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Pattarina

Eine Gründerin aus Cottbus erleichtert Hobbyschneidern die Arbeit.



Foto: © Pattarina GmbH


• Rund fünf Millionen Menschen in Deutschland nähen, und viele verzweifeln an den Schnittmustern. Man muss sie als PDF herunterladen, auf mehreren DIN-A4-Seiten ausdrucken, zusammenkleben und schließlich an Linien entlang die Form ausschneiden.

Nora Baum hatte die Idee, die Vorlagen direkt auf den Stoff zu projizieren. Die Hobbynäherin hat an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg über die Digitalisierung von Handwerksleistungen promoviert und danach vier Jahre als Beraterin bei McKinsey gearbeitet. Sie versuchte, die Schnittmuster mit einem Beamer auf den Stoff zu übertragen. Die ersten Ergebnisse waren vielversprechend, die Reaktionen auf einer Kreativmesse durchweg positiv. „Aber wer kauft schon einen 800-Euro-Beamer nur für Schnittmuster?“, sagt Baum.

Zu Hilfe kamen ihr Claus Lewerentz, Professor an der BTU Cottbus am Lehrstuhl Praktische Informatik und Softwaresystemtechnik, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der Informatiker Markus Uhlig, der sich mit Softwarevisualisierung beschäftigt. Er verwandelte die Idee in eine App. Der Nutzer hält sein Handy über den Stoff und sieht in der Kameraansicht die virtuellen Linien auf dem Display. Diese überträgt er dann mit einem Stift auf den Stoff. „Das ist erst einmal ein seltsames Gefühl, weil man durch die Kamera nur noch in 2-D sieht“, sagt Baum. „Die ersten Punkte, die man setzt, sind noch unbeholfen, aber man gewöhnt sich schnell daran.“

Dabei ist es egal, wie man das Handy hält – ob nah, fern oder gekippt, sodass die Perspektive verzerrt wird. Durch einen Positionsmarker, eine Art Anker, stellt die App das Schnittmuster immer korrekt dar. „Wir schaffen eine Genauigkeit von zwei Millimetern“, sagt Baum, „das ist unsere Toleranzschwelle.“

Diese Präzision hat Lewerentz gereizt: „Die genaue Übertragung von geometrischen Informationen auf die reale Welt eröffnet neue Möglichkeiten“, sagt er. „Stellen Sie sich vor, Sie bekommen von Ihrem Möbelhaus einen QR Code und sehen damit durch das Handy die exakten Bohrlöcher für Ihr neues Regal an der Wand.“

Sechs Prototypen haben Baum und Uhlig bereits entwickelt, viele Interviews geführt und Anfang des Jahres eine Beta-Version von 1600 Hobbynäherinnen testen lassen. Die Universität verhalf ihnen zu einem Exist-Stipendium, und eine Kickstarter-Kampagne brachte 20 000 Euro.

Ende Juni soll die App kostenlos unter dem Namen Pattarina erscheinen. Sie enthält Schnittmuster zum Ausprobieren. Weitere können bei Kooperationspartnern (zum Beispiel beim Burda Verlag) hinzugekauft werden. Baum und Uhlig erhalten dafür eine Provision vom Anbieter.

In Zukunft soll die App noch mehr können. Möchte man die Hose länger oder die Taille schmaler anfertigen, errechnet die App die entsprechende Vorlage. „Am Ende könnte eine ganz neue Plattform nur für Schnittmuster entstehen“, sagt Lewerentz. ---

Kontakt:

Pattarina GmbH
Nora Baum, Markus Uhlig
info@pattarina.de