Prototyp – Idee sucht Geld

Bon!

Ein elektronischer Kassenbon soll der Zettelwirtschaft im Handel ein Ende bereiten.



Abbildung: KIT, Amadeus Bramsiepe


• Thomas Völk, Student am Karlsruher Institut für Technologie, hat mit seiner Firma Neobon einen elektronischen Kassenzettel entwickelt, der mittels Nahfeldkommunikation (NFC) übertragen wird. Beim Bezahlen übermittelt der Händler mit einem speziellen Gerät den digitalen Beleg auf das Handy des Kunden. Dazu ist keine Internetverbindung nötig – nur die Abstände zwischen den Geräten dürfen nicht zu groß und das Handy nicht zu alt sein.

Der Anlass für die Erfindung war die sogenannte Belegausgabepflicht – kurz Bonpflicht – , die seit dem 1. Januar 2020 in Deutschland gilt. Seitdem müssen Händler ihren Kunden einen Kassenbon zur Verfügung stellen, auch wenn diese ihn gar nicht haben wollen. Meist wird der Bon gedruckt und sofort weggeworfen. Die Handelskette Rewe rechnet mit einer zusätzlichen Papierschlange von 140 000 Kilometern pro Jahr. Das verursacht Kosten, schadet der Umwelt und möglicherweise auch der Gesundheit. Denn viele Bons sind aus beschichtetem Thermopapier, das krebserregende Chemikalien enthält.

Thomas Völk und sein Partner Paul Mattes suchten nach einer Alternative. Die elektronischen Bon-Systeme, die es bereits gab, gefielen ihnen nicht: „Die meisten E-Bons werden per Mail an den Kunden verschickt oder in einer Cloud gespeichert“, sagt Völk. „Aber was macht ein Händler, der keinen Internetanschluss hat? Oder eine schlechte Verbindung?“

Das Duo wollte eine Lösung finden, die ohne Netz und externe Server funktioniert und die Daten schützt. „Schließlich geht es um sensible Informationen, zum Beispiel bei Apotheken“, sagt Völk.

Im Januar machten sich die beiden an die Arbeit, im April hatten sie den ersten Prototyp fertig. Damit gewannen sie den Ideen-Wettbewerb des Landes Baden-Württemberg und einen Studentenwettbewerb in Freiburg, bei dem sie Kris-Filip Kahl und Josef Flößer kennenlernten, die darauf Teil des Teams wurden.

Das Kernstück ihrer Entwicklung ist der NeoPrinter, ein kleines Gerät, das die Daten aus der Kasse per NFC direkt an das Handy des Kunden schickt. Nur dort werden die Informationen gespeichert. Völk: „Das ist nicht ganz trivial, weil diese Technik nur wenige Zeichen übermitteln kann.“ Es dauerte ein wenig, bis das Team in der Lage war, nicht nur den Geldbetrag, sondern auch die Produktinformation zu übertragen.

Das Finanzamt hat die Ergebnisse geprüft und für konform mit der Abgabenordnung erklärt. In Zukunft sollen Kunden ihre Ausgaben auch nach Kategorien ordnen und die Daten an ihren Steuerberater weiterleiten können.

Die Hardware soll den Händler 120 Euro kosten, weitere Kosten sollen nicht hinzukommen. Das Team will der Allgemeinheit die Software als Open-Source-Code zur Verfügung stellen. „Die Anschaffung rentiert sich für den Händler nach einem Jahr“, sagt Thomas Völk. Mehrere Anfragen gebe es bereits. ---

Thomas Völk, Paul Mattes, Kris-Filip Kahl und Josef Flößer
Mit Unterstützung vom Karlsruher Institut für Technologie

Kontakt: info@neobon.de