Interview mit Christian Meermann

Wagniskapitalgeber investieren in Geschäftsmodelle von Gründern. Wie funktionieren ihre riskanten Wetten? Antworten von dem Frühphasen-Investor Christian Meermann.





brand eins: Herr Meermann, welche war die schlechteste Investmententscheidung, die Sie je getroffen haben?

Christian Meermann: Das war leider nicht nur eine Entscheidung, sondern gleich eine ganze Serie. Von 2012 an trafen wir in Deutschland als Business Angels mehrere gute Entscheidungen, darunter die, in Flixbus und Auto1 zu investieren. Dann fuhren wir mit breiter Brust ins Silicon Valley und waren überzeugt, die Erfolge dort einfach wiederholen zu können. Wir ließen uns bei einem Accelerator-Programm einige Start-ups vorstellen und dachten: Wow, was werden uns hier für tolle Companys auf dem Silbertablett serviert. Die wollen alle nach Europa expandieren, wo wir sie dann als europäische Investoren kräftig unterstützen können. Perfect fit! Wir haben drei oder vier Investments gemacht, und damals fühlte sich das super an. Leider haben wir nur Nieten gezogen.

Was war Ihr Denkfehler?

Hybris. Wir hatten unter anderem für Zalando international gearbeitet und dachten, wir würden mit einem globalen Marktverständnis im Silicon Valley die Trüffel finden. Wir hatten überhaupt nicht auf dem Schirm, dass die Firmen vermutlich schon bei etlichen US-Venturefonds gepitcht hatten und es mit Sicherheit gute Gründe gab, warum die nicht investiert hatten. Frühphasen-Investment, das haben wir dort schmerzlich gelernt, funktioniert lokal am besten. Die Platzhirsche vor Ort sehen die guten Ideen als Erste. Sie haben ihre Filter gut eingestellt und können die Signale im Markt lesen.


 

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