Darauf setze ich

Drei Menschen sprechen darüber, welche Ziele sie verfolgen – und was sie dafür tun.




Lukas Bauer, 31, war mehr als zehn Jahre lang Volleyballprofi und spielte unter anderem für die deutsche Nationalmannschaft. Von Anfang an bereitete er sich neben dem Sport auf die Zeit nach seiner Karriere vor. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet er bei einer Sportmarketing-Agentur in München.

„Nach meinem letzten Spiel habe ich erst mal ein paar Tage gebraucht, um zu realisieren, dass es jetzt vorbei ist. Aber ich habe sofort am nächsten Morgen damit angefangen, Bewerbungen zu schreiben. Währenddessen ist mir bewusst geworden, dass nun ein neues Kapitel in meinem Leben beginnt.

Ich bin in der Oberpfalz aufgewachsen. Zum Volleyball kam ich mit sieben Jahren durch meine Mutter, sie war die Trainerin bei uns im Dorf. Mit 13 wurde ich das erste Mal von einem Verein abgeworben. Zwei Jahre später bekam ich als einer der besten Bayernauswahl-Spieler einen Platz auf einem Volleyball-Internat angeboten. Und so stand ich mit 15 vor der Entscheidung: Bleibe ich daheim bei meinen Schulkumpels aus dem Dorf, oder ziehe ich 250 Kilometer weit weg an den Starnberger See?

In dem Alter ist das schon ein großer Schritt. Ein Trainer und Mentor, dem ich vertraut habe, hat mir damals gesagt: Wenn du irgendwann Nationalspieler werden willst, dann musst du aufs Internat gehen. Vier Jahre später, mit 19, habe ich das erste Mal für die deutsche Nationalmannschaft gespielt.

Von meinen Eltern habe ich immer sehr viel Unterstützung bekommen, ich habe jede Entscheidung mit ihnen besprochen. Mein Vater hat immer gesagt: Wie du es machst, machst du es richtig. Druck gab es nie.

Viele Sportler beschäftigen sich erst sehr spät mit dem Leben nach dem Sport. Anders als beispielsweise im Fußball kann man mit Volleyball aber nicht so viel Geld verdienen, dass man nach dem Karriereende ewig Zeit hat, sich neu zu orientieren. Trotzdem machen einige nichts nebenbei. Sie hoffen darauf, im Volleyball bleiben zu können, zum Beispiel als Trainer. Für mich war das keine Option. Ich habe meinen Kumpels schon mit 18 gesagt, dass ich mit 30 anfangen will zu arbeiten. Zum einen, weil ich immer auch andere Interessen hatte. Zum anderen, weil ich rechtzeitig den Absprung schaffen wollte, um nicht zu alt für den Berufseinstieg zu sein. So habe ich gleich zu Beginn meiner Profikarriere begonnen, nebenbei internationales Management zu studieren.

Der Sport hatte für mich trotzdem die oberste Priorität. Deswegen habe ich für Bachelor und Master auch zehn Jahre gebraucht. Natürlich hätte man das Studium schneller durchziehen können, aber mir war es wichtiger, sportlich das Maximum rauszuholen. Im Winter habe ich für verschiedene Bundesligateams gespielt, im Sommer für die Nationalmannschaft. In den Mittagspausen oder abends habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und etwas für die Uni getan, in trainingsfreien Zeiten habe ich Praktika gemacht – viel Zeit für Partys oder Festivals blieb da nicht. Aber das hat mir nie wirklich gefehlt, weil der Sport mir in dieser Zeit so viel gegeben hat: Mit der Nationalmannschaft war ich auf der ganzen Welt unterwegs, außerdem habe ich vier Jahre lang in Frankreich gelebt und dort in der französischen Liga gespielt.

Ich wollte im Sport immer so viel wie möglich erreichen. Das birgt natürlich das Risiko, sich zu verletzen – ängstlich war ich aber nie. 2011 war ich gerade dabei, eine Stammkraft in der Nationalmannschaft zu werden, und hatte die Chance, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein – das war immer mein großer Traum gewesen. Heute weiß ich, dass ich damals zu viel wollte. Das Resultat war ein Ermüdungsbruch im Schienbein, der nur sehr langsam verheilte. Ich musste die Saison vorzeitig beenden und konnte nicht mit zu den Olympischen Sommerspielen nach London fahren. Die Verletzung hat mir noch einmal deutlich gemacht, dass das Ende des Sports irgendwann kommt. Die Zeit, in der ich nicht trainieren durfte, habe ich dazu genutzt, genauer darüber nachzudenken, was ich mit dem Studium machen will.

Seit Juli vergangenen Jahres arbeite ich bei einer Sportmarketing-Agentur in München. Ich wollte hier schon immer hin, im Süden fühle ich mich am wohlsten. Deshalb bin ich 2018 für mein letztes Jahr in der Bundesliga zu einem Verein in der Nähe von München gewechselt. Die ganze Saison habe ich meine Fühler ausgestreckt und Gespräche geführt. Außerdem habe ich mich von einer Spitzensportlervermittlung coachen lassen. Ich habe erfahren, dass ich trotz wenig Berufspraxis viel mitbringe. Ehrgeiz und Disziplin, aber auch Offenheit: Ich habe im Schnitt alle zwei Jahre den Verein gewechselt. So habe ich gelernt, auf Leute zuzugehen und mich schnell in ein neues Umfeld einzugewöhnen. In gewisser Weise ist der Berufseinstieg wie der Wechsel zu einem neuen Verein: Man kommt in ein neues Team und muss sich dort zurechtfinden.

Nach zwölf Jahren als Profisportler stehe ich nun wieder am Karriereanfang – auch was das Gehalt angeht. Mittlerweile kann ich immer mehr Aufgaben übernehmen und fühle mich zunehmend sicher in meinem neuen Umfeld. Zu spüren, dass es nach oben geht, spornt mich an. Als Volleyballer war ich in vielen Vereinen Mannschaftskapitän, das habe ich sehr gern gemacht. Jetzt bin ich als Berufseinsteiger in einer anderen Position, aber irgendwann würde ich gern wieder eine wichtige Rolle übernehmen.“

Sie hat in Oxford Diplomatie studiert, für die Vereinten Nationen gearbeitet und eine Organisation für feministische Außenpolitik gegründet. Wie Kristina Lunz, 30, es als Arbeiterkind nach oben geschafft hat und wofür sie sich einsetzt, erzählt sie hier.

„Ich weiß noch, dass es mir schon als Kind unangenehm war, wenn bei meiner Oma auf dem Küchentisch die »Bild«-Zeitung mit den nackten Frauen lag. Von Feminismus hatte ich damals keine Ahnung. Im September 2014 war ich mal wieder zu Besuch in meinem Heimatdorf in Oberfranken, als ich sah, dass die »Bild« auf der Titelseite dazu aufrief, die Dekolletés sechs prominenter Frauen zu bewerten. Das hat mich unglaublich wütend gemacht. Also habe ich mir mit Youtube-Videos beigebracht, wie man eine Website erstellt, und dort einen Brief hochgeladen. Daraus entstand eine Petition für die Abschaffung der sogenannten »Bild«-Girls. Ich hatte damals überhaupt keine Ahnung davon, wie eine solche Aktion funktioniert. Geschweige denn, wie viel Hass einem entgegenschlagen kann.

Kai Diekmann, der damalige Chefredakteur, hat mich auf Twitter vor Zehntausenden Followern verhöhnt, ich hatte elf. Im ersten Tweet forderte er mich dazu auf, ihm neue »Bild«-Girls zu beschaffen, die Zeitung brauche Bewerbungen. Dann kamen die Reaktionen des Mobs: Beleidigungen, Vergewaltigungsdrohungen, das volle Programm. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich habe erst mal ein paar Tage geweint – und dann trotzdem weitergemacht.

Heute lebe ich in Berlin und reise durch die Welt, um auf Konferenzen über Feminismus und Außenpolitik zu sprechen. Im Jahr 2017 habe ich das Centre for Feminist Foreign Policy mitgegründet, wir beraten unter anderem das Auswärtige Amt. Ich bin fest überzeugt, dass wir ohne Gleichberechtigung für Frauen und andere diskriminierte Gruppen keinen dauerhaften Frieden in der Welt erreichen können.

Hinter mir liegt ein weiter Weg: Ich bin als sogenanntes Arbeiterkind in einem 80-Seelen-Dorf in der Nähe von Bamberg aufgewachsen. Mein Vater war Elektriker, meine Mutter Hausfrau und Erzieherin. Das Lernen hat mir schon immer Spaß gemacht, in der Grundschule und auf dem Gymnasium gehörte ich zu den Jahrgangsbesten. Trotzdem war es für mich lange keineswegs klar, dass ich anschließend eine Universität besuchen würde.

Von 100 Kindern aus Akademikerfamilien fangen 79 ein Studium an, bei den Arbeiterkindern sind es gerade mal 27. Es sind Ungerechtigkeiten wie diese, die mich antreiben. Als ich begann, in Mainz Psychologie zu studieren, war ich plötzlich von Menschen umgeben, die aus einer ganz anderen Welt kamen als ich. Ich hatte nicht das gleiche Allgemeinwissen, kannte die Bücher nicht, die sie daheim gelesen hatten, und hatte meine Schulferien nicht mit Sprachkursen im Ausland, sondern mit Fabrikarbeit bei Siemens verbracht. Anstatt zu feiern, verbrachte ich die Zeit vor allem damit zu lernen. Darin fühlte ich mich sicher.

Als ich mich das erste Mal auf ein Stipendium bewarb, fand das Auswahlwochenende in einem schicken Tagungszentrum statt. Der Dresscode, die Umgangsformen, die Unterhaltungen – für Menschen, die so aufgewachsen sind, mag das richtige Verhalten in einer solchen Umgebung ein Kinderspiel sein, für mich war das eine größere Hürde als das Auswahlgespräch. Ein paar Wochen später kam die Absage: Ich würde mich mit meinem fränkischen Dialekt zu umgangssprachlich ausdrücken.

Zuerst hat mich das runtergezogen. Dann wurde ich wütend: Was soll das? Wieso darf ich nicht in eure Welt rein? Also probierte ich es noch mal und wurde bei einem Begabtenförderungswerk aufge- nommen.

Während meines Studiums merkte ich, dass ich Politik viel interessanter fand als Psychologie. Mein damaliger Freund ermutigte mich dazu, mich für ein Stipendium in Oxford zu bewerben.

Ich glaube, es gibt kaum einen elitäreren Ort als Oxford. Dennoch war es ein Geschenk, in dieser Umgebung studieren zu dürfen und von einigen der Besten ihres Fachs unterrichtet zu werden. Vor allem bin ich dort mit vielen kritischen und engagierten Menschen in Kontakt gekommen, die mich sehr inspiriert haben.

Mir ist bewusst, dass die Themen, mit denen ich mich dort beschäftigt habe und für die ich mich heute einsetze, wenig mit der Lebensrealität in meiner alten Heimat zu tun haben. Oft fühle ich mich wie zwischen zwei Welten. Aber ich bin sehr froh, beide zu kennen.

Ich könnte heute einen sicheren Job haben und viel Geld verdienen. Aber ich will die Möglichkeiten, die ich mir erarbeitet habe, nutzen, um etwas zu verändern. Mein Gehalt bekomme ich von unserer Organisation. Diese dauerhaft zu finanzieren ist eine Herausforderung. Wir erhalten unter anderem Geld von Stiftungen, bis vor Kurzem habe ich zusätzlich für ein Projekt als externe Beraterin im Auswärtigen Amt gearbeitet. Momentan sind wir dabei, ein Netzwerk aus Leuten aufzubauen, die jährlich einen Betrag spenden. Mein großes Ziel ist es, bis Ende 2020 genug Geld für die nächsten zwei bis drei Jahre einzusammeln.

Für meine Arbeit bin ich ständig unterwegs und mit neuen Menschen in Kontakt. Netzwerken kann ich zwar sehr gut, aber es kostet mich Kraft. Außerdem machen die Anfeindungen im Netz natürlich emotional etwas mit mir, auch wenn ich heute ein viel dickeres Fell habe.

Das Wichtigste ist für mich, etwas zu bewirken: Für United Nations Women Deutschland habe ich 2016 das Konzept für deren „Nein heißt Nein“-Kampagne geschrieben. Es war ein unglaubliches Gefühl, als der Bundestag im Juli 2016 für eine Änderung des Sexualstrafrechts gestimmt hat. Und 2018, vier Jahre nach meiner Petition, wurden die »Bild«-Girls endlich abgeschafft.“

2014 – StopBildSexism: Mit dieser Kampagne forderte Lunz die »Bild« dazu auf, keine »Bild«-Girls mehr abzudrucken. Daraus entstand der Verein Gender Equality Media e. V., der sich gegen sexistische Berichterstattung einsetzt.

2016 – #Ausnahmslos: Nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht initiierte Lunz gemeinsam mit 21 weiteren Feministinnen eine Kampagne gegen sexuelle Gewalt und Rassismus.

2016 – #NeinheißtNein: Lunz war Teil der Kampagne für die Reformierung des Sexualstrafrechts. Im Juli 2016 stimmte der Bundestag für eine Gesetzesänderung. Heute ist es für die Strafbarkeit eines sexuellen Übergriffs ausreichend, wenn die betroffene Person ihr Nein durch Worte oder Gesten zum Ausdruck gebracht hat.

2017 – Centre for Feminist Foreign Policy: Mit ihrer Organisation setzt sich Lunz für eine feministische Außenpolitik ein, die die Rechte diskriminierter Gruppen schützt und ihnen mehr Mitsprache in diplomatischen Prozessen verschafft.

Janis Budde, 29, gehört zu den sogenannten Biohackern – einer Bewegung von Menschen, die ihre Gesundheit optimieren und so ihr größtmögliches Potenzial entfalten wollen. Für Budde ist das auch ein Geschäftsmodell: Mit seinem Unternehmen Primal State vertreibt er unter anderem Nahrungsergänzungsmittel.

„Mein Tag besteht aus vier klar voneinander abgetrennten Teilen: dem Morgen, der Arbeitsphase, dem Abend und der Nacht. Um 7 Uhr klingelt mein Wecker. Zuerst trinke ich ein Glas Wasser, dann bereite ich mir einen Bulletproof Coffee zu – eine Mischung aus Kaffee, Butter und Öl aus mittelkettigen Fettsäuren, die das Frühstück ersetzt – und nehme meine Nahrungsergänzungsmittel zu mir. Danach plane ich mit meinem Kalender den Tag. Anschließend mache ich ein paar Yoga-Übungen und ein kurzes Workout mit ein paar Kniebeugen. Nach einer eiskalten Dusche meditiere ich zehn Minuten lang, um entspannt in den Tag zu starten.

Danach fahre ich in unser Büro. Von 10 bis 12 Uhr gibt es eine sogenannte Deep-Work-Phase, in der wir Kopfhörer tragen und nicht miteinander kommunizieren. So hat jeder Zeit, sich ungestört auf eine Aufgabe zu fokussieren, zum Beispiel auf das Entwickeln eines neues Produkts. Nach einem kleinen Workout essen wir gemeinsam zu Mittag. Anschließend bearbeiten wir Bestellungen, beantworten Kundenanfragen oder schreiben Beiträge für unseren Blog. Bevor ich abends nach Hause gehe, lasse ich den Tag Revue passieren: Was habe ich heute geschafft, worauf kann ich stolz sein? Danach nutze ich den Abend, um Freunde zu treffen und runterkommen.

Die Nacht dient der Regeneration. Mithilfe eines Trackers zeichne ich auf, wie gut ich schlafe. Dadurch kann ich am nächsten Tag besser abschätzen, wie fit ich bin. Sonst nutze ich keine Tracker – ich habe gemerkt, dass ich es angenehmer finde, nicht alles zu kontrollieren.

Als Teenager hatte ich ständig wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen, Neurodermitis und Darmprobleme. In dieser Zeit habe ich viele Ärzte und Heilpraktiker abgeklappert, wirklich helfen konnte mir niemand. Mit 18 habe ich mir dann das Pfeiffersche Drüsenfieber eingefangen. Teilweise lag ich eine ganze Woche im Bett. Ich war völlig antriebslos und fühlte mich verloren. Damals habe ich mir gesagt: Irgendwie musst du selbst eine Lösung für deine Probleme finden.

Also habe ich angefangen, mich mit den Themen Gesundheit, Ernährung und Bewegung auseinanderzusetzen. So bin ich auf Biohacking aufmerksam geworden. Dabei geht es darum, herauszufinden, wie der eigene Körper funktioniert und wie man dieses System hacken, also manipulieren kann.

2014 habe ich in Berlin eine Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen. Ich wollte noch besser verstehen, wie der Körper funktioniert und woher bestimmte Probleme kommen können. Nebenbei habe ich in einem Blog über meine Erfahrungen mit Biohacking geschrieben. Damals habe ich mir ein bisschen Geld dazuverdient, indem ich dort Präparate verlinkt habe, die ich selbst benutzte. Als die Besucherzahlen immer weiter stiegen, kam ich auf eine Idee: Statt die Produkte anderer Hersteller zu empfehlen, könnte ich doch auch meine eigenen anbieten. Also habe ich 2500 Euro an Werbe-Einnahmen zusammengekratzt und mich auf die Suche nach Herstellern gemacht. Zum Glück habe ich damals einen gefunden, der trotz des niedrigen Startkapitals an meine Idee geglaubt hat.

In den ersten Monaten nach der Gründung hatte ich einige schlaflose Nächte. Ich habe in dieser Zeit ständig Bestellungen in Auftrag gegeben, die ich mit dem Kapital im Unternehmen niemals hätte bezahlen können. Dadurch war ich gezwungen, die Lieferungen so schnell wie möglich zu verkaufen. Meine Artikel habe ich damals ausschließlich über Amazon vertrieben. Das war für mich die einfachste Lösung, da ich so keinen eigenen Onlineshop aufbauen musste. Ich kann mich noch gut an einen Tag erinnern, an dem Amazon eine Lieferung nicht angenommen hatte. Plötzlich hatte ich all diese Produkte, aber keinen Vertriebskanal. Damals dachte ich: Oh Gott, das war’s jetzt. Ich weiß noch, wie ich auf dem Teppich lag und meiner dunklen Zukunft entgegensah. Zum Glück hat Amazon die Lieferung zwei Tage später dann doch angenommen, und es ging weiter.

Nach der holprigen Anfangsphase begannen sich die Umsätze Ende 2015 von Monat zu Monat zu verdoppeln. Deshalb habe ich damals entschieden, meine Ausbildung abzubrechen und meine gesamten Kapazitäten in das Unternehmen zu investieren. Nicht alle in meiner Familie waren davon begeistert. Meine Mutter fand es schon immer toll, wenn ich irgendwelche verrückten Ideen hatte. Aber meine ältere Schwester hat sich Sorgen um mich gemacht – sie hielt meine Entscheidung für einen großen Fehler. Mittlerweile findet aber auch sie, dass das eine ganz gute Idee war.

Biohacking wird von Außenstehenden oft als Optimierungswahn kritisiert. Tatsächlich gibt es Menschen, die das Konzept nutzen, um aus ihrer 60-Stunden-Woche eine mit 80 zu machen. Sie glauben, dass sie sich nur dann gut fühlen können, wenn sie perfekt sind. Das ist aber nicht mein Ansatz. Für mich geht es darum, mich wohl in meinem Körper zu fühlen, mehr Energie zu haben und mit dieser Energie meine Ziele umsetzen zu können.

Als Einschränkung sehe ich meinen Lebensstil nicht: Wenn ich mal Lust habe, mit Freunden Pizza essen oder etwas trinken zu gehen, mache ich das auch. Viele meiner Freunde interessieren sich aber selbst für ähnliche Themen wie ich und achten auf ihre Gesundheit.

Manche Biohacker träumen davon, über hundert Jahre alt zu werden. Ich fände es auch schön, mein Leben so lange zu genießen. Viel wichtiger ist es mir aber – vor allem nach meiner Krankheitsgeschichte – bis zum letzten Tag in einem gesunden Körper zu leben.“ ---