Prototyp – Idee sucht Geld

Eine Firma aus Reutlingen beweist, dass Computerspiele und virtuelle Realität auch heilsam sein können.





• Philipp Zajac will mit Computerspielen Menschen helfen, die nach Schlaganfällen unter Lähmungen leiden. Die Idee entstand im Rahmen einer Projektarbeit 2016 an der Universität in Tübingen, wo er Informatik und Neurobiologie studierte.

Schlaganfälle führen oft zu halbseitigen Lähmungen. Eine Ergotherapie hilft, kann aber Monate dauern und macht meist keinen Spaß. Wie motiviert man Patienten, möglichst aktiv zu bleiben, damit sich die Verknüpfungen im Gehirn reaktivieren oder neu bilden können?

„Üblich in der Ergotherapie sind Brettspiele oder, etwas feinmotorischer, das bekannte Korbflechten“, sagt Zajac. In besonders schweren Fällen wird auch die Spiegeltherapie angewandt. Dabei bewegt der Betroffene die Gliedmaßen der gesunden Körperhälfte: Durch einen Spiegel wird ihm vorgegaukelt, es sei die gelähmte Hälfte. So wird das Gehirn stimuliert. „Viele Methoden sind aber nur zusammen mit dem Therapeuten möglich. Was macht der Kranke in der Zwischenzeit?“

Zajacs Idee war es, einfache Computerspiele für eine Virtual-Reality-Brille zu entwickeln: Memory, Dosenwerfen oder eine Kugel, die durch ein Labyrinth geführt werden muss. „Der Patient trainiert Bewegung und Koordination. Hat er Erfolg, wird er mit Punkten und dem nächstschwierigeren Level belohnt.“ Erste Tests Anfang 2017 zeigten, dass die Nutzer kaum Schwierigkeiten hatten, mit einer VR-Brille umzugehen. „Sie tauchen intuitiv in diese Welt ein – ob in der Klinik, im Pflegeheim oder zu Hause auf dem Sofa.“

Ähnliche Ansätze mit Spielkonsolen oder Tablets gibt es bereits in Deutschland und Österreich. Aber die ausschließliche Nut- zung von virtueller Realität ist neu. Zajacs erster Prototyp bekam viel Anerkennung und gewann einen Preis über 50.000 Euro beim Life-is-a-Pitch-Wettbewerb von Samsung. Weitere Preise folgten. Er brach sein Master-Studium ab und gründete im Jahr 2018 die Firma ReHub. Partner wie die Sozialstiftung Bamberg und das Rehabilitationszentrum Quellenhof setzten seine VR-Anwendung, die er Rehago nennt, um und gaben ihm Feedback. Vom Technologie-Gründerfonds Sachsen bekam das Start-up eine Frühphasenfinanzierung in Höhe von 600.000 Euro – weshalb ReHub nach Leipzig umzieht. Eine zweite Runde endet im März. Ziel: 1,5 Millionen Euro. Die Zulassung als Medizinprodukt der Klasse 1 ist beantragt und soll im Mai erfolgen. Dann zahlen die Krankenkassen eine Behandlung.


Foto: ReHub

„Ziel ist, die Therapie zu verkürzen und Menschen schneller zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu bringen“, sagt Zajac. Auch bei Lähmungen durch Stöße gegen den Kopf, wie bei Autounfällen, oder bei Tumoren im Gehirn soll Rehago helfen. Therapeuten können die Fortschritte ihrer Patienten bald online einsehen und neue Aufgaben stellen, sodass weniger Praxisbesuche nötig wären. ---

ReHub GmbH


Philipp Zajac, Johannes Höfener, Melanie Schweis und Anika Ochsenfahrt
Mit Unterstützung der Hochschule Reutlingen und Google for Startups

Kontakt: presse@rehago.eu

Unser Probe-Abo umfasst drei aufeinanderfolgende Ausgaben und kostet 22,50 Euro.
Sie sparen 7,50 Euro im Vergleich zum Einzelkauf und die Versandkosten innerhalb Deutschlands.

Zum Shop