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Blick in die Bilanz – Match Group

Internet-Konzerne wollen die Welt beherrschen. Dabei muss das gar nicht sein – wie die Match Group, Marktführer beim Online-Dating, beweist.





• Der US-Konzern Match Group, zu dem unter anderem das weltweit größte Dating-Portal Tinder gehört, hat bislang ein gutes Jahr hinter sich. Der Umsatz, der sich aus Einnahmen aus Abonnements und Werbung speist, stieg in den ersten neun Monaten 2018 auf 1,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Beim Gewinn vor Steuern gelang sogar mehr als eine Verdopplung auf 353 Millionen Dollar. Das entspricht einer Vorsteuerrendite von 27,7 Prozent (Gewinn vor Steuern im Verhältnis zum Umsatz), was zwar nicht ganz an die 45 Prozent herankommt, die der Social-Media-Gigant Facebook einstreicht, aber trotzdem nicht schlecht ist. Es stellt beispielsweise das Ergebnis der Google-Mutter Alphabet in den Schatten: Sie kam nur auf 25,4 Prozent.

Dabei ist Match Group ein Winzling im Social-Media-Universum: Das Unternehmen hat rund 300 Millionen Nutzer. Facebook bringt es auf 2,3 Milliarden. Der Zwerg widerlegt mit seinem finanziellen Ergebnis die weitverbreitete These, dass ein Internet-Konzern möglichst schnell wachsen und am besten gleich den Weltmarkt beherrschen müsse, um wirklich erfolgreich zu sein. Match Group ist zwar mit 45 verschiedenen Dating-Angeboten in allen Teilen der Welt vertreten, 44 Prozent der Abonnement-Einnahmen stammen aus dem Ausland. Aber die Firma ist nirgendwo dominant, selbst in ihrem US-Heimatmarkt kommt sie lediglich auf einen Marktanteil von gut 25 Prozent. Tinder macht ein Fünftel davon aus.

Der Erfolg beruht vor allem auf einer Erkenntnis: In Liebesfragen ticken die Menschen zu unterschiedlich, als dass es ein Monopol à la Facebook geben könnte. Weltweit helfen rund 8000 Onlinedienste bei der Partnersuche. Manche sprechen Junge an, manche Ältere, einige zielen auf Flirts, andere auf Beziehungen. Kaum ein Anbieter hat einen vergleichbar großen Mix wie Match Group. Ständig kauft die Firma Anbieter hinzu, um ihren Kunden viele Optionen zu bieten und sie im Konzern zu halten. So erwarb sie im Juni 2018 die Mehrheit an Hinge (Preis enthalten in Capital expenditures), das Kunden binden soll, die aus der jugendlichen Tinder-Klientel herauswachsen.

Der Mix ist auch deswegen nützlich, weil die Portale unterschiedlichen ökonomischen Logiken folgen. Apps wie Tinder, die Nutzer-Profile automatisch und billig aus den Daten von Facebook, Instagram oder Spotify erstellen, ziehen junge Leute an und wachsen schnell. Dafür liegen die Abo-Preise aber nur zwischen vier und acht Dollar monatlich. Etwa die Hälfte der durchschnittlich rund acht Millionen zahlenden Kunden der Match Group sind reifere Jahrgänge. Sie nutzen die klassischen Dienste der Partnersuche wie zum Beispiel OkCupid oder Match.com, die mit Persönlichkeitsprofilen arbeiten und monatlich höhere Abo-Preise von um die 25 Dollar haben. Dafür wachsen sie langsamer. Insgesamt kommt Match Group mit ihrem Mix auf ein gutes Wachstum und durchschnittliche Erträge pro zahlenden Nutzer (ARPU, Average Revenue per Paying User) von 57 Cent pro Tag, also rund 17 Dollar im Monat.

Match Group mag nicht an Facebook herankommen, hat aber dennoch Größenvorteile. Das zeigt ein Vergleich mit dem deutschen Anbieter Spark Networks (eDarling, EliteSingles), der knapp 100 Millionen Euro jährlich umsetzt. Die Herstellungskosten, vorwiegend Ausgaben für den Plattformbetrieb, also Personal und IT, machen bei Spark 70 Prozent des Umsatzes aus, bei Match Group nur 23,5 Prozent. Auch im Marketing hat die Firma Vorteile: Das Budget lag in den ersten neun Monaten dieses Jahres bei 317 Millionen Dollar, Spark gab nur 2,5 Millionen Euro aus – und schreibt trotzdem rote Zahlen. Den Amerikanern hingegen flossen im selben Zeitraum 425 Millionen Dollar an Cash zu. Sie werden das Geld allerdings teilweise zur Stützung ihres Aktienkurses einsetzen müssen. Der Grund: ein Kurssturz – ausgelöst durch die Nachricht, dass Facebook mit einem Gratis-Angebot in den Dating-Markt einsteigen will. ---

Match.com, eine Website zur Partnersuche, wurde 1995 von dem Amerikaner Gary Kremen gegrün-det und fünf Jahre später an den Medienkonzern IAC verkauft. Er fusionierte das Unternehmen mit anderen Dating-Portalen zur Match Group und brachte es im Jahr 2015 an die Börse. Zu der in Dallas ansässigen Firma gehören 45 Portale zur Partnersuche, in 42 Sprachen und 190 Ländern. Die Match Group beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter.