Teil IV

Was wurde aus …

Geschichten, von denen sich unsere Leser Fortsetzungen wünschten.



Text: Ruth Fulterer
Fotografie: Diambra Mariani

Die unkonventionelle Firma wächst und gedeiht. Die katalanische Kooperative, die Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen beschäftigt, hat inzwischen rund 400 Mitarbeiter. Sie produziert Joghurt und macht damit jährlich knapp 23 Millionen Euro Umsatz.

Der Psychologe Cristóbal Colón gründete sein Unternehmen 1984 mit 14 Patienten einer psychiatrischen Klinik, ohne Plan, was er verkaufen wollte. In erster Linie wollte er den Menschen Arbeit geben, denn er war überzeugt, dass die besser heilt als eine Beschäftigungstherapie. Immer noch sind die Hälfte der Mitarbeiter Menschen, die im gewöhnlichen Berufsalltag nicht zurechtkommen würden. Jeder tut, was er kann, melkt Kühe, verpackt Joghurt oder macht Büroarbeit. Manche arbeiten nur eine Stunde, andere acht Stunden am Tag. Trotzdem liegen die Gehälter über dem Mindestlohn, und die Firma ist wirtschaftlich erfolgreich. Denn die Marke La Fageda steht für Qualität.

Neuerdings beschäftigt das Unternehmen zudem ehemalige Häftlinge, überdies sind Weiterbildungen geplant, damit Mitarbeiter der Kooperative auch anderswo arbeiten können. 40 frühere Mitarbeiter sind diesen Schritt bereits gegangen. Sie haben ihre Krisen so weit überwunden, dass sie bei gewöhnlichen Firmen arbeiten können. Von La Fageda bleibt ihnen das Versprechen, dass sie zurückdürfen, sollte es mal wieder schlechter laufen. ---

Originalartikel der Ausgabe 04/2017

Ein Psychologe versucht sich an einer neuen Therapie und wird zu einem der größten Joghurtproduzenten Spaniens.

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Text: Ruth Fulterer
Fotografie: Evelyn Dragan

Mehr Läden – mehr Menschen. Das war die Idee von „Alwin“, dem aktiven Leerstandsmanagement in der Wittlicher Innenstadt. Es ist immer noch erfolgreich.

Noch vor acht Jahren hatte Wittlich in Rheinland-Pfalz die Probleme vieler Kleinstädte: heruntergekommene Häuser im Zentrum und Leerstand. 2011 begannen Angestellte der Kommune eine Initiative gegen den Verfall. Sie organisierten Zuschüsse für Renovierungen – finanziert von Bund, Land und Stadt. Von 2015 an überzeugten sie zudem Eigentümer, ihre Läden jungen Gründern vergünstigt anzubieten.

Als brand eins vor gut zwei Jahren berichtete, standen 24 Läden leer, heute sind es noch 16. Der Fachbereichsleiter der Wirtschaftsförderung Rainer Wener berichtet, dass das Projekt auch anderswo auf Interesse stoße: „Es waren schon mehr als 30 Vertreter aus anderen Städten hier – sogar aus Trier und aus Esch an der Alzette in Luxemburg.“

Die Zigarren-Lounge und den Whiskyladen, die zu den ersten unterstützten Mietern gehörten, gibt es immer noch. Viele der Läden, die durch die Initiative neu hinzugekommen sind, bieten regionale Spezialitäten an – von Marmelade bis zum „Wittlich Gin“. Einmal im Monat neuerdings auch auf dem Marktplatz.

„Die Bewohner schätzen, dass sich langsam so etwas wie urbanes Leben in Wittlich bildet“, sagt Rainer Wener. Auch deshalb zögen immer mehr Leute in die Innenstadt.

Vor dem Projekt haben dort 600 Menschen gelebt, heute sind es 1100. ---

Originalartikel der Ausgabe 07/2017

Viele Kleinstädte veröden, der Einzelhandel stirbt. Was man dagegen tun kann, zeigt Wittlich in Rheinland-Pfalz.

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Text: Steffan Heuer

Damals kamen wir zu dem Schluss, dass der Konzern „das Prinzip Versuch und Irrtum konsequent verfolgt – und dabei mehr Flops landet, als Freund und Feind vermuten“.

Wie steht der Tech-Riese heute da? Seit 2015 heißt die Konzernmutter Alphabet, und Google ist nur noch der größte Teil des gesamten Unternehmens mit knapp 100 000 Mitarbeitern. Der weltweite Umsatz hat sich von etwa 66 Milliarden Dollar im Jahr 2014 auf 136 Milliarden Dollar 2018 mehr als verdoppelt.

Nach wie vor macht der Konzern mit Onlinewerbung 85 Prozent seines Umsatzes. Die Bilanz der anderen Geschäfte ist durchmischt.

• Chrome Browser, Android OS, Google Assistant: Diese Software ist entweder führend oder zählt zu den Top 3 der jeweiligen Kategorie, da sie Googles Datenschatz nutzt und immer weiter vergrößert.

• Maps: Googles Landkarten, verbunden mit Verkehrsdaten in Echtzeit, haben sich als Standard etabliert und werden fürs Werbegeschäft genutzt.

• Autonomes Fahren: Mit der Firma Waymo ist der Konzern Vorreiter bei der Technik. Taxis ohne Fahrer werden bereits in Phoenix, Arizona, getestet.

• Autonomes Fliegen: Auch bei diesem Zukunftsthema ist der Konzern unter anderem dank der Software KittyHawk zur Steuerung von Drohnenflotten vorn dabei. Eigene Fluggeräte der Tochter Wing werden bald abheben.

• Künstliche Intelligenz: Hier spielt Alphabet in der Oberliga mit, auch wenn der Zukauf der britischen Firma DeepMind sich noch nicht ausgezahlt hat.

• Cloud-Computing für Firmen: Google liegt weit abgeschlagen hinter Amazon und Microsoft auf dem dritten Platz und kommt nicht recht voran.

• Messaging und Social Media: Der Konzern spielt keine Rolle – verglichen mit Facebooks Imperium aus Messenger, Whatsapp und Instagram sowie Apples iMessage.

• Robotik: Erst wurden in großer Eile neun Firmen gekauft – darunter der Branchenpionier Boston Dynamics –, dann ebenso rasch wieder verkauft.

• Mixed Reality: Seit der Pleite mit Google Glass verfolgt man das Thema Augmented Reality zurückhaltend, aus dem Geschäft mit Virtual Reality hat sich Google gerade zurückgezogen.

• Gesundheit: Google Health ist Geschichte. Experimente rund um Wellness und Anti-Aging wurden ausgelagert. Der Kauf der Wearables-Marke Fitbit soll Zugang zu einer großen Menge Gesundheitsdaten schaffen.

• Die anhaltende Debatte über Datenschutz und Algorithmen, die die Menschen zu konzerneigenen Angeboten lotsen. Hier drohen Prozesse, hohe Geldstrafen – und womöglich sogar die Zerschlagung des Konzerns. ---

Originalartikel der Ausgabe 11/2014

Google kann alles. Will alles. Wird alles. Wirklich?

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Text: Harald Willenbrock
Fotografie: Oliver Helbig

Was passiert, wenn ein Jahrzehnte alter Schutzzaun abgerissen wird? Im September 2005 hatte ein Schiedsgericht der Welthandelsorganisation WTO die sogenannte Zuckerpolitik der Europäischen Union – ein ausgeklügeltes System aus Quoten, Garantiepreisen, Exporterstattungen und Zöllen, mit dem man die heimischen Zuckerrübenbauern abschottete – als gesetzwidrig verurteilt.

Was ist seitdem geschehen? Während die deutschen Bauern lernen mussten, ohne Subventionen auszukommen, treten sie jetzt gegen Konkurrenten aus Thailand, Brasilien oder Indien an, deren Ernten staatlich subventioniert werden. Die Folgen: weltweite Überkapazitäten und ein massiver Preisverfall bei Zucker.

Die Nordzucker AG, einer der drei großen deutschen Hersteller, hatte sich mit einer Art Vorwärts-Verteidigungsstrategie auf den freien Markt vorzubereiten versucht. Sie machte heimische Zuckerfabriken dicht, entließ dort Mitarbeiter und kaufte im Ausland Firmen zu. 2009 schluckte das Unternehmen mit Stammsitz im niedersächsischen Braunschweig den nordeuropäischen Marktführer Danisco Sugar (heute: Nordic Sugar), zehn Jahre später auch die Mehrheit an Mackay Sugar Ltd., Australiens zweitgrößtem Zuckerproduzenten. Das erste volle Jahr nach Ende der Quotenregelung schloss das 3200-Mitarbeiter-Unternehmen – das sich mehrheitlich im Besitz der Zuckerrübenanbauer befindet – mit einem Umsatzrückgang von 18 Prozent und einem operativen Verlust von 58 Millionen Euro ab. Im Jahr davor hatte es noch 154 Millionen Euro Gewinn verzeichnet.

Seit 2006 haben rund 4000 der einst 9500 Nordzucker-Bauern den Anbau von Zuckerrüben aufgegeben. Helmut Bleckwenn aber, Landwirt aus der Hildesheimer Börde und Protagonist unserer damaligen Reportage, baut auch heute noch auf einem runden Viertel seiner 80 Hektar Rüben an.

Der Grund: Es gibt für seinesgleichen kaum Alternativen. Rübenbauer wie Bleckwenn haben ihr Kapital nicht in Kuhställe oder Molkereien, sondern in Rübenroder und Zuckerfabriken gesteckt. Auf den Wegfall der Subventionen hatte sich Helmut Bleckwenn mit einer Art privatem Effizienzprogramm – Zusammenschluss mit benachbarten Bauern, Umstieg auf ertragreichere Sorten und effizientere Maschinen, Experimente mit Bio-Anbau – vorzubereiten versucht.

Doch das reicht augenscheinlich nicht. Aktuell erhält er noch drei Euro pro Tonne Zuckerrüben (25 Prozent weniger als im Jahr 2006), die Tonne Zucker wird für 314 Euro gehandelt – laut Helmut Bleckwenn rund 100 Euro weniger, als deren Herstellung kostet. „Das ist momentan so ’ne Art Durchhaltephase für uns“, sagt der 60-jährige Bauer, „wir hoffen, dass mit Weltbevölkerung und Wohlstand auch der Zuckerhunger wächst. Und dass wir früher oder später mal echten Wettbewerb kriegen.“ ---

Originalartikel der Ausgabe 11/2006

Lange lebten deutsche Landwirte gut vom subventionierten Zuckerrübenanbau. Jetzt müssen sie sich etwas Neues einfallen lassen. Eine Globalisierungsgeschichte aus der Hildesheimer Börde.

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