Democy

Ein Start-up aus München will Menschen eine zusätzliche Stimme geben – mit einer App.



Foto: © democy UG


• „Bei Versammlungen oder Sprechstunden sehe ich immer die gleichen Leute“, sagt Maximilian Böltl, Bürgermeister der Gemeinde Kirchheim bei München. „Junge Menschen oder Familien erreiche ich da nicht.“ Er möchte mehr Bürgerbeteiligung. Seit dem Sommer nutzen er und seine Kollegen aus den Fraktionen eine App namens Democy, mit der sie den Bürgern Fragen stellen können.

Soll der Wald am Gymnasium abgeholzt werden? Ist die Busverbindung ins Gewerbegebiet ausreichend? Brauchen wir mehr Fahrradstreifen? Wollen wir ein neues Schwimmbad?

Die App hat der Würzburger IT-Spezialist Julius Klingenmaier entworfen, der eigentlich bei BMW in München arbeitet. Die Idee kam ihm im Jahr 2016. Er wollte Bürger regelmäßig über politische Themen abstimmen lassen – mit einfachen Thesen auf dem Handy. Zum Antworten tippt man den Ja- oder Nein-Button, je nach Meinung. Schnell und direkt – wie bei Tinder.

Klingenmaier sieht die App als Entscheidungshilfe für Politiker, als Stimmungsbarometer und Gegengewicht zum Lobbyismus. An rund einem Dutzend Gründer-Wettbewerben hat er bereits teilgenommen, ist aber jedes Mal gescheitert: zu wenig Gewinnaussichten, so lautete das Urteil. Zudem lehnt Klingenmaier Geld aus der Privatwirtschaft strikt ab. Nichts soll die Unabhängigkeit der App infrage stellen.

Umso wichtiger sind Mitstreiter wie der Bürgermeister Böltl. Mit den Kirchheimer Fraktionen veranstaltete das mittlerweile zehnköpfige Democy-Team Workshops, sammelte Fragen, bearbeitete diese und stellte sie online. Sechs Wochen lang lief der Test. Dann wurde ausgewertet, es folgte eine zweite Fragerunde. Rund 300 Einwohner stimmten pro Frage ab.

Die Kritik liegt auf der Hand: Die Umfragen sind nicht repräsentativ, und gesellschaftliche Fragen werden auf ein einfaches Ja/Nein verkürzt. „Aber sind Bürgerversammlungen repräsentativ?“, fragt Maximilian Böltl. „Und stehen Politiker am Ende nicht auch immer vor einer Ja/Nein-Entscheidung – ganz egal wie komplex der Sachverhalt ist?“

Positiv überrascht ist Böltl von dem abgegebenen Urteil der Bürger. Die Frage nach dem neuen Schwimmbad bekam zum Beispiel nur eine knappe Mehrheit. „Das hätte ich nicht erwartet“, sagt er. „Viele Bürger berücksichtigen offenbar auch die finanzielle Lage der Gemeinde.“ Daher möchte er Democy auch zukünftig in Kirchheim einsetzen. Die Verwaltung der Stadt Haßfurt in Unterfranken hat ebenfalls Interesse bekundet. Und Würzburg wird mit dem Democy-Team an einer Open-Government-Ausschreibung des Innenministeriums teilnehmen. ---

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Julius Klingenmaier
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