Mikroökonomie

Ein Berater für Entwicklungszusammenarbeit in Kenia

Stanley Mbagathi, 69, ist in Nyeri, Kenia, geboren und in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Ende der Siebzigerjahre zog er nach München, wo er mit einem Stipendium Internationale Beziehungen studierte.





Seit 1989 ist er zurück und selbstständig. Er berät internationale Organisationen, vor allem bei Landwirtschafts- und Ernährungsprojekten. Für die UN analysiert er, welche Techniken Bauern im Land anwenden – und wie es effizienter ginge. Mbagathi lebt mit seiner Frau, zwei Kindern, zwei Schäferhunden und 24 Hühnern am Stadtrand von Nairobi.

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Mbagathi verdient bei guter Auftragslage an die 2400 Euro brutto im Monat, nach Steuerabzug bleiben ihm etwa 1820 Euro. Davon gehen 79 Euro für die Krankenversicherung ab, 118 Euro für Strom, Wasser und Internet, 349 Euro für zwei Autos, 174 Euro für zwei Hausangestellte und 750 Euro für die Ausbildungsgebühren der Kinder. 174 Euro zahlt er für Lebensmittel und Kleidung, etwa 44 Euro spendet er an Freunde und Familie, die weniger haben als er. 80 Euro legt er für den Familienurlaub zurück. Seine Altersvorsorge sind drei Grundstücke.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Ich möchte meine Zeit sinnvoll verbringen. In der Entwicklungszusammenarbeit geht das gut. Ich unterstütze Projekte, die die Lebensumstände meiner Landsleute verbessern.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Außer meiner Familie: mehr Gerechtigkeit.

Was möchten Sie an Ihrem Leben verändern?

Ich hätte gern mehr finanzielle Sicherheit. Als freier Berater weiß ich oft nicht, wann der nächste Auftrag kommt. Wenn ich das nötige Kapital hätte, würde ich ein Ausbildungsinstitut gründen und Studienabgänger zu Entwicklungshelfern ausbilden.

Welche sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Meine größte Angst ist, krank zu werden. In meinem Alter steigen die Risiken. Daher gehe ich joggen, vermeide rotes Fleisch und trinke täglich ein Elixier aus Ingwer, Limone und Honig.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Ich fahre einmal im Jahr mit meiner Familie in den Urlaub. Erst zu meiner Mutter aufs Land, dann an die Küste in ein Ferienhaus.

Was erwarten Sie von der Zukunft und was tun Sie dafür?

Vieles ist schon geschafft: Ich habe Haus und Familie, alle sind gesund, meine Kinder gehen zur Schule. Was bleibt, ist, sie bis zum Ende ihrer Ausbildung zu unterstützen.

Kenia gilt als ein von Korruption gebeuteltes Land. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Problem?

Einmal sollte ich etwa 8770 Euro für einen gut bezahlten Job geben. Dann hätte ich meinen Traum verwirklichen können, mit einer speziellen Technik Fisch und Nutzpflanzen zu züchten. Ich tat es nicht. Korruption hat unser Land ruiniert. ---

Einwohner: 51,4 Millionen
Währung: Kenianischer Schilling, KES (1 Euro = 114,12 KES)
Monatlicher Durchschnittslohn: 505 Euro
Human Development Index: Platz 147 (Deutschland: 4 von 189)

1 Kilogramm Kartoffeln: 1 (3,40)
1 Cappuchino: 4 (3,25)
1 Liter Benzin: 1 (1,38)
1 Kilogramm Hundefutter (Getreide, Knochenmehl, Proteine): 0,52 (3,91)
1 Kilogramm Hühnerfutter (Mais, Bohnen, Proteine): 0,90 (0,57)