Wir mussten den Generationenvertrag brechen. Oder?

Fragen und Antworten zur vermeintlichen demografischen Katastrophe, Irrtümern in der Rentenpolitik und dem ewigen Vorbild Schweden.





• Deutschland vergreist. Die Alten werden immer älter, zugleich werden weniger neue Menschen geboren. Das führt dazu, dass wenige Junge Massen von Alten versorgen müssen – was für eine Zumutung. In der Debatte um die demografische Entwicklung werden oft solche angstbesetzten Szenarien ausgemalt, die Älteren erscheinen in diesen gewöhnlich als Belastung, wenn nicht gar als Bedrohung.

Jahrzehntelang war das Rentensystem der Bundesrepublik stabil: Von den Fünfzigerjahren an wurden die Renten im Wesentlichen durch ein Umlageverfahren finanziert – die gerade Erwerbstätigen sorgen für alle, die nicht mehr arbeiten. Dafür bekommen sie später ihre Renten von der nachfolgenden Generation, die dann erwerbstätig ist. Die Beiträge werden paritätisch geleistet: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber zahlen Beiträge in die Gesetzliche Rentenversicherung ein. Als wegen des demografischen Wandels erste Zweifel aufkamen, ob die aktuellen Beitragszahler später angemessen versorgt würden, wurde Norbert Blüm, Bundesarbeitsminister unter Helmut Kohl (im Bild auf der linken Seite), nicht müde zu wiederholen: „Die Rente ist sicher.“

Zur Jahrtausendwende rückte die Politik ein Stück weit vom bisherigen Prinzip ab. Da nicht mehr genug Erwerbstätige nachkämen, sollte nun jeder zusätzlich für sich selbst sorgen. Das Umlageverfahren galt als nicht zukunftsfähig. Um die Beiträge niedrig zu halten, wurde das Rentenniveau gesenkt. Die dadurch entstandene Lücke sollte jeder Einzelne mithilfe des Staates und der Versicherungsunternehmen füllen: Mit der Riester-Rente wurde eine private, aber staatlich geförderte, kapitalgedeckte Rentenversicherung eingeführt. Die aktuell Erwerbstätigen sind somit aufgefordert, sich nicht mehr auf die staatliche Rente zu verlassen, sondern sich selbst darum zu kümmern, dass sie im Alter abgesichert sind.

Schon seit mehreren Jahrzehnten fließt zudem ein Zuschuss in die Rentenkasse, der über Steuern finanziert wird. Dieser Bundeszuschuss ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen, im Jahr 2020 waren im Bundeshaushalt 101,8 Milliarden Euro dafür vorgesehen. Das bedeutet, dass die Rentenkasse anteilig immer stärker von Steuerzahlern gefüllt wird und immer weniger vom Gespann aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Einige Politiker und Ökonomen argumentieren, die Arbeitgeber sollten geschont werden, damit die Lohnnebenkosten nicht steigen.

Vor Kurzem hat die Große Koalition die Grundrente beschlossen: Sie soll denen helfen, die wenig verdient und nur geringe Beiträge eingezahlt haben, das aber ihr Leben lang. Weil sie nun kaum etwas herausbekommen, sollen sie einen Zuschuss erhalten – ebenfalls über Steuern finanziert. Parallel arbeitete ein Gremium mit dem schönen Namen „Kommission Verlässlicher Generationenvertrag“ an der Zukunft der Rente.

Nur: Gilt der Generationenvertrag überhaupt noch? Und wenn nicht, ließe er sich wiederbeleben?

Man kennt die Pyramiden, die unsere demografische Entwicklung veranschaulichen. Über den abgebildeten Zeitraum hinweg verformen sie sich: Um 1900 gibt es noch sehr viele junge Menschen, die Pyramide hat eine breite Basis. Nach oben hin wird sie spitz, weil nur noch wenige Alte leben. Viele junge Menschen müssen demnach nur wenige alte Menschen tragen. Abbildungen für die folgenden Jahrzehnte zeigen, wie die Basis immer dünner wird und der obere Bereich immer breiter: Wenige Junge müssen viele Alte stemmen.

Gerd Bosbach, Statistik-Professor und Autor des Buches „Lügen mit Zahlen“, beschreibt die übliche Lesart in einem Fachartikel so: Die Visualisierungen gingen „von der Form einer gesunden Tanne langsam, aber dramatisch in eine Urnenform über“. Er macht sich über die alarmierende Interpretation lustig: „von den strahlenden Kinderaugen zu Weihnachten bis zum düsteren Grab“.

Denn die vermeintlich gesunde Tannenform spiegle keinen paradiesischen Zustand wider: „Zunächst werden viele Kinder geboren, von diesen stirbt bereits ein größerer Teil im frühen Kindesalter. Jahr für Jahr folgen ihnen dann immer mehr Menschen eines Jahrgangs ins Grab.“ Dass die Spitze so dünn ist, bedeute, dass nur wenige alt werden. „Man kann diesen Zustand nicht unbedingt als menschenfreundlich einstufen.“

Was beim Blick auf die Alterspyramiden oft übersehen wird: Letztlich kommt es nicht so sehr darauf an, wie viele Menschen im erwerbsfähigen Alter sind, sondern darauf, wie viele von ihnen tatsächlich arbeiten und Rentenbeiträge zahlen. Noch vor einigen Jahrzehnten waren nur wenige Frauen erwerbstätig, heute sind es deutlich mehr. Die Arbeitslosenquote ist in den vergangenen fünfzehn Jahren gesunken, viele Erwerbsfähige wurden also zu tatsächlich Erwerbstätigen.

Einige Experten sehen eine Chance, das Verhältnis von Beitragszahlern zu Empfängern weiter zu verbessern: „Wenn es dazu kommt, dass sich die Frauenerwerbstätigenquote weiter erhöht und die Zahl der Arbeitslosen abgebaut wird, nimmt die Entwicklung der Erwerbstätigen einen anderen Verlauf als die Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter“, schreiben Gerhard Bäcker, Senior Professor am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen, und Ernst Kistler, Direktor des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie in Stadtbergen bei Augsburg.

Auch wenn Vollbeschäftigung als Ziel vermutlich unrealistisch ist, so wird doch das Potenzial gerade hoch qualifizierter Frauen in Deutschland noch wenig genutzt: 2016 hatten 44 Prozent der Frauen zwischen 30 und 34 Jahren einen Hochschulabschluss, bei den Männern waren es 34 Prozent. Trotzdem arbeiteten in Deutschland im Jahr 2017 mehr als 46 Prozent der Frauen in Teilzeit, oft mit nur wenigen Stunden. In Finnland etwa waren es im selben Jahr nur knapp 21 Prozent, dort arbeiten also deutlich mehr Frauen in Vollzeit.

Einige Wissenschaftler weisen auch darauf hin, die Erwerbstätigen müssten künftig zwar vermutlich mehr Alte finanzieren, dafür aber weniger Kinder und Jugendliche. Möglich, dass in einigen Jahrzehnten weniger Kosten für Schulen anfallen.

Und überhaupt, argumentiert der Statistiker Bosbach, hätten Prognosen zur künftigen Bevölkerungsentwicklung bisher meistens danebengelegen. Pillenknick, Zuwanderung, die steigende Lebenserwartung – kaum eine Entwicklung wurde korrekt vorhergesagt. Insofern darf man sich überraschen lassen.

Obwohl das Verhältnis von Beitragszahlern zu Empfängern sich möglicherweise weniger dramatisch entwickelt als befürchtet, erscheint die grundlegende Änderung des Rentensystems auch heute noch vielen alternativlos. Clemens Fuest, der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), setzt sich sogar für eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge ein. Zu einleuchtend erscheint die Rechnung: Wenn eine schrumpfende Gruppe Arbeitender eine wachsende Gruppe Alter durchfüttern muss, kann das nicht gut gehen.

Im Zuge der Rentenreformen 2001 und 2004 forderte die rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder die Deutschen auf, mehr privat vorzusorgen, ohne Beteiligung der Arbeitgeber. Gemeinsam mit der Versicherungsbranche warben die Politiker für Riester- und Rürup-Verträge als freiwillige zusätz-liche Absicherung. Für diese boten sie Zuschüsse und Steuervorteile. Viele folgten der Aufforderung: Die Deutschen haben etwa 18 Millionen Riester- und Rürup-Verträge abgeschlossen.

Damals argumentierten die Politiker, die Versorgungslücke durch die Absenkung des Rentenniveaus werde mehr als kompensiert, weil die privaten Geldanlagen eine hohe Rendite einbrächten. Nun müssen die Sparer sich wohl mit deutlich geringeren Erträgen begnügen als erwartet, denn die Renditen von Lebens- und Rentenversicherungen gehen seit Jahren deutlich zurück. Diese Entwicklung betrifft auch die Riester-Rente: Das Bundesfinanzministerium hat den Zins auf die Sparbeiträge für alle, die einen Vertrag neu abschließen, bereits sechsmal gesenkt: von anfangs 4 Prozent auf 0,9 Prozent. Im nächsten Jahr wird er voraussichtlich auf 0,5 Prozent sinken.

In der Kritik steht die Riester-Rente auch, weil Erwerbsunfähigkeit und die Versorgung von Hinterbliebenen nicht automatisch mitversichert sind. Verbraucherzentralen weisen seit Jahren auf Mängel hin: Viele Versicherer hätten doppelt Provision berechnet, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) stufte dies als rechtswidrig ein.

Obwohl oft argumentiert wird, die private Vorsorge sei besser als das Umlageverfahren, sprechen einige Erfahrungen dagegen. Der Crash der New Economy im Jahr 2000 führte bei privaten Pensionsfonds zu hohen Verlusten, die Ansprüche der Versicherten sanken. Auch in der Finanzkrise 2008 verloren kapitalgedeckte Lebensversicherungen stark an Wert. Vor 2008 hatten Ökonomen sogar noch ausdrücklich empfohlen, im außereuropäischen Ausland Geld anzulegen – so könne man der Niedrigzinspolitik entgehen, außerdem könne eine Anlage in einem Land mit einer weniger stark alternden Bevölkerung zu höheren Renditen und folglich einer höheren Rente führen. Kein guter Rat.

In den USA zeigte sich, dass das dortige rein kapitalgedeckte System in schlechten Zeiten die Lage noch verschlimmern kann: Wegen der Finanzkrise bekamen viele Ältere weniger Rente ausbezahlt. Einige sahen sich deshalb gezwungen, wieder arbeiten zu gehen. Die Jüngeren konkurrierten nun mit den zurückgekehrten Rentnern um die knappen Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit wurde verschärft, die Konjunktur zusätzlich geschwächt.

Experten kritisieren, dass im kapitalgedeckten Verfahren vor allem schwer vorherzusehen ist, wie viel der Einzelne im Alter herausbekommen wird. Heike Joebges, Professorin für International Economics an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, und Kollegen haben in einer Studie für die Friedrich-Ebert-Stiftung das Umlageverfahren mit der privaten Vorsorge durch Geldanlagen verglichen. Selbst wenn die Finanzmärkte nicht durch eine Krise erschüttert würden, sei eine Abschätzung nicht möglich. Wenn etwa viele Menschen gleichzeitig ihre Anlagen verkaufen, weil sie nun ihre Rente beziehen wollen, könnten die Preise wegen des Überangebots sinken. Die Renten fielen dann niedriger aus. Natürlich könne man auch Glück haben und zu einer Generation zählen, die von einem Aufschwung am Kapitalmarkt profitiert. Aber eben nur vielleicht.

Die Kritiker des privatwirtschaftlichen, kapitalgedeckten Rentensystems stehen übrigens in der Tradition des Reichskanzlers Otto von Bismarck, auf den die Einführung der ersten gesetzlichen Rentenversicherung hierzulande im Jahr 1889 zurückgeht. Er war überzeugt, man dürfe „den Sparpfennig der Armen“ nicht „dem Konkurse aussetzen“.


Grafiken: © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2020

Die Bevölkerungspyramiden

In der Mitte der Illustrationen ist das Alter angegeben, die dunkler gefärbten Ränder zeigen, wie viel mehr Männer als Frauen es gibt oder umgekehrt.

1950: Nur wenige Menschen wurden alt. Während der beiden Weltkriege wurden nur wenige Kinder geboren. Dass nur so wenige Menschen zwischen 30 und 35 Jahren noch leben, ist auch eine Folge des Zweiten Weltkriegs.

2019: Diese und die folgenden Illustrationen sind Prognosen, endgültige Zahlen für 2019 lagen noch nicht vor. Die Menschen werden nun deutlich älter, weniger Kinder kommen nach, die Kohorte der Babyboomer ist besonders stark.

2060: Hier sinkt die Geburtenrate weiter, auf 1,4 Kinder pro Frau, nur wenige Zuwanderer kommen nach Deutschland, und viele Menschen werden sehr alt.

2060: In dieser Prognose liegt die Geburtenrate bei 1,7 Kindern pro Frau (derzeit 1,54). Viele junge Menschen wandern ein, und die Lebenserwartung steigt weniger stark an. In beiden Varianten leben nur noch wenige Babyboomer. Klingt makaber, aber Fakt ist: Das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern entspannt sich dadurch.


Grafiken: © Statistisches Bundesamt (Destatis), 2020

Joebges und Kollegen verweisen auf die Vorteile des Modells, bei dem die Erwerbstätigen die Alten finanzieren: Während man sich an den Finanzmärkten leicht verzocken kann, werden im Umlageverfahren die Risiken gleichmäßig von allen getragen, Krisen werden leichter abgefedert. Trotzdem bleibt die Frage: Wie soll das System weiter funktionieren angesichts des demografischen Wandels? Dazu müssten entweder die Beiträge steigen, oder die Alten müssten länger arbeiten.

Würden wir so weitermachen wie bisher, bedeutete das nicht nur eine Belastung für die Jüngeren, sondern auch einen Nachteil im internationalen Wettbewerb – auch mit diesem Argument wurden die Rentenreformen begründet. Heißt: Wenn Angestellte immer höhere Beiträge in die Rentenkasse zahlen, müssen die Unternehmen auch höhere Lohnnebenkosten zahlen. In Deutschland würden so die Personalkosten steigen, in Ländern mit anderen Systemen aber nicht.

Deshalb wurde beschlossen, dass die Beiträge niedrig bleiben sollen. In Deutschland liegt der Satz derzeit bei 18,6 Prozent des Bruttogehalts, bis 2030 soll er bis auf maximal 22 Prozent steigen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen je die Hälfte.

Joebges zufolge kann das Umlageverfahren weiter funktionieren. Sie verweist auf Österreich, wo die Rente weiterhin durch ein reines Umlageverfahren finanziert wird. Alte bekommen dort deutlich höhere Renten als in Deutschland. Die Beiträge sind mit 22,8 Prozent etwas höher, vor allem aber zahlen die Arbeitgeber recht hohe Abgaben: Ihr Anteil liegt bei 12,55 Prozent, der in Deutschland dagegen derzeit bei 9,3 Prozent.

Dass in Österreich schon etwas höhere Beiträge zu deutlich höheren Renten als in Deutschland führen, liegt unter anderem daran, dass die demografische Entwicklung in Österreich etwas anders ist. Insofern sind auch die Erfahrungen dort nicht unmittelbar auf Deutschland übertragbar.

Interessant ist aber, dass die höheren Beiträge, vor allem für die Arbeitgeber, der Wirtschaft offenbar nicht geschadet haben. Das Bruttoinlandsprodukt ist in Österreich von 2000 bis 2015 preisbereinigt um 22 Prozent gestiegen, das in Deutschland nur um 18 Prozent. Wenn Rentenbeiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber steigen, bedeutet das also nicht zwangsläufig einen Nachteil für die Wirtschaft.

Lange bemühte sich die Politik, ältere Arbeitnehmer vorzeitig in den Ruhestand zu schicken. Von den Siebziger- bis in die Neunzigerjahre verfolgten Deutschland und andere europäische Staaten eine Strategie der Frühverrentung. Damals erschien das sinnvoll: Viele waren erwerbslos, etwa infolge der Ölkrise, die Baby- boomer drängten in den Arbeitsmarkt. So sollten die Älteren ihren Platz räumen, um anderen eine Chance zu geben. Auch der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft sollte durch den Personalwechsel erleichtert werden.

In den Neunzigerjahren machte die Politik eine Kehrtwende. Statt mit Druck und Anreizen Ältere in den Ruhestand zu befördern, versuchte man nun, sie möglichst lange zu halten – eine Reaktion auf die demografische Entwicklung. In Betrieben wurde ein altersfreundliches Arbeitsumfeld gefördert, lebenslanges Lernen wurde zum neuen Ideal.

Ob es zumutbar ist, dass ältere Menschen länger arbeiten, ist eine Frage, über die viel gestritten wird. Die Gewerkschaften lehnen das ab. Andere argumentieren, dass die Menschen immer länger leben, viele von ihnen lange gesund und fit bleiben und dass sie vielleicht sogar länger arbeiten wollen. Derzeit wird das Renteneintrittsalter in Deutschland stufenweise von 65 auf 67 Jahre angehoben, tatsächlich gehen die meisten jedoch schon einige Jahre früher in den Ruhestand.

Dirk Hofäcker vom Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik an der Universität Duisburg-Essen hat mit Kollegen untersucht, wie es älteren Arbeitnehmern geht und wie verschiedene Länder mit ihnen umgehen. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass viele gegen ihren Willen in die Frührente geschickt wurden. In Deutschland seien gerade Hochqualifizierte in der Lage und bereit, länger zu arbeiten. Dagegen arbeiteten Ältere mit niedriger Bildung eher in Umfeldern, „die aufgrund körperlicher und mentaler Belastungen kaum einen Verbleib bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter erlauben“.

Wie man den Übergang in den Ruhestand flexibel gestalten kann, zeigt Schweden: Dort gibt es innerhalb des staatlichen Rentensystems eine Mischform aus Umlageverfahren und Kapitaldeckung. In beiden Bereichen werden Beiträge und Leistungen als persönliche Konten geführt. Das Ziel dieses Systems ist, die Rente für jeden abschätzbar und verlässlich zu machen.

Längere Erwerbskarrieren sind politisch gewollt, Frühverrentung wurde nie explizit gefördert. Wer ein paar Jahre früher in den Ruhestand gehen will, bekommt zwar weniger ausbezahlt als jemand, der bis 65 oder länger durchhält. Trotzdem können in diesem System diejenigen früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, denen die Arbeit zur Belastung geworden ist. Und die Älteren, die weiterarbeiten, wollen das auch wirklich. Sie bekommen viele Möglichkeiten zur Weiterbildung, lernen tatsächlich ein Leben lang. Gute Rentenpolitik passt sich eben auch an die moderne Arbeitswelt an. ---