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Das geht

Brettln nach Maß

Siegfried Rumpfhuber macht Ski persönlich: Er stimmt Material und Bauweise auf jeden Fahrer individuell ab.





• Der Weg zur Einzigartigkeit ist für alle gleich. Es gilt, 21 Fragen zu beantworten: In welchem Gelände fährst du Ski? Wie schätzt du dein Fahrkönnen ein? Wo wirst du bevorzugt deine Schwünge ziehen? Ausgedacht hat sich diese Fragen Siegfried Rumpfhuber, 41 Jahre alt. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem österreichischen Ski-Idol Hermann Maier, und er klingt auch so – vor allem wenn er in schönstem Salzburgerisch sagt: „Ein bisserl narrisch ist es sicher.“

Rumpfhuber produziert mit seiner Firma Typs in Salzburg maßgefertigte Ski. Bisher gab es solche nur im Profisport. Dort wird so lange getüftelt, bis die Ski perfekt zum Läufer passen. „Sauber gerechnet kostet ein solches Paar 8000 bis 10.000 Euro“, sagt Rumpfhuber. Er hat einen Weg gefunden, seine Ski namens Original+ für 600 bis 800 Euro anzubieten.

Während Rumpfhuber in Innsbruck Betriebswirtschaft studierte, fuhr er selbst Rennen. In seiner Diplomarbeit entwickelte er für den Ski-Produzenten Fischer ein Franchise-Konzept.

Die Idee landete in der Schublade, brachte ihm aber einen Job als Produktmanager bei der Firma. Später arbeitete er als Berater und stellte fest, dass Pläne für die Individualisierung von Produkten oft scheitern. „Nicht umsetzbar, weil zu teuer oder zu kompliziert.“ Er beschloss, das Gegenteil zu beweisen.

Zunächst wollte er mit einem persönlichen Entwickler arbeiten. Doch das ist teuer: „2000 Euro pro Paar – dafür gibt es praktisch keinen Markt.“ Seine Erkenntnis: „Wenn ich Individualisierung will, muss ich das Gespräch mit dem Kunden automatisieren.“


„Ein bisserl narrisch ist es sicher“

Mit dem Salzburger Start-up Fact.AI, das auch für die Porsche Holding einen digitalen Verkaufsberater entwickelt hat, schuf er ein selbstlernendes Programm. Es übernimmt die Aufgaben eines Entwicklers, wertet die Antworten auf die 21 Fragen aus und konfiguriert den Ski. „Je mehr Daten, desto besser die Empfehlung der Software“, sagt Rumpfhuber. Der Experte, der im persönlichen Gespräch Fahrweisen und Vorlieben des Kunden bewertet, ist damit obsolet. Ebenso wie der Fachmann, der, basierend auf dieser Analyse, den passenden Ski entwickelt. Das System war der Durchbruch, um den Preis zu senken.

Aktuell ordnet Rumpfhuber den möglichen Konfigurationen 600 Bauweisen zu. Das bedeutet, dass die 32 Teile, aus denen jeder Ski gefertigt ist, auf den Fahrer abgestimmt werden. Zum Beispiel: Der Kern eines Original+ besteht aus Holz – aus Pappel, Esche oder einer Kombination der beiden Hölzer. Zusammensetzung, Verarbeitung oder Stärke wirken sich auf das Fahrverhalten aus und werden bei Original+ deshalb entsprechend angepasst.

Das sei sinnvoll, sagt der Sportwissenschaftler Toni Beretzki. Er hat mit Ski-Größen wie Hermann Maier, Stephan Eberharter und Hans Knauß gearbeitet und gilt als Experte für individualisiertes Training: „Jeder Athlet ist auf der Suche nach dem besten Schwung.“ Um dieses Ziel zu erreichen, „musst du dir den Skifahrer als Einheit von Mensch, Schuh und Ski vorstellen“. Weshalb der beste Ski der sei, der am besten zum Fahrer passt. „Ich denke, dass vor allem ambitionierte Skifahrer davon profitieren werden.“

900 Paar der Brettln will Rumpfhuber in diesem Jahr in seiner 300-Quadratmeter-Werkstatt in Salzburg verkaufen – so die Prognose, ausgehend vom bisherigen Verkauf. Noch finanziert er den Vier-Mitarbeiter-Betrieb mit einem 200.000-Euro-Zuschuss der österreichischen Förderbank und Eigenkapital. Sollte er im nächsten Jahr wie geplant 1500 Paar verkaufen, würde er bereits positiv bilanzieren. „Langsam wird die Werkstatt zu klein“, sagt er. Und wirkt dabei gar nicht narrisch.

Dafür steht auch der Name der Firma von Siegfried Rumpfhuber: Typs steht für „Take your pleasure seriously“ – „Nimm dein Vergnügen ernst“. ---

Auf der Sportmesse ISPO wurde Typs mit seinem Konzept zur Massenmaßanfertigung gerade zum besten Start-Up der Sportbranche gekürt.