter Chef ließ sie mit innovativen Ideen einmal zu oft abblitzen, sodass sie im Jahr 2012 selbst eine Firma gründeten, mit je 15 000 Euro Startkapital und ihren Wohnzimmern als Büros.

Von Anfang an verbanden sie den traditionellen Ladenbau mit digitalen Designkonzepten, dazu setzten sie etwa Augmented-Reality-Brillen ein. Seit der Gründung vor acht Jahren ist die Firma, finanziert über klassische Bankkredite, gewachsen und erzielte vergangenes Jahr einen Umsatz von gut 20 Millionen Euro. Dieses Jahr will Ageco den Umsatz um 60 bis 70 Prozent steigern, die Prognose haben die Gründer anhand der Aufträge errechnet. „Der neue Standort in Amiens ist ein Beschleuniger, jetzt können wir selbst auch industriell produzieren“, sagt Company. Vor dem Umzug nach Amiens hatte das Unternehmen das Ladeninventar von Subunternehmern herstellen lassen.

Die KI-Abteilung sei quasi ein eigenes Start-up, erzählt Company. Belive.ai heißt das Projekt, für das er und sein Geschäftspartner bei einer Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr 4,1 Millionen Euro einsammelten. Die Idee: Mithilfe der Algorithmen von Belive.ai erkennen Kameras Produkte. Ein benachbarter Supermarkt dient als Testlabor und Datenlieferant. Mit jeder von Kameras beobachteten Packung Käse und jeder Flasche Rotwein, die Kunden dort aus den Regalen nehmen, lernt die Technik dazu.

Bilderkennung ist eines der wichtigsten Anwendungsfelder künstlicher Intelligenz. Daran arbeiten auch Tech-Giganten wie Google, Uber oder Amazon. „So kann der Kunde in Echtzeit sein Einzelhandelsunternehmen managen und sehen, ob ein Produkt ausgegangen ist oder an der falschen Stelle steht“, sagt Company. Damit sei man herkömmlichen Logistiksystemen, die auf der Grundlage von händischer Inventur und Strichcode-Scannern arbeiten, voraus, denn diese Verfahren registrieren nur, wenn ein Produkt ausgegangen ist. Acht Prozent Umsatzpotenzial verlören Einzelhändler durch leere Regale. „Unser System dagegen warnt: Achtung, in ein paar Minuten steht keine Cola mehr im Regal! Dann können die Mitarbeiter gleich reagieren und welche aus dem Lager holen.“

In einem Nebenraum der Fabrik stehen Abgesandte der französischen Supermarktkette Auchan im Halbkreis und betrachten die Attrappe eines Supermarktregals. Sie interessieren sich für die smarten Lösungen von Belive.ai. Mit den Supermarktketten Intermarché und Système U wurden bereits Vereinbarungen unterschrieben.

In der Fabrik in Amiens treffen Gegensätze aufeinander, nicht nur Vergangenheit und Zukunft, alte Massenproduktion und neue digitale Technik, sondern auch politische Rivalen: Der Vorbesitzer Whirlpool verkleinerte zuletzt stetig die Belegschaft und kündigte schließlich an, endgültig nach Polen abzuwandern. Den verbliebenen 138 Arbeiterinnen und Arbeitern der Fabrik drohte die Arbeitslosigkeit. Im Frühjahr 2017 wurde daraus eine kleine Staatsaffäre. Im Wahlkampf um die Präsidentschaft galt Emmanuel Macron zu der Zeit als Favorit, kurz zuvor war er noch Wirtschaftsminister gewesen – und er stammt aus Amiens.

Die Whirlpool-Arbeiter nutzten diese Verbindung und traten – in den letzten Tagen vor der Stichwahl Macrons gegen Marine Le Pen – medienwirksam in Streik. Für die Belegschaft war es ein letztes verzweifeltes Aufbäumen gegen einen Arbeitgeber, der sie fallen ließ, gegen eine Regierung, die sie nicht beschützte, und letztlich gegen die Globalisierung.

Am Tag, an dem Macron nach Amiens reiste, inszenierte Marine Le Pen einen Überraschungsbesuch direkt vor dem Werksparkplatz, wo ihr die streikende Arbeiterschaft „Marine Présidente!“ entgegenrief. Nordfrankreich ist eine Hochburg des rechtsextremen Front National, der damals auch offiziell noch so hieß. „Wir holen Sie da raus“, sagte Le Pen und umarmte eine Arbeiterin. In die Kameras der Nachrichtensender sprach sie, Macron seien die Schicksale der Arbeiter egal: „So viel Verachtung für das, was die Beschäftigten hier durchmachen!“

Eine kalkulierte Provokation. Spontan entschied Macron, ebenfalls in die Höhle des Löwen zu gehen. Über eine Stunde lang diskutierte er mit der wütenden Belegschaft, umgeben von Kameras und Mikrofonen. Ja, der Fall sei tragisch, ja, man müsse sich für die Arbeiter einsetzen und die französische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig machen. Doch nein, anders als Le Pen werde er den Arbeiterinnen und Arbeitern keine Versprechen machen. „Glauben Sie diese Lügen nicht!“

Mit einem Mal wurde Amiens in ganz Frankreich zum Symbol für den Widerstreit zwischen liberaler Wirtschaftspolitik und Protektionismus; zwischen technokratischem Regieren durch eine an Eliteschulen ausgebildete Klasse von Anzugträgern – und barem Populismus, der Emotionen weckt.

Nach seiner Wahl zum Präsidenten machte Macron die Akte Whirlpool zur Chefsache, doch es kam noch schlimmer: Seine Regierung fand zwar zunächst einen ortsansässigen Unternehmer, der den Betrieb mitsamt der Belegschaft übernahm und versprach, dort Elektroautos und moderne Gefrierbehälter zu bauen. Macron unterstützte das Vorhaben mit zwölf Millionen Euro. Doch dann kam heraus, dass der neue Eigentümer dort gar nichts produzierte. Die Ex-Whirlpooler, wie Frankreichs Medien sie fortan nannten, traten nur noch zum Schein morgens zur Arbeit an und spielten dann vor allem Karten. Der vermeintliche Heilsbringer meldete 2019 Insolvenz an, und das Debakel war perfekt.

Jetzt gibt es Hoffnung. Company und Gérard-Shine sind ihr Gesicht. „Klar, wir sind hier ein Symbol“, sagt Company, „und mit Symbolen gewinnt man den Krieg.“ 44 ehemalige Whirlpool-Arbeiter hat das Unternehmen übernommen. Einer von ihnen ist Eric. Im blauen Einheitsdress von Ageco lehnt er am Pförtnerhäuschen, macht Pause und raucht. 25 Jahre lang hat er am Fließband gestanden und dieselbe Handbewegung millionenfach wiederholt, doch am meisten frustriert habe ihn die Zeit der Ungewissheit, erzählt er, die Zeit, in der sie Karten spielten und nicht wussten, ob es weitergeht. Jetzt ist er als Putzkraft im neuen Unternehmen den ganzen Tag auf Trab. Er sagt: „Es tut gut zu sehen, dass die Maschinen wieder laufen.“

Dreieinhalb Millionen Euro habe Ageco bereits in die Tischlerei investiert, in der die Ladenregale entstehen, sagt Company, ähnlich große Summen stecke man momentan in die Metallverarbeitungsanlage. Diese bedienen Christophe und Stéphane, auch sie ehemalige Whirlpool-Arbeiter. Als die Fabrik dichtmachte, ließen sie sich zu Schweißern ausbilden. „Whirlpool, das war das Fließband. Jetzt hat die Arbeit mehr Qualität“, sagt Christophe. Zum ersten Mal in ihrem 25-jährigen Berufsleben tragen die beiden auch ein bisschen Verantwortung.

Das Vorzeigeprojekt des Unternehmens sind smarte Laden-Container, die es für die deutsche Montagetechnik-Firma Würth herstellt. Auf fahrbaren Paletten aufgebockt, stehen die ehemaligen Cargo-Kolosse in der menschenleeren Fabrikhalle. „Der Bauarbeiter öffnet ihn mit seiner Chipkarte, nimmt sich, was er braucht, und geht einfach wieder raus. Die Rechnung kommt per E-Mail“, sagt Company. Der Container sei eine „Plug-and-play-Lösung“, Würth brauche nichts weiter zu tun, als ihn mit seinen Waren zu füllen und ihn irgendwo auf der Welt auf eine Baustelle zu verfrachten. „Wir liefern die Hardware und die Software“, sagt Company. Le hard und le soft, nennt man das auf Start-up-Französisch.

Diese Sprache spricht auch Emmanuel Macron gern. Einer der frühesten und wichtigsten Unterstützer seines Präsidentschaftswahlkampfes war Xavier Niel, ein Milliardär, der mit den Dumping-Preisen seines Telekommunikationsunternehmens Free den französischen Mobilfunk-Markt aufrollte und den Pariser Start-up-Hub Station F gründete. Macron ist Stammgast auf der französischen Technikmesse Vivatech, wo er bereits einen Monat nach seinem Amtseintritt den Wandel beschwor: „Wir müssen unser Modell tief greifend verändern. Ich will, dass Frankreich zur Start-up-Nation wird, zu einem Land, das mit und für seine Start-ups arbeitet, aber auch zu einem Land, das selbst so denkt und handelt wie ein Start-up“, rief der Präsident auf Englisch in einen Saal voller begeisterter Unternehmer.

Um innovative Unternehmen zu unterstützen, setzt Frankreich auf bewährte Konzepte. Dabei arbeitet die Regierung vor allem über die staatliche Investmentbank BPI France, die Finanzierungshilfen für Start-ups gebündelt hat und in junge Unternehmen investiert. Jedes Jahr stelle die Bank mehr als 500 Millionen Euro an Risikokapital bereit, sagt Paul-François Fournier, der Leiter der Innovationsabteilung von BPI. 2019 habe die Bank auch 200 Millionen Euro allein in KI-Start-ups investiert. „Wir wollen aus Frankreich das attraktivste Terrain für Unternehmen in der künstlichen Intelligenz machen“, sagt Fournier.

„Als BPI France im Jahr 2012 gegründet wurde, war ich eher skeptisch“, sagt Olivier Ezratty, Blogger und Berater in der französischen Start-up-Szene. „Ich habe gedacht: noch so eine staatliche Stelle, die irgendwas von Einhörnern redet. Aber BPI hat die Finanzierungsprozesse wirklich vereinfacht.“ Leuchttürme in der künstlichen Intelligenz gibt es auch schon, etwa den Bilderkennungsspezialisten Moodstocks, der 2016 von Google gekauft wurde, oder Criteo, ein algorithmengesteuerter Onlinemarketing-Anbieter, dessen Aktien in New York gehandelt werden.

Von der Förderung profitiert auch Ageco Agencement. „Für jeden Euro privates Geld bekommen wir einen Euro von BPI France“, sagt Company. Für ihre KI-Tochter Belive.ai arbeiteten sie bereits an der nächsten Finanzierungsrunde, bei der es um etwa 50 Millionen Euro gehe.

Company versichert, die KI-Angebote seines Unternehmens seien „hundert Prozent made in France“. Die Algorithmen zur visuellen Bilderkennung sind sogar im wahrsten Sinne handgemacht: Einige ehemalige Whirlpool-Beschäftigte trainieren die KI – sie prüfen an Computern, ob die Ergebnisse der Bilderkennung stimmen. „Die Mitarbeiter zeigen der Maschine einen Artikel und sagen ihr: Das sind Essiggurken. Die Maschine erkennt es als eine Packung Frühstücksflocken. Sie wiederholen: Es sind Essiggurken“, erklärt Company. „Das geht dann ein paarmal hin und her, bis die Maschine es verstanden hat.“

Company zufolge stehen 40 000 Artikel in einem durchschnittlich großen französischen Supermarkt. Sieben Stunden pro Tag verbringen die ehemaligen Fließbandarbeiter mit dem Click-Spiel zwischen Essiggurken und Frühstücksflocken. „In ein paar Jahren ist das vorbei, dann trainieren die Maschinen andere Maschinen“, sagt Company. Was dann mit den Angestellten geschieht, ist für ihn noch kein Thema. Derzeit plant er vielmehr, weitere Mitarbeiter einzustellen.

Zum Optimismus trägt sicher die Tatsache bei, dass der Staat den symbolträchtigen Standort kräftig unterstützt: Eine halbe Million Euro Subventionen sowie 2,75 Millionen Euro Kredite erhielten Belive.ai und Ageco Agencement bisher. In einem Statement weist ein Sprecher der Region Hauts-de-France ausdrücklich auf die besondere Bedeutung des Unternehmens als Whirlpool-Nachfolger hin.

Das Unternehmen liefe jedoch auch ohne Förderung – gerade in Zeiten des Coronavirus würden die autonomen Ladenkonzepte von Belive.ai beliebter, erzählt Company rund zwei Monate nach dem Ortstermin am Telefon. „Die Einzelhändler sagen: Warum haben wir nicht schon längst eure autonomen Ladenkonzepte übernommen?“

Die momentane Lage – das Chaos in den Supermärkten, die Angst der Einzelhändler, Angestellte könnten sich bei der Arbeit infizieren – scheint François Company recht unverfroren zur Eigenwerbung zu nutzen: Supermarkt-Managern verspricht er, mithilfe seiner künstlichen Intelligenz könnten sie gerade jetzt ihren Warenfluss aus dem Home Office überwachen. Und zur Bewältigung der Kundenschlangen vor den Supermärkten brauchte es keine menschlichen Einweiser, diesen Job könne eine automatisierte Einlassschranke übernehmen. Trotz Corona-Krise sei er deswegen optimistisch: „Unsere Produktion läuft weiter.“ ---

Die Deindustrialisierung Frankreichs
In den vergangenen 40 Jahren hat die Industrie rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze verloren. Ihr Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung des Landes ist im selben Zeitraum von 30 auf 17 Prozent gesunken. Während der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 schlossen in Frankreich mehr als 200 Fabriken. Besonders betroffen von der Deindustrialisierung ist der Norden des Landes, ehemals eine Hochburg für Kohleabbau, Stahlherstellung, Automobil- und Elektronikindustrie. In den Hauts-de-France liegt die Arbeitslosenquote bei 10,5 Prozent, die der Jugendarbeitslosigkeit bei 16,8 Prozent – beides weit über dem Landesdurchschnitt. Während sich die Arbeitslosenzahlen vor der Corona-Krise langsam zu verbessern schienen, hielt der Abwärtstrend im Industriesektor an.

KI-Initiative
Emmanuel Macron kündigte im Jahr 2018 ein Investitionsprogramm in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bis 2022 an. Der Großteil dieses Geldes soll in die Forschung gehen, 400 Millionen sollen über einen Fonds auch Gründern zugute kommen. Zum Vergleich: Deutschland will bis 2025 etwa 3 Milliarden Euro in die Förderung von künstlicher Intelligenz stecken. Die USA wollen die zivilen KI-Ausgaben auf rund 2 Milliarden Dollar pro Jahr erhöhen. Damit spielen sie in etwa in der Größenordnung von China, das bis 2030 zur neuen KI-Weltmacht aufsteigen will. Peking hat nach Schätzungen des Center for Security and Emerging Technology an der Georgetown University im Jahr 2018 zwischen 1,6 und 5,4 Milliarden Dollar allein für die zivile KI-Forschung ausgegeben.

Station F
So heißt der Start-up-Campus, den der Telekommunikations-Unternehmer Xavier Niel 2017 in einem alten Güterbahnhof mitten in Paris errichten ließ. Mit Unterstützung der Stadt Paris und des Staats versammelt der Campus weite Teile der französischen Start-up-Szene. Station F bietet rund 3000 Computerarbeitsplätze, beherbergt mehr als 40 Venture-Capital-Fonds sowie Büros verschiedener öffentlicher Behörden und Institutionen. Auch große Unternehmen wie Facebook oder Microsoft betreiben hier ihre eigenen Förderprogramme. Seit vergangenem Jahr bietet Station F auch Wohnraum für Gründerinnen und Gründer an.