Was Marken nützt – Leifheit

Werbung wirkt

Das ist jedenfalls die Überzeugung von Henner Rinsche, Chef des Hausgeräteherstellers Leifheit.





• Viele Unternehmen halten sich in der derzeitigen Krise mit Werbung stark zurück – Leifheit macht das Gegenteil. „Wir geben richtig Gas“, sagt Henner Rinsche, seit Juni vergangenen Jahres Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft. Derzeit laufen in 16 Ländern Spots, die vornehmlich fröhliche Männer bei der Hausarbeit zeigen. Keine Prominenten, sondern normale Typen, und immer steht das Produkt, zum Beispiel der Wischmop, im Mittelpunkt.

Nichts für die Cannes-Rolle, aber wirksam, wie Henner Rinsche versichert, der streng rational an das Thema herangeht. Die Fernseh-Reklame muss sich erst vor Test- publikum bewähren, bevor sie on air geht. „Lediglich jeder sechste, manchmal auch nur jeder zehnte Spot funktioniert richtig gut, und nur diese Spots setzen wir dann ein“, sagt der 49-Jährige. Zunächst in kleineren Ländern wie Tschechien. Werbung, die sich dort bewährt, wird dann auch in größeren wie Deutschland geschaltet.

Das Prinzip hat Rinsche bei seinem ersten Arbeitgeber, dem Konsumgüter-Riesen Procter & Gamble kennengelernt und später beim Sprudelgeräte-Produzenten Sodastream zur Perfektion gebracht, wo er 2015 zum Europa-Chef aufstieg. Der Umsatz wuchs in Rinsches Zeit erheblich, der Aktienkurs verzehnfachte sich sogar bis zur Übernahme durch Pepsico im Jahr 2018.

Ein solches Marketing-Wunder wird nun wieder von ihm erwartet, und der Hobby-Schachspieler zeigt sich optimistisch, dass es gelingt. „Wir haben überzeugende Produkte, die bei Tests häufig sehr gut abschneiden – das müssen wir dem Handel und den Konsumenten nur entsprechend deutlich machen.“ In der jüngeren Vergangenheit hat Leifheit an der Werbung gespart, gleichzeitig wurde das Sortiment immer größer. Das will Rinsche nun bereinigen, aber weiterhin in neue Produkte investieren. 25 Mitarbeiter tüfteln in dem Unternehmen an Innovationen wie etwa einem Saug-Wischer, der beides kann.

Wegen Corona sei die Nachfrage sogar noch gestiegen, sagt Rinsche. „Die Leute sind zu Hause und haben Zeit zum Putzen. Hygiene ist derzeit ja aus gutem Grund ein großes Thema.“ Der Absatz von Wäschespinnen sei gestiegen, nachdem die Weltgesundheitsorganisation empfohlen habe, Textilien in direktem Sonnenlicht zu trocknen.

Sollte Henner Rinsche mit seinem Plan beim Hausgerätehersteller erfolgreich sein, so machte er seinem Vornamen übrigens Ehre. Der stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet: Heim und Herrschaft. ---

Günter Leifheit und seine Frau Ingeborg gründen 1959 im rheinland-pfälzischen Nassau gemeinsam ihr Unternehmen, die Günter Leifheit KG. Das erste Produkt ist der mechanische, ohne Strom funktionierende Teppichkehrer „Regulus“, der zum Verkaufsschlager wird und nach wie vor im Sortiment ist. 1966 beginnt in den Niederlanden die Expansion ins Ausland. 1968 bringt Leifheit einen ausziehbaren Wäschetrockner auf den Markt – bis heute eines der erfolgreichsten Produkte. Anfang der Siebzigerjahre verkauft das Gründer-Ehepaar sein Unternehmen an die US-amerikanische ITT Corporation und zieht sich bald ganz aus der Firma zurück. 1984 geht Leifheit an die Börse und weitet das Geschäft durch die Übernahmen einiger Firmen unter anderem um Textilien fürs Bad aus. Seit 2001 zählt der Waagen-Hersteller Soehnle zur Leifheit-Gruppe. Im Jahr 2010 stößt man die Badsparte wieder ab und konzentriert sich auf Produkte zum Reinigen, zur Wäschepflege und für die Küche. Im Juni 2019 wird Henner Rinsche Vorstandsvorsitzender. Er soll die Profitabilität des Unternehmens steigern. Dass er an den Erfolg seiner Mission glaubt, demonstriert er durch eine persönliche Investition: Er kauft, kurz nach Antritt seines Jobs, für vier Millionen Euro Leifheit-Aktien, später noch einmal Anteile für rund 900 000 Euro.

Leifheit AG

Mitarbeiter: etwa 1100; Umsatz 2019: 234 Millionen Euro; Gewinn: 5,8 Millionen Euro