Was Marken nützt

Sehr helle

Ein Student küsst eine Traditionsmarke wach – und begründet mit ihr ohne nennenswertes Kapital ein florierendes Unternehmen. Das ist die jüngere Geschichte von Petromax.





• Jonas Taureck, 40, führt stolz über die rund 11.000 Quadratmeter große Hallenfläche gegenüber der Firmenzentrale in einem Magdeburger Gewerbegebiet. Von hier aus werden mehr als 800 Artikel in alle Welt verschickt, unter anderem Grills, gusseiserne Töpfe, Lodenkleidung – und die legendäre Petromax-Laterne, die von zehn Mitarbeitern per Hand montiert wird.

Mit ihr fing Taurecks Erfolgsgeschichte an. Er entdeckte die hell strahlende Petroleumlampe als 20-Jähriger während eines Afrika-Trips in einem Dorf im Niger. Ein deutscher Tüftler hatte das Prinzip vor mehr als hundert Jahren erfunden. Anders als bei gewöhnlichen Funzeln wird der Brennstoff unter hohem Druck durch einen Vergaser geschickt. Das führt zu einer großen Lichtleistung bei sparsamem Verbrauch.

Zurück in Deutschland beschäftigte sich Taureck neben seinem Wirtschaftsstudium mit Petromax und begann mit einem Kommilitonen in seiner WG einen Handel mit den langlebigen Laternen und einzelnen Verschleißteilen wie Dichtungen. Der junge Mann nahm auch Kontakt zum Glashersteller Schott auf, dem die Marke gehörte, drang dort aber zunächst nicht durch. Taureck ließ nicht locker und dokumentierte sein Interesse durch die Bestellung einiger Tausend Glaszylinder für die Laterne – „danach nahmen sie mich ernst“.

Im Jahr 2006 gelang es dem BWL-Studenten, die weltweiten Rechte an der Marke für 50 000 Euro zu kaufen. Er holte die Produktion aus China nach Deutschland und baute die Manufaktur in Magdeburg auf. Ein einträgliches, aber überschaubares Geschäft, das er zunächst mit dem Kommilitonen betrieb, heute führt er das Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau Pia Christin, 34, einer promovierten Betriebswirtin.

Der Wendepunkt war die Ausweitung der Marke. „Ich habe mir überlegt, was zu Petromax passen könnte“, sagt Taureck. Er kam auf gusseisernes Equipment zum Kochen auf offenem Feuer. Der Großhandel war zunächst nicht begeistert, aber die Produkte verkauften sich. Etliche weitere kamen hinzu: Feuerstellen, ein faltbarer Grill, jüngst Kühlboxen, die Speisen und Getränke über Tage kalt halten. Die Magdeburger haben eine interessante Klientel entdeckt: vornehmlich mittelalte, wenig preissensible Männer, die gern am Lagerfeuer hocken und es dort gemütlich haben wollen. „Unser Kunde ist der Marlboro-Mann, nur ohne Zigarette“, sagt Taureck.

Er lässt sich aus alten Büchern und Magazinen zu immer neuen Produktideen mit Retro-Charme inspirieren. Mittlerweile kümmen sich sechs Ingenieure um die Umsetzung. Fast dreimal so groß ist das Marketing-Team, das die Kundschaft vornehmlich auf Social Media umgarnt. ---

Der Berliner Unternehmer Max Graetz entwickelt 1910 eine neuartige Petroleumlampe. Der Brennstoff wird wie beim Dieselmotor unter hohem Druck in einen zuvor erhitzten Vergaser geleitet, dort verdampft und in einem Glühstrumpf verbrannt. Dadurch entsteht ein sehr helles Licht – und ein charakteristisches fauchendes Geräusch. Den Markennamen leitet Graetz von seinem Spitznamen „Petroleum-Maxe“ ab. Petromax-Lampen werden ein großer Erfolg, weltweit exportiert und bis in die Sechzigerjahre von dem Unternehmen gefertigt. In den Siebzigerjahren geht die Nachfrage zurück. Später wird die Produktion zunächst nach Portugal, dann nach China verlagert. Die Marke geht durch mehrere Hände, bis Jonas Taureck sie 2006 erwirbt. 2016 übernimmt seine Firma mit Feuerhand eine weitere, mehr als hundert Jahre alte Traditionsmarke für Sturmlaternen. Und im Jahr 2019 kommt mit Roughstuff ein Hersteller sportlicher Lodenbekleidung hinzu. Der durch Corona ausgelöste Trend zum Aufenthalt im Freien habe dem Geschäft einen zusätzlichen Schub verliehen, so Jonas Taureck: „Wir arbeiten an der Kapazitätsgrenze.“

Petromax GmbH

Mitarbeiter: rund 70
Umsatz 2019: rund 10 Mio. Euro, für 2020 geplant: 20 Mio. Euro

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