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Prototyp – Idee sucht Geld

Ohnmacht droht!

Der richtige Umgang mit Diabetes ist schwierig. Ein interaktives Tool soll Betroffenen nun Orientierung geben.



© PFH Private Hochschule Göttingen


• Was und wie viel habe ich heute gegessen? Wie oft habe ich mich bewegt? Wie wird sich mein Blutzuckerspiegel verändern, und wie viel Insulin brauche ich? Vor allem Menschen, die gerade an Diabetes erkrankt sind, tun sich schwer mit der Beantwortung dieser Fragen.

Stephan Weibelzahl, Wirtschaftspsychologe an der Privaten Hochschule Göttingen, erkannte dieses Problem, als ein Nachbarskind an Diabetes erkrankte. „Das Kind war fünf Jahre alt, und die Eltern waren völlig verunsichert, was sie tun sollten“, sagt er. „Man muss viel über die Krankheit lernen und seinen Körper beobachten. Dabei gibt es wenig Hilfe.“

In Deutschland leiden etwa 6,5 Millionen Menschen an Diabetes, Tendenz steigend. Es ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten hierzulande – mit großem Beratungsbedarf beim Arzt.

Betroffene müssen regelmäßig Blutproben nehmen, um die Glukose-Konzentration im Blut zu bestimmen. Nach dieser richtet sich die Menge an Insulin, die sie sich mit einem sogenannten Pen spritzen. Bewegung und Ernährung beeinflussen den Blutzuckergehalt.

Um die Schwankungen besser verstehen zu können, führen Neuerkrankte oft ein Tagebuch mit allen Daten.

„Ich wollte ein System, das die Daten automatisch zusammenführt, auswertet und konkrete Handlungsanweisungen gibt“, sagt Weibelzahl. Seine Idee: Das Blutzuckermessgerät und der Insulin-Pen sind vernetzt und senden die Werte an einen Server. Ein Schrittzähler im Handy oder in der Smartwatch verschickt ebenfalls Daten. Kombiniert mit einer Lebensmitteldatenbank, soll ein Algorithmus dann Vorhersagen treffen, wie sich der Blutzuckerwert verändern wird. In Form von Hinweisen werden sie an das Handy gesendet. Etwa: „Ihr geschätzter Blutzuckerwert liegt deutlich unter dem Normalbereich. Traubenzucker oder Saft kann helfen, den Wert zu normalisieren.“

Überschreitet der Wert einen Toleranzbereich, soll das System warnen. Eine Unterzuckerung kann bis zur Bewusstlosigkeit führen, eine Überzuckerung zu Durchblutungs- und Sehstörungen bis hin zum Erblinden oder zu Amputationen.

Im Februar 2015 begann Weibelzahl, seine Idee namens GlycoRec zu verwirklichen. Das Forschungszentrum L3S der Leibniz Universität Hannover entwickelte den Algorithmus, die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden kümmerte sich um die Sensorik, auch das Deutsche Diabetes-Zentrum beteiligte sich an der Entwicklung.

Stephan Weibelzahl und sein Team koordinierten, führten die Ergebnisse zusammen und schrieben die Empfehlungen. „Sie sollten verständlich sein und den Patienten nicht nerven“, sagt er. „Schließlich greifen wir mit unseren Mitteilungen in ihre Privatsphäre ein.“

Der Prototyp funktioniert. In den kommenden Monaten soll die Partner-Firma Emperra GmbH aus Potsdam, das System Stück für Stück zur Marktreife führen. ---

GlycoRec

PFH Private Hochschule Göttingen
Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,4 Millionen Euro

Kontakt: weibelzahl@pfh.de