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Scewo

Ein Start-up aus Winterthur entwickelt einen Rollstuhl, der Treppen steigen kann.





• Hinten steht die Test-Treppe. Lediglich ein paar Tritte hoch, eigentlich banal, aber mit dem Rollstuhl ein unüberwindliches Hindernis, sofern Rampe, Aufzug oder helfende Hände fehlen. Was leider immer noch oft genug der Fall ist. Aber das Team von Scewo hat die Treppe nicht als Fanal des Scheiterns aufgebaut, sondern als Beweis, dass Stufen ihren Schrecken verlieren werden. Zumindest mit dem „Scewo Bro“, einem Rollstuhl, der weit mehr ist als ein Elektro-Rolli: Dank eines integrierten Raupenantriebs lässt er sich auch von Hindernissen nicht mehr ausbremsen.

„Wir haben alles selbst aufgebaut: die Mechanik, die Antriebe, die Steuerungssoftware“, sagt Thomas Gemperle, 32, der zu den drei Gründern der Schweizer Firma gehört. Momentan arbeitet das zwölfköpfige Team am vierten Prototyp, dann folgen die ersten Produkte für den Markt. Noch im Lauf dieses Jahres sollen 30 Exemplare montiert und per Direktvertrieb in der Schweiz verkauft werden. Erst dann startet die eigentliche Serienproduktion, bei der Scewo auf handverlesene, eidgenössische Zulieferer und Montagepartner setzt.

35.500 Schweizer Franken, rund 31.200 Euro, wird der Scewo Bro kosten – die Liste der Vorbestellungen ist schon jetzt lang. „Ein vergleichbarer Elektro-Rollstuhl kostet mindestens 25.000 Euro, ist aber nicht treppengängig“, sagt Gemperle. Wenn die Produktion stabil läuft und passende Händler für den Vertrieb gefunden sind, soll 2020 der deutsche Markt folgen.

Die Geschichte von Scewo begann 2014 in Zürich. Damals fanden sich angehende Maschinenbau-Ingenieure der Züricher ETH und Designer der Hochschule der Künste (ZHdK) in einem interdisziplinären Projekt zusammen. In einem knappen Jahr, so die Vorgabe der Hochschulen, sollte ein Prototyp eines innovativen Geräts entstehen. Der ursprünglich geplante treppensteigende Roboter verwandelte sich bald in einen Rollstuhl, mit dem das Team 2016 bei der Züricher Cybathlon-Challenge, einem Wettbewerb für neuartige Mobilitätshilfen, antrat. Damals scheiterte man zwar, sammelte aber „jede Menge Kontakte und Feedback“, so Thomas Gemperle.


Links: Die drei Gründer Thomas Gemperle, Pascal Buholzer und Bernhard Winter (von links). Der Scewo Bro ist nicht nur wendig, sondern kann seine Sitzhöhe tischgerecht nach unten oder konversationsfördernd auf Augenhöhe verschieben


„Wir haben uns bewusst an automobilen Vorbildern orientiert.“

Nach Abschluss des Studiums schlug die Mehrzahl des Teams andere Wege ein – auch weil die Weiterführung des Projekts zu ungewiss erschien. Nur die Ingenieure Bernhard Winter und Pascal Buholzer sowie der Industriedesigner Thomas Gemperle blieben an Bord. Im August 2017 gründeten sie Scewo, sammelten rund eine Million Franken als Startkapital ein und stellten die ersten beiden Mitarbeiter ein. Eine Präsentation im Landesmuseum in Zürich brachte viel Aufmerksamkeit – und die ersten Vorbestellungen. In zwei bis drei Jahren wollen die jungen Gründer in der Gewinnzone sein und dann mehrere Hundert Exemplare im Jahr produzieren. Eine aktuell laufende Investorenrunde soll die kritische Phase des Markteintritts und den Produktionsanlauf mit zwei Millionen Franken absichern.

„Solch komplexe Produkte stellen Start-ups vor große Herausforderungen, was die Serienumsetzung, die Qualität und Betriebsfestigkeit sowie den schnellen Service in Pannensituationen betrifft“, sagt Stefan Lippert vom Stuttgarter Designstudio Up. Er beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Mobilitätshilfen. Den Winterthurer Elektro-Rolli hält er für ein „beeindruckendes Konzept. Die Funktionalität und das nicht stigmatisierende Design werden für große Akzeptanz sorgen“.

Für die Gründer spielte das Design eine zentrale Rolle: „Wir haben uns bewusst an automobilen Vorbildern orientiert, mit sportlichem, modernem Charakter“, erläutert Gemperle mit Blick auf die an Heck und Front integrierten LED-Streifen sowie die schwungvolle, trotz der aufwendigen Technik kompakte Karosserie. ---