Mikroökonomie

Eine Schauspielerin in Deutschland

Coco Plümer, 22 und ledig, wusste mit acht Jahren, dass sie Schauspielerin werden will. Schuld war eine Szene in „Frau Holle“: Die Schneeflocke lief über die Bühne und jammerte: „Mir ist so heiß, der Sommer bringt mich um, ich schmelze.“





Mit 17, gleich nach dem Abitur begann sie eine dreijährige Schauspielausbildung in Hamburg. Heute arbeitet sie am Jungen Staatstheater Parchim in Mecklenburg-Vorpommern als staatlich anerkannte Schauspielerin mit Bühnenreife. Zuletzt stand sie als Greta Thunberg auf der Bühne. Dann kam Corona.

Coco Plümer ist fest angestellt und verdient als Berufsanfängerin im Monat rund 2100 Euro brutto – etwas mehr als die Mindestgage an deutschen Theatern von 2000 Euro. Von ihrem Lohn werden 230 Euro für Steuern und 400 Euro für Sozialabgaben abgezogen. Für ihre 47-Quadratmeter-Wohnung in Parchim zahlt sie eine Warmmiete von 400 Euro, außerdem 30 Euro für Strom und circa 80 Euro für zwei bis drei Fahrten nach Hamburg. Das Junge Staatstheater Parchim ist seit Mitte März coronabedingt geschlossen. Seit Juli ist Plümer in Kurzarbeit, da das Theater wie immer Sommerpause bis Ende August macht. Weil sie so wenig verdient, ist sie kaum von den Kürzungen betroffen.

Ich verbringe sehr viel Zeit im Theater, dort ist ein großer Teil meines sozialen Umfelds. Ich trage die Arbeit auch nachhaus, wenn ich neue Rollen vorbereite. Das sind dann auch Forschungsfragen ans eigene Leben. Am wichtigsten sind mir meine Geschwister in Hamburg, zu denen habe ich ein sehr enges Verhältnis. Zudem das Bemühen, wach zu sein, für das, was um mich herum passiert.

Eigentlich nichts. Ich bin genau da, wo ich hinwollte – in einer kleinen Stadt, in einem kleinen Theater für Kinder und Jugendliche spielen zu können.

Ich muss aufpassen, nicht in meiner Theaterblase zu verschwinden. Auf einer Party – da waren nur Juristen – merkte ich, wie schwer es mir fiel, denen mein Leben zu erklären.

Ich entdecke gern die Umgebung. Das Größte für mich ist Segeln. Kleine Freuden sind ein gutes Essen oder ein heißes Bad.

Ich schreibe ein Solo-Stück – „Gretchen und Corona“ –, das nach den Ferien in Schulen aufgeführt werden soll. Darin thematisiere ich durch Corona veränderte Wertevorstellungen und setze sie in Beziehung zu Frauenfiguren der klassischen Theatergeschichte. ---

Einwohner: 83,2 Millionen
Währung: Euro
Monatlicher Durchschnittslohn: 3994 Euro (2019)
Human Development Index: Platz 4 (von 189 Staaten)

1 Eintrittskarte für Kinder und Jugendliche im Jungen Staatstheater Parchim: 6
1 Weizenbrot beim Bäcker: 2,10
1 Monatsfahrkarte für den Parchimer ÖPNV: 42
1 Frauenhaarschnitt, inkl. Pflege und Langhaarzuschlag: 55