Plantix

Ein Start-up hat eine App entwickelt, die Krankheiten bei Pflanzen erkennen kann.





• Plantix ist eine App, die mit automatischer Bilderkennung Pflanzenkrankheiten identifizieren kann. Der Nutzer lädt ein Foto der geschädigten Pflanze hoch und erhält dann eine genaue Beschreibung der Symptome und der geeigneten Maßnahmen dagegen. Das Projekt entwickelten Simone und Robert Strey nach einem längeren Forschungsaufenthalt in Brasilien. Sie ließen ihre halb fertigen Doktorarbeiten am Institut für Bodenkunde der Universität Hannover ruhen und widmeten sich ganz ihrer Idee.

2015 starteten sie zusammen mit drei Mitgründern die Firma Peat GmbH und machten sich mit Unterstützung der Uni an die Arbeit. Heute nutzen allein in Indien nach eigenen Angaben etwa eine Million Kleinbauern monatlich die App. Es gibt sie in 16 Sprachen mit eigenen Versionen für Brasilien, Indien, Bangladesch, Pakistan, den Mittleren Osten, Indonesien, Vietnam und Nordafrika. Der Fokus liegt auf Kulturpflanzen wie Reis, Bananen, Weizen, Soja, Baumwolle, Tomaten oder auch Mango.

30 000 bis 50 000 Fotos laden die Nutzer durchschnittlich pro Tag hoch. Sie werden automatisch mit diversen Filtern versehen, sodass selbstlernende Algorithmen spezifische Muster erkennen. 400 Erkrankungen kann die Software so sicher identifizieren. Mehr noch: Mit einem Live-Tracker ist es möglich, zu verfolgen, wie diese sich ausbreiten. Zum Beispiel beim Fall Armyworm, einer Raupe aus der Familie der Eulenfalter, die eigentlich in Amerika beheimatet ist. 2016 tauchte sie erstmals in Afrika auf und vernichtete rund die Hälfte der Mais-Ernte. 2018 gelangte sie nach Indien, 2019 nach China. Durch die Nutzerdaten kann Plantix ihren Weg verfolgen und Bauern vorab per Push-Nachricht warnen.

Eine Erfolgsgeschichte. Eigentlich. Doch wie verdient man damit Geld? „Wir wollten von Anfang an kein Geld von den Bauern einnehmen“, sagt Mitgründer Korbinian Hartberger. Die App ist kostenlos und soll es auch bleiben. Versuche, die Software an große Pflanzenschutzhersteller zu lizenzieren, brachten nicht den erhofften Durchbruch. So sind die Erfinder gezwungen, ihre App zu überdenken. „Wir müssen tiefer in die Wertschöpfungskette einsteigen“, sagt Hartberger. „Weg vom reinen Service für Bauern, hin zu einem Ökosystem für Pflanzenzucht.“

Das Start-up will nun in den Handel einsteigen. Die Nutzerdaten zeigen, wo gerade welche Pflanzenschutzmittel dringend benötigt werden. Plantix kauft sie beim Hersteller und beliefert damit die kleinen Shops. „Der Bauer bekommt durch uns nun nicht nur eine genaue Analyse, sondern auch eine Produktempfehlung und das nächstgelegene Geschäft angezeigt“, sagt Hartberger. Gerade ist Plantix dabei, eines der größten Händlernetzwerke Indiens aufzubauen. ---

Plantix / Peat GmbH

Gründer: Simone Strey, Robert Strey, Pierre Munzel, Alexander Kennepohl, Bianca Kummer, Korbinian Hartberger

Mit Unterstützung der Leibniz Universität Hannover

Kontakt: contact@peat.ai