Fernbeziehung

In der Corona-Krise zehren Firmen von treuen Kunden, die im Netz bei Laune gehalten werden wollen.

Zwei Beispiele.



Berät Pflanzenfans per Live-Video: Zelda Czok


• Zelda Czok sitzt am äußersten Rand eines Sofas, neben ihr posiert eine Zimmerpflanze. Die Ladeninhaberin wirkt nervös, solche Auftritte sind für sie noch neu. Bei den vielen Anfragen, die es derzeit über die verschiedensten Kanäle gebe, könne es zu Verzögerungen kommen, „bitte habt etwas Geduld“, sagt sie in einem Live-Video auf Instagram, das im März nach der ersten Lockdown-Woche entstand.

Zelda Czok führt seit 2016 in Hamburg einen Laden für Grünpflanzen. Er heißt Winkel van Sinkel und lief so gut, dass sie vor zwei Jahren einen zweiten eröffnete, in einer alten Tankstelle. Sie nennt ihn Plant-Station für Urban-Jungle-Lovers. Ihre Kundschaft ist jung und hipp.

Als Corona sie zum Schließen der Läden zwang, hatte sie dort fast 1500 Pflanzen. Sie organisierte schnell einen Verkauf über Instagram, errichtete zu diesem Zweck einen Extra-Kanal, auf dem sich binnen 24 Stunden fast 1000 Leute einfanden. Die Kunden konnten zudem Pflanzen über Direktnachricht bestellen, sich nach Hause schicken lassen oder nach Absprache im Laden abholen. Geschäftsideen, die Czok davor bewahrten, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken zu müssen.

Sie nutzt schon lange die sozialen Medien, inszeniert auf Facebook und Instagram ihre Produkte. Dass sie sich mit Live-Videos an ihre Kundschaft wenden würde, hatte Czok allerdings nicht geplant. Mittels Zoom oder Facetime konnten sie und ihre Mitarbeiter nun auch virtuell so intensiv beraten wie zuvor in den Läden. Rund 18.000 Follower hat sie – und die danken ihrer Pflanzendealerin mit Herzchen- und Blumen-Emojis.


Vernetzt Kunden und lässt sie für sich werben: die Radsportmode-Marke Rapha

Viele Unternehmer zielen in den sozialen Medien auf Reichweite. Dabei können enge Bindungen sinnvoller sein.

Perfektioniert hat das Rapha. Der britischen Marke für Radsport-Bekleidung (Umsatz 2018: rund 56 Millionen Pfund), ist es gelungen, ihre Kunden untereinander zu vernetzen. Tausende organisieren sich in virtuellen Clubs auf Strava, einer Plattform für Sportler. Wann immer ein Clubmitglied Radfahren war, wird dessen Leistung im Feed aller Mitglieder angezeigt. Man vergleicht sich, tauscht Feedback und Fotos aus.

Zudem ruft Rapha über Strava einmal im Jahr zu einem Wettbewerb für Frauen auf, als Antwort auf die rein männliche Tour de France. Es gilt, 100 Kilometer am Stück zu bewältigen – auf dem häuslichen Rollentrainer oder draußen auf der Straße. Mehr als 60 000 Frauen aus aller Welt nehmen teil. Wer die Challenge bewältigt, erhält ein digitales Finisher-Abzeichen. Zudem werden die Fahrerinnen angehalten, ihre Leistung in sozialen Medien zur Schau zu stellen. Dass sie auf den Fotos Rapha tragen, versteht sich von selbst.

Für die Community gibt es inzwischen auch reale Treffpunkte: Clubhäuser in 20 Metropolen rund um den Globus. Dort kauft man nicht nur ein, sondern wird mit Kaffee und Häppchen versorgt und kann mit Gleichgesinnten die größeren Radsport-Events im Fernsehen verfolgen und an Workshops oder gemeinsamen Ausfahrten teilnehmen.

Die meisten Clubhäuser blieben in den vergangenen Monaten geschlossen, trotzdem seien die Online-Verkäufe phänomenal gewesen, teilte das Unternehmen mit. In der Krise hilft sicherlich, dass Rapha schon zuvor zwei Drittel seines Umsatzes online machte – ebenso die Community, die der Marke in der ganzen Zeit die Treue hielt. --