Geschäftsmodelle – Taxfix

Zwei Schweizer wunderten sich über die komplizierte Steuererklärung in Deutschland. Und erkannten darin ein mögliches Geschäft.





Angebot
Smartphone-App, um Steuererklärungen zu erstellen und an das Finanzamt zu übermitteln, inklusive Scan-Funktion, um etwa Lohnzettel einzulesen. Auch im Web-Browser nutzbar. 

Vertrieb und Kommunikation 
Via App Stores. Werbung auf verschiedenen Onlinekanälen.

Leistungen
Softwareentwicklung, Steuer-Know-how erarbeiten und aktualisieren. Steuererklärungen der Kunden erfassen und an die zuständigen Finanzämter übermitteln. Kundenservice.

Kernkompetenzen
Vereinfachung der Steuererklärung durch verständliche Sprache und eine benutzerfreundliche Bedienoberfläche.

Besonderheiten
Taxfix hat eine hohe interne Wertschöpfung, da von der Programmierung bis hin zum Kundenservice alles von Festangestellten erledigt wird.

Es gibt eine Kooperation mit der Direktbank N26.

Einschätzung

Die meisten Steuerzahler hierzulande sind potenzielle Kunden. Das Angebot könnte zudem Teil von eGovernment-Initiativen werden. Zu den Konkurrenten von Taxfix zählen Wundertax, Steuerbot oder Ilovetax. In der analogen Welt gibt es zudem Lohnsteuerhilfe-Vereine, die ähnliche Dienstleistungen anbieten.

Die Taxfix-App wurde bislang 1,8 Millionen Mal heruntergeladen, es gibt sie auch in englischer Sprache für hier lebende Ausländer.

Wie viele Start-ups will Taxfix schnell wachsen und gibt viel Geld für Marketing aus, um beim Zielpublikum bekannt zu werden.

Team
144 Mitarbeiter: 4 im Management, 27 sind fürs Produkt zuständig, 46 für Software und Datenverarbeitung, 25 für Kundenservices, 18 für Marketing, 10 akquirieren neue Mitarbeiter, 14 erledigen Sonstiges.

Die Gründer: Mathis Büchi, 33, Lino Teuteberg, 33

Das Ziel
Das Ziel „Steuererklärungen so einfach wie möglich zu machen.“ Die Summe der Steuererstattungen wird wöchentlich ausgewiesen. 

→ Dass zehn Mitarbeiter damit beschäftigt sind, neue zu rekrutieren, zeigt, wie hoch hinaus die Firma will.

Die Gründer haben mit Smallpdf (26 Millionen Nutzer) bereits ein Start-up aufgebaut. Mathis Büchi ist Ökonom, Lino Teuteberg Designer.

Das Mantra der Gründer: Probleme angehen, die möglichst viele Menschen betreffen und die sich digital lösen lassen.

Zielgruppe
Junge Leute mit Einkommen aus nicht- selbstständiger Arbeit, also einfache Steuerfälle (bislang in Deutschland, Italien und Frankreich). Mindestens zehn Millionen Bürger reichen hierzulande ihre Steuererklärung nicht ein und verlieren dadurch insgesamt rund 100 Millionen Euro jährlich.

Nutzen
Die Steuererklärung ist in 22 Minuten fertig und ans Finanzamt übertragen. Kunden müssen sich nicht durch Formulare arbeiten, sondern werden in Alltagssprache durch den Prozess geführt. Am Ende des Prozesses wird gleich das zu erwartende Ergebnis berechnet. 

 Taxfix will es seinen Kunden so einfach wie möglich machen und legt deshalb wie auch viele Fintechs Wert auf eine intuitive Benutzerführung.

Komplizierte Fälle kann die Software nicht bearbeiten, man konzentriert sich auf einfache Steuererklärungen.

Kosten
Personal für Produktentwicklung, -erweiterung und Anpassung der App an neue Märkte. Marketing 

Ertragsquellen
34,99 Euro pro eingereichter Steuererklärung (nur zahlbar, wenn mehr als 50 Euro Rückerstattung erwartet werden).

45 Millionen US-Dollar von Investoren
(Valar, Creandum, Redalpine)

Die Masse macht’s: Taxfix braucht viele Kunden, um profitabel zu werden.

Investoren haben die Firma schon in einer frühen Phase finanziert, weil sie die Gründer von vorherigen Projekten kannten und schätzten.

Weil das Unternehmen fast alles selbst macht, hat es hohe Fixkosten.