Sir Charlie lässt es wachsen

Ein englischer Adliger verwandelt sein Landgut in eine Wildnis – und rettet so seine Existenz.





Ein eigenwilliges Paar: Charlie Burrell und seine Frau Isabella Tree

© Knepp Wildland, www.knepp.co.uk

• Sussex im Südosten Englands versinkt jeden Herbst im Matsch. Die Erde hier ist lehmig. Die Menschen haben einen eigenen Dialekt entwickelt, um über Schlamm zu sprechen. Besonders übel riechenden Schlamm nennen sie Gawm, schwarzer Schlamm heißt Gubber, und Stodge bezeichnet Schlamm, der an Pudding erinnert. Jedes Jahr müssen unvorsichtige Wanderer und Radfahrer in Sussex von der Feuerwehr aus Matschlöchern gezogen werden, in denen sie stecken geblieben sind.

Hier hat Charlie Burrell, 57, vor etwas mehr als 30 Jahren Land geerbt. Er besitzt 1400 Hektar, eine Fläche, in die der Große Tiergarten in Berlin fast siebenmal hineinpassen würde. Burrell hat den Boden verflucht, als er ihn noch beackerte. 17 Jahre lang versuchte er immer wieder aufs Neue, dieser unmöglichen Erde Pflanzen zu entlocken, Weizen, Roggen, Mais, Raps, Erbsen und Bohnen. In der Zeit vor der großen Verwilderung seines Anwesens.

Burrell ist ein kräftiger Mann, mit einer Statur wie ein Bär und der Stimme eines BBC-Moderators. Standesgemäß müsste man ihn mit Sir anreden, weil er einen Adelstitel hat und in einem neugotischen Schloss aus dem 19. Jahrhundert mit Park lebt: Knepp Castle. Aber Burrel sagt: „Nur Nichtsnutzen sind diese Titel noch wichtig.“ Er schert sich grundsätzlich nicht besonders darum, was andere über ihn denken, seine Nachbarn zum Beispiel. Die haben ihn verflucht, als er anfing, mit seinem Land etwas völlig anderes zu machen als üblich.

Einer schrieb an die Lokalzeitung »County Times«: „Sir Charles hat sein Land, das vorher ein gut geführtes Landgut war, in ein Brachland verwandelt, auf dem nur noch Unkraut wächst, Disteln, Ampfer und Greiskraut.“ Es sei ein „vollständiges Desaster“. Burrells Nachbarn warfen ihm in immer neuen Briefen Untätigkeit vor, Faulheit und dass er die Landschaft verschandele. Ein Leser der »County Times« war so außer sich, dass er ein 16-versiges Schmähgedicht verfasste, das mit dem Paarreim endete: „Mister Burrell, handeln Sie jetzt, seien Sie kein Tor / oder nächstes Jahr werden wir hinter Ihnen her sein wie nie zuvor.“

Was war passiert? Charlie Burrell hatte beschlossen, sein Land in etwas zu verwandeln, das aussehen sollte wie direkt nach dem Ende der letzten Eiszeit, als die Welt menschenleer war und voller Tiere. Eine Urlandschaft.

Lange Zeit hatte er konventionelle Landwirtschaft betrieben, moderne Düngemittel eingesetzt, Getreide angebaut und Rinder aufgezogen. „Ich war kein schlechter Bauer, wirklich nicht“, sagt er. „Wir hatten hier eine der besten Kuhherden in ganz England. Aber der Boden ist einfach nicht gut genug. Unsere Erträge waren immer niedriger als anderswo, egal wie sehr wir uns angestrengt haben.“ In 17 Jahren als Landwirt sei sein Bauernhof nur in zwei Jahren profitabel gewesen.


Schwäne, Wild – und auch der Mensch ist willkommen. 8000 Gäste besuchen jedes Jahr das Areal


Altehrwürdiger Adelssitz: Knepp Castle, ein neugotisches Schloss aus dem 19. Jahrhundert

Zu Beginn der Nullerjahre hatten sich 1,5 Millionen Pfund Schulden angehäuft. Burrell wusste, dass, wenn es so weiterginge, er das Land verlieren würde, das seine Familie mehr als 200 Jahre lang besessen hatte. Er musste aussteigen, wenn er sich nicht ruinieren wollte. Aber er hatte keine Ahnung, was er stattdessen mit seinem Land anfangen sollte. „Mir war nur eines klar: Ich wollte nicht mehr gegen unsere Erde arbeiten, sondern mit ihr.“ Er machte sich auf die Suche nach einem neuen Modell. Und fand es in den Niederlanden.

Dort gibt es ein Sprichwort: Gott hat die Erde erschaffen, aber die Niederländer die Niederlande. Etwa die Hälfte der Landmasse des Landes wurde über Jahrhunderte dem Wasser abgerungen. Ende der Siebzigerjahre überzeugte eine kleine Gruppe Wissenschaftler die dortige Regierung, ihnen eine Fläche auf einem Polder zu überlassen, ein Stück trockengelegtes Land, 50 Kilometer von Amsterdam entfernt – für ein Experiment. Sie wollten dieses Gebiet namens Oostvaardersplassen einzäunen und mit großen, wilden Tieren bevölkern.

Irgendwann im Jahr 2000 traf sich Burrell dort mit dem Erfinder des Projektes, Frans Vera, und schaute auf flaches Land, das ein bisschen aussah wie eine afrikanische Savannenlandschaft, mit Herden von Konik-Pferden und Heckrindern, mit Rothirschen und Zehntausenden Vögeln. „Es war das Außergewöhnlichste, das Mutigste, was ich je gesehen hatte“, sagt Burrell. Die Tiere wurden sich selbst überlassen. Sie starben, wenn sie kein Futter finden, sie vermehrten sich, wenn sie genug zu fressen hatten.

Frans Vera, 71 Jahre alt, ist ein dickköpfiger Mann und der wohl umstrittenste Biologe der Niederlande. Tierschützer haben ihn mit Hitler und Josef Mengele verglichen. Sie haben sein Projekt ein Tier-KZ genannt und seine Enkel bedroht. Sein Ansatz ist radikal, vielleicht zu radikal. Im Winter 2017 starben etwa 60 Prozent der Tiere in den Oostvaardersplassen, 3000 Pferde, Rinder, Hirsche. Sie verhungerten vor den Augen entsetzter Spaziergänger und den Pendlern der Bahnlinie. Ein Großteil wurde schließlich erschossen. Seitdem gilt Vera einigen als Personifizierung der Grausamkeit. Inzwischen werden die Tiere gefüttert, wenn die Winter zu hart sind.

Vera selbst sagt, dass die Leute schlicht nicht mehr wüssten, wie wirklich wilde Natur aussieht. „Wir projizieren unsere Normen auf die Natur. Massensterben passieren dort ständig, im Winter oder während der Dürre. Das gehört bei einer dynamischen Wildnis dazu.“

Er glaubt, dass am Ende der Steinzeit große Weidetiere die Natur prägten. Einige davon sind ausgestorben, wie das Tarpan, ein Wildpferd, oder Auerochsen, wilde Vorfahren unserer Kühe. Andere wurden stark dezimiert, wie Wisente und Elche. Vera geht davon aus, dass es damals so viele dieser großen Huftiere gab, dass sie die Landschaft radikal verändert haben. Seiner Meinung nach verhinderten die Tiere, dass sich überall in Europa dichter Wald ausbreitete. Sie zerbissen viele kleine Baumtriebe oder trampelten sie platt. Nur ein Teil der Bäume überlebte, weil sie durch Dornenbüsche geschützt wurden. Zumindest ist das Veras Theorie. Er nimmt an, dass die Landschaft, die so entstanden ist, viel dynamischer war als ein geschlossener Wald: ein ständiger Wechsel aus kleinen Forsten, allein stehenden Bäumen und offenen Grasflächen – eine „Mosaik-Landschaft“, wie er sagt.

© Knepp Wildland, www.knepp.co.uk

Schwarz-Weiß-Fotografien von der Arbeit auf Knepp Castle in einem 1941 erschienenen Magazin.

© Knepp Wildland, www.knepp.co.uk

Brach mit der Tradition: Charlie Burrell, hier in jüngeren Jahren mit einem seiner Pferde.

Es gibt eine ganze Reihe von Wissenschaftlern, die diese These anzweifeln. Sie glauben, dass Europa stärker bewaldet war. Die Beweise aus dieser Zeit sind spärlich, sodass es Raum gibt für verschiedene Theorien.

Dass sich heute viele Tiere in Oostvaardersplassen wohlfühlen, steht jedoch außer Frage. Die Landschaft hat zum Beispiel Vögel angezogen, die teilweise seit Jahrzehnten nicht mehr in den Niederlanden gesichtet worden waren: Seeadler, Zehntausende Graugänse, Silberreiher und sogar einen Mönchsgeier, der allerdings schon bald von einem Zug erfasst wurde.


Idyllisch: Zum Sussex-Anwesen gehört auch ein Badesee

Burrell war von diesem überbordenden Leben auf einer so kleinen Fläche, mitten in einem industriellen Ballungsraum, derart begeistert, dass er noch auf dem Rückweg zu seinen Begleitern sagte: „Wieso machen wir so etwas nicht bei uns?“

Es sei eigentlich ganz einfach gewesen, als die Entscheidung einmal gefallen war, sagt Burrell. Er verkaufte seine alten, für die industrielle Milchproduktion gezüchteten Kühe und all seine Maschinen: die Mähdrescher, Traktoren, Milchanlagen. Damit war er sofort raus aus den Schulden.

Der schmerzhafteste Schritt bestand darin, elf Mitarbeiter zu entlassen, die ihm zum Teil mehr als ein Jahrzehnt zur Seite gestanden hatten. Aber als kurz darauf der Milchpreis kollabierte und der Preis für Kühe gleich mit, wusste er, dass er richtig gehandelt hatte. „Wir waren mehr oder weniger sofort profitabel, als wir aufgehört haben, konventionelle Landwirtschaft zu betreiben.“

Der Grund dafür waren die EU-Landwirtschaftssubventionen. Die wurden 2005 von der tatsächlichen Produktion entkoppelt. Die Bauern bekommen seitdem nicht mehr zusätzliches Geld für jeden Liter Milch und jede Tonne Getreide, sondern eine Direktzahlung, die sich an der Landfläche bemisst. Was sie auf dem Land produzieren und wie, spielt keine Rolle. So bekommt Burrell bis heute jedes Jahr etwa 200 000 Pfund an Agrarsubventionen.

Er begann mit der Umsetzung seines Plans zunächst nur auf einem kleinen Stück seines Landes, für das er eine teure Wildblumensaat kaufte. Um den Wildblumen in dem schwer überdüngten Boden eine Überlebenschance zu geben, behandelte er ihn mit dem inzwischen in einigen Ländern verbotenen Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat. Heute, sagt er, würde er das nicht mehr machen. Weitere Felder überließ Burrell später einfach sich selbst und schaute zu, was passierte. „Wir begannen, der Natur mehr und mehr zu vertrauen.“


Eine weitgehend ursprüngliche Heimat mit Wäldern und Tümpeln, nicht nur für Wildschweine und Pferde

Er baute Zäune ab, insgesamt 115 Kilometer, die sein Land zerteilten. Nur die äußeren, an der Grenze zu den Nachbarn, ließ er stehen. Er kaufte Tiere, die er auf seinem Grundstück aussetzte: zunächst Damhirsche, dann Englisch-Longhorn-Rinder, eine alte Rasse, von der er glaubte, dass sie auch ohne Hilfe gut durch den Winter kommen würde. Er erwarb eine Herde Exmoor-Ponys, die urtypischste der englischen Pferderassen. Er ließ die Herden frei laufen, holte die Tiere auch im Winter nicht in den Stall. „Alle möglichen Leute haben mir gesagt: Das wird nie im Leben funktionieren. Die haben mich für verrückt erklärt. Die Tiere brauchten Pflege, Schutz, Futter. Aber das stimmte nicht. Unser historisches Gedächtnis ist so kurz geworden. Wir haben komplett vergessen, wo diese Tiere eigentlich herkommen, wie wild sie eigentlich sind.“

Burrell war immer noch Landwirt, irgendwie. Denn in eine gnadenlose Wildnis wollte er sein südenglisches Landgut dann doch nicht verwandeln. Er wollte keine Tiere verhungern lassen. „Wenn die niederländische Regierung so etwas macht, ist das eine Sache. Wenn wir als Privatleute es tun, vor aller Augen, eine ganz andere.“ Burrell entschied sich, jedes Jahr Tiere zu schlachten, damit die Herden nicht zu groß werden – und das Fleisch zu verkaufen.

Aber er versuchte, nach und nach immer mehr loszulassen. Das war nicht immer leicht, weil die Natur eben auch Dinge wachsen lässt, die er in seinem alten Leben sofort mit Herbiziden bekämpft hätte. Im sechsten Jahr seines Experimentes blühten auf einmal überall Acker-Kratzdisteln, Pflanzen mit lila Blüten und dornigen Blättern. „Ein Jahr später war die Hälfte unserer Graslandschaft voll mit den Disteln. Als Bauer denkt man da: Wenn ich nicht eingreife, wird das alles überwuchern.“

Im folgenden Sommer passierte etwas, das er sich immer noch nicht ganz erklären kann: Wie aus dem Nichts fiel ein riesiger Schwarm Schmetterlinge über die Disteln her. Der Schwarm war aus dem Atlasgebirge in Marokko herübergeweht. Es waren Distelfalter. Die Larven der Schmetterlinge ernähren sich am liebsten von der dornigen Pflanze – und fraßen sich satt und fett. Nach einigen Wochen war nicht eine einzige Blüte der Acker-Kratzdistel mehr übrig. „Das war eine gute Lehre, der Natur das Ausbalancieren zu überlassen“, sagt Burrell.

Bis dahin hatte er jedoch viel Geduld gebraucht. „Die ersten fünf Jahre schien kaum etwas zu passieren. Und dann machte es plötzlich: bam!“

Zuerst kamen die Insekten. Keith Kirby, ein Biologe, der das Land damals für die Regierungsbehörde Natural England begutachtete, sagt, als Erstes sei ihm aufgefallen, dass bei jedem Schritt, den er durch die Felder machte, Grashüpfer aufgesprungen seien. „Überall summte es. Das war etwas, dass ich lange nicht mehr gesehen hatte. Vielleicht seit meiner Kindheit nicht mehr.“

Dann folgten die Vögel. Nachtigallen landeten auf dem Areal in einer Zahl wie sonst inzwischen selten in England. Die gefährdete Bechstein-Fledermaus ließ sich nieder, neben zwölf anderen Fledermausarten. Schließlich baute der erste wilde Storch ein Nest. „Jedes Jahr kam ein neues Tier, das normalerweise nicht hierher findet“, sagt Burrell. Biologen haben die Tierarten mehrfach gezählt und sind zu dem Schluss gekommen, dass die dortige Vielfalt eine der höchsten in ganz England ist.

Aber das vielleicht Erstaunlichste ist: Charlie Burrell lebt heute sehr gut von seinem Land. Gemeinsam mit seiner Frau Isa-bella Tree veranstaltet er Safaris und bietet das sogenannte Glamping an: Edel-Camping in Baumhäusern, Jurten und großen Zelten mit Kingsize-Federbetten. 8000 Besucher kommen pro Jahr, sehr viele aus London. 500 000 Britische Pfund setze das Paar damit jährlich um, sagt Burrell, normalerweise. „Dieses Jahr wird wegen der Corona-Pandemie kein gutes Jahr.“ Außerdem nähmen sie 120 000 Pfund durch den Verkauf von Bio-Rindfleisch ein. „Es gibt eigentlich kein Label, das erfasst, was wir hier machen. Die Rinder sind 365 Tage im Jahr draußen und bewegen sich in diesem riesigen Areal völlig frei.“ Etwas mehr als 400 000 Pfund an staatlichen Zuschüssen kommen bis heute jährlich hinzu. Inzwischen gibt es 27 Angestellte.

Einen großen Nachteil hat die Umwandlung, doch den kann Burrell verschmerzen: Der Wert seines Landes hat sich halbiert, weil es kein reines Ackerland mehr ist. Aber verkaufen möchte er es ohnehin nicht.


Das ganze Jahr draußen: frei laufende Tiere einer Kuhherde


Die Naturlandschaft zieht Schmetterlinge an, auch seltene

Und dann gibt es da noch die Kritiker. Es sind nicht nur die Nachbarn, die sich beschweren, weil sie auf eine geordnete südenglische Landschaft mit sauber geschnittenen Hecken und grünen Wiesen blicken wollen. Auch Biologen haben etwas zu monieren, das genaue Gegenteil: Ihnen ist die Strauch- und Buschlandschaft nicht ursprünglich genug.

Der Geograf Stephen Carver, Direktor des Wildland Research Institute an der Universität in Leeds, sagt: „Das ist einfach keine wilde Landschaft.“ Burrell übe Kontrolle aus, allein schon durch die Entscheidung, wie groß oder klein seine Viehherden seien. Wenn er die Herden schrumpfen lasse, bekomme er innerhalb kürzester Zeit einen Wald. Wenn er sie zu groß werden lasse, eine Savannenlandschaft, in der alle Büsche, Sträucher und Bäume zerbissen und zertrampelt würden. „Die Landschaft, die wir auf Burrells Anwesen sehen, ist weiterhin eine, die von Menschen erdacht und kontrolliert wird.“

Aber das sei nicht Burrells Schuld. Der Mensch habe die Natur in Europa so radikal verändert, dass es inzwischen kaum noch möglich sei, von echter Wildnis zu sprechen. Die Areale seien schlicht zu klein und „im Grunde nur Safari-Parks, die eine Art wilde Gärtnerei betreiben“ – in einer zersiedelten, hoffnungslos domestizierten Landschaft, durch- zogen von Autobahnen, Zugtrassen, Dörfern, Städten. „Alle Naturschutzgebiete in Europa sind deshalb heute auf menschliches Management angewiesen“, sagt Stephen Carver. Aber selbst er räumt ein, dass die Biodiversität auf Burrells Land erstaunlich hoch ist. „Es ist ein wirklich interessanter Ort – für einen Bauernhof.“

Burrell und seine Frau planen derweil die nächste Zumutung für ihre Nachbarn. Sie wird bis zu einem Meter groß, fast 30 Kilogramm schwer und sieht ein bisschen aus wie eine extrem übergewichtige Maus mit riesigen orangefar- benen Zähnen. Die beiden wollen im Herbst Biber aussetzen, zwei Paare. Der letzte Biber wurde in Großbritannien im 18. Jahrhundert getötet. Seitdem gelten die Tiere dort als ausgerottet. Biber können sehr viel Ärger machen, etwa einen Fluss innerhalb von Stunden zu einem See aufstauen und riesige Landflächen überschwemmen. Mühelos fällen sie selbst große Bäume, manchmal in einer Nacht. Mit speziellen Dämmen will das Ehepaar verhindern, dass die Tiere von ihrem Land entwischen. Aber Isabella Tree sagt: „Früher oder später werden die Biber diese Barrieren überwinden und sich weiter ausbreiten.“

Die Dämme schaffen neue Lebensräume für Insekten, Wasserpflanzen, Vögel, Fische, aber vor allem fungieren sie, so erklärt es Tree, wie natürliche Filter. Sie reinigen das Wasser von Nitraten und Phosphaten, die durch Dünger auf den Feldern in die Flüsse geraten. Sie hofft, dass durch die Biber eine Wasserlandschaft auf dem Anwesen entsteht, „wie es sie seit dem Mittelalter nicht mehr gegeben hat“.

Das Paar wird sich auf weitere Briefe an die Lokalzeitung einstellen müssen. Doch Charlie Burrell bleibt gelassen. „Wissen Sie, die Leute reden zu viel, äußern sich zu voreilig, und hinterher nehmen sie das meiste wieder zurück.“ Es lohne sich, den Widerstand auszuhalten. Man bekomme dafür Dinge, die so viel interessanter seien als das Gerede der Nachbarn. ---