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Wirtschaftsgeschichte

Die Spiegel-Affäre

Im 17. Jahrhundert hatten die Venezianer ein Monopol auf erstklassige Spiegel – bis sich die Franzosen in den Luxusartikel verliebten.





• Sich selbst zu betrachten war schwierig im 17. Jahrhundert. Gewöhnliche Leute benutzten polierte Stahlplatten, in denen sie ihr Gesicht nur schemenhaft erkannten. Wohlhabende hatten zwar Spiegel, die mehr oder weniger ihren Zweck erfüllten, aber die feinsten, klarsten Spiegel besaßen die wenigsten – sie gelangen nur den Glasern von Venedig. Das rare Luxusprodukt war in Europa und dem Nahen Osten gefragt, die Venezianer verdienten gut daran.

Sie wussten sehr genau, dass ihr Wohlstand auf ihrer Monopolstellung beruhte. Entsprechend groß war die Sorge, jemand könnte das Rezept für die besten Spiegel der Welt stehlen. Um das Geheimnis zu bewahren, entwickelten die Venezianer vielfältige Strategien: Sie verlagerten die Produktion auf die Insel Murano, die in der Lagune Venedigs liegt, abgeschirmt von den neugierigen Blicken Fremder. Sie behandelten die Glasmacher nicht wie Handwerker, sondern hofierten sie wie Künstler. Sie gewährten ihnen Privilegien, zum Beispiel das Recht, in höhere Kreise einzuheiraten. Vorsichtshalber drohten sie ihnen zugleich: Wenn einer sein Wissen Konkurrenten im Ausland verrate, komme seine Familie ins Gefängnis. Falls er nicht freiwillig zurückkehre, werde man jemanden schicken, um ihn umzubringen.

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